Bewertung: 6
John R. Leonetti

The Silence

They're listening.

Foto: Copyright: 2019 Constantin Film Verleih GmbH
© 2019 Constantin Film Verleih GmbH

Inhalt

Die taube Ally (Kiernan Shipka) lebt mit ihren Eltern Hugh (Stanley Tucci) und Kelly (Miranda Otto), ihrer Großmutter Lynn (Kate Trotter), ihrem Bruder Jude (Kyle Harrison Breitkopf) und ihrem Hund Otis in einem kleinen Vorort. Das Leben der Familie und der ganzen Menschheit wird auf den Kopf gestellt, als tausend Jahre alte Kreaturen aus einer Höhle befreit werden und über die Erde und deren Bewohner herfallen. Schnell wird klar, dass diese Kreaturen von Geräuschen angezogen werden und Ally, sowie ihre Familie, in kompletter Stille leben müssen, um zu überleben.

Zusammen mit ihrem Nachbarn Glenn (John Corbett) machen sie sich auf dem Weg, um einen sicheren Unterschlupf in einem ruhigen, abgelegenen Landschaftsgebiet zu finden. Nach einer langen Fahrt, die zwei Todesopfer fordert, findet die Familie ein Haus, in dem sie unterkommen. Doch bereits nach kurzer Zeit wird eine unheimliche Sekte, angeführt von einem stillen Pfarrer (Billy MacLellan), auf die Familie aufmerksam und werfen ein Auge auf die taube Ally. Die Familie muss einen Weg finden, sich gegenseitig zu beschützen, ohne die gefährlichen Kreaturen anzulocken.

Kritik

Im letzten Jahr eroberte der Horrorfilm "A Quiet Place" die Kinocharts, in der eine Familie ihr Leben in Stille führen muss, um sich vor Monstern zu schützen. In einem Interview wurde Hauptdarsteller und Regisseur John Krasinski gefragt, ob der Roman "The Silence", der 2015 erschien, als Vorlage diente, was dieser verneinte. Wenn man sich nun die tatsächliche Verfilmung des Buches anschaut, kann man dies kaum glauben. Nicht nur das es sich bei einer der Hauptcharaktere um ein taubes Mädchen handelt, wie schon in "A Quiet Place", es gibt auch einige fast identische Szenen und die Monster sehen zwar unterschiedlich aus, haben aber praktisch die gleichen Fähigkeiten und Defizite.

"The Silence" macht vor allem in der ersten halben Stunde vieles richtig. Während "A Quiet Place" uns mitten ins Geschehen warf und die Kreaturen zum Beginn des Films bereits den Planeten übernommen und einen Großteil der Menschheit ausgelöscht hatte, zeigt uns "The Silence" den Beginn der Monsterplage. Dies wurde sehr realistisch dargestellt und es ist schwer anzusehen, wenn beispielsweise eine Frau mit ihrem schreienden Baby aus dem Zug verbannt wird, um die anderen Fahrgäste zu schützen. Dies ist, obwohl nichts explizit gezeigt wird, harter Tobak und sorgt für Gänsehaut. Es ist nun mal so, dass in einer stillen Welt Opfer gebracht werden müssen, da die Überlebenschancen gerade für Kleinkinder und auch Tiere, wie Hunde, gleich null sind. Als Zuschauer kann man sich schnell in dieses Dilemma rein fühlen und fragt sich, wie weit man selbst bereit wäre zu gehen, wenn man in so einer Welt leben müsste.

Ebenfalls positiv hervorsticht, wie die Monster erst nach und nach die Erde übernehmen und die Zivilisation nicht von einer Minute auf die andere komplett ausgelöscht wird. Das Fernsehen übermittelt weiter Nachrichten, das Internet funktioniert, mehr oder weniger, den ganzen Film über, während andere Filme mit Endzeitszenarien es oft so aussehen lassen, als würde von heute auf morgen sofort alles zusammenbrechen. Das verleiht der ersten Hälfte des Films einen Hauch von Realismus. Selbst die Entscheidungen, die, die Hauptcharaktere treffen, kann man bis zu einem gewissen Punkt nachvollziehen. Zwar tun sie oft das Gegenteil von dem, was sie laut Fernsehübertragungen tun sollen, aber so sind Menschen. Horrorfans tun gerne so, als wären sie so viel schlauer als die Charaktere in Filmen, wenn die Realität ist, dass ein Großteil dieser Zuschauer ähnlich handeln würden, wenn sie tatsächlich in der gleichen Situation stecken würden. Nicht nachvollziehen konnte ich dagegen die Unfähigkeit der Regierung, denn während des Films sind mir unzählige Ideen gekommen, wie man die Monsterplage unter Kontrolle bekommen könnte.

Leider flacht der Film, nach der starken ersten Hälfte, schnell ab und läuft nach bekanntem Schema ab. Es gibt eine Szene in einem verlassenen Supermarkt, die es ähnlich sowohl in "A Quiet Place" als auch in "Bird Box" gab und keinerlei Überraschung bereit hält und auch in "Bird Box" verbarrikadieren sich die Überlebenden in einem abgelegenen Haus und bekommen es mit einer verrückten Sekte zu tun, wie es auch in "The Silence" der Fall ist. In "A Quiet Place" sorgte die Taubheit von Hauptcharakter Regan für intensive Momente, was in "The Silence" kaum der Fall ist. Ally kann Lippen lesen, sprechen und wenn nicht öfters per Zeichensprache kommuniziert werden würde, würde man fast vergessen, dass sie taub ist. Hier wurde leider eine Menge Potenzial verschenkt.

Beim Casting der Hauptdarsteller hat man dafür alles richtig gemacht, denn die hochkarätige Besetzung kann auf ganzer Linie überzeugen und vermitteln die Emotionen der Charaktere glaubhaft. Mit Kiernan Shipka und Miranda Otto konnte man sogar gleich zwei Darstellerinnen der erfolgreichen Netflix-Serie "Chilling Adventures of Sabrina" verpflichten, weshalb es nicht verwundert, dass der Film in Amerika direkt auf dem Streamingdienst veröffentlicht wurde.

Fazit

Trotz der beinah gleichen Geschichte, schafft es "The Silence" auf eigenen Füßen zu stehen und schneidet im direkten Vergleich nur leicht schlechter ab, als Filme wie "A Quiet Place" und "Bird Box". Vor allem die erste Hälfte des Films sorgt für starke und düstere Momente. Leider flacht der Film in der zweiten Hälfte deutlich ab, wird vorhersehbar, unoriginell und verschenkt eine Menge Potenzial.

Kevin Dave Surauf - myFanbase
21.05.2019

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