Bewertung: 6
Tyler Perry

A Fall from Grace

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Inhalt

Grace Waters (Crystal Fox) ist in ihrer Gemeinde ein wohlgesonnenes Mitglied. Als ihr Mann mit seiner Sekretärin eine Affäre beginnt, hält sie sich trotzdem aufrecht. Auf den Rat ihrer besten Freundin Sarah (Phylicia Rashad) hin, wagt sie sich wieder ins Leben und kommt mit einem faszinierenden jüngeren Mann (Mehcad Brooks) zusammen, aber schon kurz nach ihrer Heirat wird Grace des Mordes an ihm angeklagt. Die Strafverteidigerin Jasmine Bryant (Bresha Webb) bekommt ihren Fall zugewiesen, um ihr einen Deal zu verschaffen, doch schnell wachsen in ihr Zweifel, ob Grace wirklich eine Mörderin ist.

Kritik

Thriller machen gerade im Buchbereich eines meiner liebsten Genres aus und in den letzten Jahren waren vor allem viele Neuerscheinungen in der Unterkategorie Spannungsroman zu entdecken, in denen die Protagonisten vermeintlich etwas gesehen und getan haben und man dann in einer sich langsam entwickelnden Geschichten auf den Grund geht, ob es wirklich passiert ist oder welche Verschwörung dahinterstecken könnte. Dies gilt beispielsweise für "Girl on the Train", der mit Emily Blunt verfilmt wurde oder für "Woman in Cabin 10", dessen Verfilmung in diesem Jahr erwartet wird. Die Grundprämisse von "A Fall from Grace" hat mich sehr an dieses Schema erinnert, denn über der Geschichte schwebte die Frage: Hat Grace ihren zweiten Ehemann getötet oder nicht?

Auch wenn diese spannende Frage und ihre Nachwirkungen den Film gänzlich begleitet haben, ist der Eindruck doch schnell durch eine sehr chaotische Erzählweise und eine fehlende eindeutige Stilistik getrübt worden. Was zunächst als klassisches Anwaltsdrama beginnt, in dem Jasmine ihren Ermittlungen nachgeht und sich in Paragraphen und legalen Möglichkeiten verliert, wird irgendwann ein kleiner Liebesfilm, der Grace und Shannon (Brooks) von ihrer ersten Begegnung bis hin zu ihrer Eheschließung begleitet. Anschließend driftet die Erzählung in eine Horrorstory ab, um schließlich dann wirklich noch zum Thriller zu werden. Diese unterschiedlichen Atmosphären waren beim Zuschauen durchaus verwirrend, zumal man gerade in dem Liebesteil einige Zielgruppenzuschauer hätte verlieren können. Zudem hat sich dadurch eine Länge des Films ergeben, die definitiv als zu ausschweifend ausgefallen ist, denn einige Handlungen wurden zu sehr gestreckt.

Dennoch kann ich nicht leugnen, dass ich trotz der schwierigen Voraussetzungen in diese Geschichte hineingezogen wurde. Während Jasmine als Hauptfigur überraschend schwach bleibt, ist es vor allem die Figur Grace, die den Zuschauer mitreißt, weil man sie zunächst als gebrochene Frau kennenlernt, um sie dann als blühendes Leben kennenzulernen, was die Frage aufwirft, was ist passiert, dass sie so kleingemacht werden konnte? Durch die enge Anbindung an sie als Protagonistin entsteht unweigerlich ein extremer Hass gegen ihre Feinde, was mich doch etwas verwundert hat, da ich eigentlich eine eher neutrale Zuschauerin bin. Aber die Handlung ist perfide gestrickt, hat an vielen Stellen hervorragend manipuliert und so eine Bindung an das Geschehen geknüpft, der man sich nicht mehr entziehen konnte.

Das letzte Viertel des Films hat dann einem Thriller entsprochen, wie er im Buche steht. Von jetzt auf gleich erhält die Handlung eine Wendung, die man erhofft hat und die man in überzeugender Manier dargelegt bekommt. Im Endeffekt hätte man schon vorher vieles ahnen können, aber dieser Film war doch so clever erzählt, dass es sich am Ende eben doch so unerwartet anfühlt. Während die Handlung hier also qualitativ ihren Höhepunkt erreicht, hapert es in der Umsetzung aber erneut. Gegen Ende hin haben sich im Verhalten einiger Charaktere arge Löcher aufgetan, die mich doch ein ums andere Mal die Augen haben verdrehen lassen. Dies hätte man cleverer zu Ende bringen können, aber so wurde hier noch einmal aufgezeigt, was den gesamten Film treffend charakterisiert: Qualitativ waren die Unterschiede in der Machart einfach zu groß.

Fazit

"A Fall from Grace" ist vom Papier her als Thriller einzuordnen, hat sich aber lange als Genremix entpuppt, in dem nicht alle Bestandteile gut zusammenwirken konnten. Dafür haben die Handlung und die Bindung an die Protagonistin eine Sogkraft entwickelt, die einen durch die Handlung gleiten lässt. Dafür wird man mit einem spannenden Ende belohnt, das nur von der Umsetzung her manchmal etwas plump wirkt.

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Lena Donth - myFanbase
31.01.2020

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