Bewertung: 6
Björn Runge

Die Frau des Nobelpreisträgers

Foto: Copyright: SquareOne Entertainment
© SquareOne Entertainment

Inhalt

Joseph Castleman (Jonathan Pryce) ist ein erfolgreicher Schriftsteller und für eines seiner Werke erhält er eines Tages den Literaturnobelpreis. Euphorisch teilt er seine Freude über diese Ehre mit seiner Ehefrau Joan (Glenn Close) die sich jedoch nur mäßig für ihren Mann zu freuen scheint. Gemeinsam reisen Joseph und Joan mit ihrem Sohn David nach Stockholm, wo die feierliche Preisverleihung stattfinden soll. Durch ein paar Einblicke in die Vergangenheit der Castlemans erfährt man mehr über Joseph und Joan, wodurch schließlich ein großes Geheimnis des Paares aufgedeckt wird.

Kritik

Auf den ersten Blick wirken Joan und Joseph wie ein ganz normales Ehepaar, das gemeinsam gealtert ist. Sie ist Hausfrau, er verdient sich den Lebensunterhalt mit dem Schreiben. Als ihm die Ehre zuteil wird, für den Literaturnobelpreis ausgezeichnet zu werden, zeichnet sich jedoch ab, dass Joan diese Neuigkeit mit Zurückhaltung aufnimmt. Während man sich zu wundern beginnt, was es mit Joans Verhalten auf sich hat, steuert Joseph dagegen und betont immer wieder, wie viel er seiner Frau verdankt. Bei jedem Schritt ihres Weges nach Stockholm und auch bei ihrem Aufenthalt dort holt Joseph seine Frau jedes Mal wieder von der Seitenlinie des Geschehens ab und versucht sie in die Gratulationen mit einzubinden, obwohl doch eigentlich er der Star ist.

Genährt durch den von Christian Slater gespielten Nathaniel Bone reift im Zuschauer immer mehr die Vermutung, dass Joan mehr in Josephs Arbeit involviert ist, als es zunächst den Anschein macht. Man ist sich nicht sicher, worauf der Film hinauslaufen will, denn auch wenn im Zuschauer der Verdacht reift, dass bei den Castlemans etwas nicht ganz stimmig ist, betont Joseph immer wieder, dass seine Frau nichts mit der Schriftstellerei am Hut hat.

Durch die Flashbacks eröffnet man schließlich die Hintergrundgeschichte der Castlemans, doch auch dort deutet erst noch nichts auf die eigenartige Stimmung hin, die sich in der Gegenwartszeitebene immer deutlicher einstellt. Ganz langsam tastet man sich an das Geheimnis der Castlemans heran und baut dabei für meinen Geschmack entschieden zu wenig Spannung auf. Die Offenbarung zieht sich in die Länge und man ahnt als Zuschauer schon längst, dass Joan nicht ganz unbeteiligt an Josephs Erfolg sein kann.

Während die Geschichte durch die zögerliche Erzählweise nicht wirklich mitreißen kann, ist man dann doch von der Interaktion der älteren Castlemans gebannt. Bis zu Josephs Dankesrede behielt Joan ihr freundliches Lächeln, doch nach den Worten ihres Mannes kann und vor allem will sie den Schein nun nicht länger wahren. Es ist wunderbar, die sich wandelnde Miene von Glenn Close zu sehen. Die Erkenntnis, dass sie etwas besseres verdient hat, trifft Joan wie ein Schlag, denn all die Jahre über hielt sie sich im Schatten ihres Mannes und selbst vor den beiden gemeinsamen Kindern durfte sie ihr Talent nie ausleben. Fraglich bleibt dabei jedoch, weshalb Joan trotz des Erfolges, der sich bei Josephs Veröffentlichungen einstellte, der Meinung bliebt, dass sie als Frau nicht das Gleiche erreichen könnte. In den 40 Jahren, die sie und Joseph miteinander verbrachten, tat sich so einiges und sie hätte sich problemlos ein eigenes Standbein aufbauen können.

Obwohl die Erkenntnis über die Ungerechtigkeit in Sachen Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau von Glenn Close sehr schön in Szene gesetzt wird, fehlt es den restlichen Schauspielern oder vielleicht eher dem Drehbuch an dem Talent, den Zuschauer in seinen Bann zu ziehen. Joseph Castleman wird dem Zuschauer zum Ende hin mit jeder Minute unsympathischer, während sein Sohn David die ganze Zeit über nicht seine Blässe abschütteln kann.

Fazit

"Die Frau des Nobelpreisträgers" versäumt es, an den richtigen Stellen Spannung aufzubauen und so hat man als Zuschauer den Eindruck, dem Erzählfluss des Filmes bereits einen Schritt voraus zu sein. Gut umsetzen konnte Glenn Close jedoch das Gefühlsleben ihrer Figur.

Marie Florschütz - myFanbase
04.02.2019

Diskussion zu diesem Film