Bewertung: 7
James Gray

Die versunkene Stadt Z

"Strangers in a strange land."

Foto: Copyright: 2017 STUDIOCANAL GmbH
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Inhalt

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts erhält Lt. Col. Percival Fawcett (Charlie Hunnam) von der Royal Geographical Society in London den Auftrag im Amazonas Landmassen und Grenzverläufe zu vermessen. Die Aussicht darauf, endlich militärischen Ruhm zu erlangen, treiben ihn in entfernte Gebiete, in denen noch nie ein Weißer gewesen ist und er stößt auf die Überreste einer Stadt, die weitaus älter zu sein scheint, als das britische Königreich. Diese Entdeckung bringt ihm in London nicht nur Freunde, doch was wäre ein Entdecker, der sich von hoch renommierten Wissenschaftlern aufhalten lässt. Percy Fawcett macht sich auf den scheinbar aussichtslosen Weg, die versunkene Stadt Z zu finden.

Kritik

London, Royal Geographical Society Percival Fawcett bekommt die einzigartige Chance, seine Militäruniform mit Orden zu dekorieren, die ihm bisher versagt blieben. Er macht sich auf eine als Forschungsreise deklarierte Exkursion ins Amazonasgebiet, um Vermessungen vorzunehmen, die Landesgrenzen feststellen und einen sich anbahnenden Krieg zwischen Völkern verhindern sollen. Zwischen dem Beschuss der 'Wilden' und der generellen Reisestrapazen einer Reise in den Amazonas zu Beginn des 20. Jahrhunderts findet Fawcett Hinweise auf eine Bevölkerung, älter als die des britischen Empires, was einigen Personen in London deutlich missfällt.

Regisseur James Gray stolpert für den komplett unvorbereiteten Kinobesucher etwas in die Anfangshandlung des Films hinein, wodurch erst nach ein paar Minuten Handlung klar wird, wo der Film zu Beginn spielt. Charlie Hunnam hingegen ist von der ersten Szene an nicht mehr von seinem Charakter zu unterscheiden, was mitunter auch am grandiosen Make-Up und Kostüm liegt. Der ganze Film lebt von der Authentizität der Kostüme, die den Zuschauer direkt in die damalige Zeit befördern. Auch Robert Pattinson (Henry Costin) ist mit Rauschebart und Hut kaum wiederzuerkennen. Es ist erfrischend die beiden Schauspieler einmal nicht in ihren gewöhnlich, sehr auf das Aussehen fokussierten Rollen zu sehen, so dass die volle Konzentration immer auf der Erzählung der eigentlichen Geschichte liegt.

Die Expedition beginnt mit der Prämisse, Grenzen zu vermessen und für das englische Königreich wertvoll zu arbeiten, doch alles beginnt sich zu ändern, als Fawcett auf die Teile einer Stadt stößt, die alle Vorstellungen übertrifft. Ein Konflikt, der während des Films immer wieder auftritt, ist, dass sich die alten, wohlhabenden Männer der Royal Geographical Society in London keineswegs vorstellen können, dass es ein Volk gibt, welches dem ihren zeitlich vorausgeht. "Die versunkene Stadt Z" präsentiert immer wieder, aus heutiger Sicht, sehr antiquierte Weltvorstellungen; da dies jedoch in die Zeit passt, ist auch Fawcetts zwischenzeitlicher Verweis auf die Rolle der Frau wenig verwunderlich. An sich spielt Sienna Miller seine Frau Nina sehr emanzipiert und engagiert, wie es zu Beginn des 20. Jahrhunderts nicht immer üblich war. Auf die schauspielerische Leistung bezogen, schafft es Sienna Miller ihren männlichen Kollegen den Rang abzulaufen, auch wenn sie deutlich weniger Szenen im Film hat. Dies wird dadurch noch einmal verstärkt, dass Charlie Hunnam und Robert Pattinson, ohne es eigentlich nötig zu haben, ihre Rollen teilweise zu überzogen spielen und es sehr gewollt geschauspielert wirkt.

"Die versunkene Stadt Z" stellt nicht nur sehr realitätsnah dar, was es damals hieß, zu einer Expedition aufzubrechen, die mitunter tödlich enden könnte, sondern fügt mühelos viele der damaligen Probleme des öffentlichen Lebens in die Filmhandlung ein. So stößt Percy Fawcett auf sehr viel Widerstand mit seiner Idee, ein weiteres Mal in den Amazonas zu fahren, um die versunkene Stadt zu finden, und wird dann von amerikanischen Zeitungen finanziert, ein Prozedere, welches zum damaligen Zeitpunkt durchaus üblich war. Auch die Tatsache, dass die Ureinwohner nicht etwa genauso benannt wurden, sondern konsequent als 'Wilde' tituliert wurden zeugt von der Überheblichkeit der englischen höheren Gesellschaft. Diese kleinen Details weben sich perfekt in die Geschichte ein, sodass ein schlüssiges Gesamtbild entsteht.
Für Marvel-Fans ist "Die versunkene Stadt Z" eine gute Möglichkeit um Tom Holland außerhalb des Spiderman-Franchise in einer Rolle zu sehen, die sehr erwachsen ist und seine schauspielerischen Fähigkeiten zum Scheinen bringt.

Fazit

"Die versunkene Stadt Z" ist ein Abenteuerfilm der mit 141 Minuten Laufzeit sehr lang scheint, im Kino aber nie langweilig wird. Mitunter wirken einige Szenen zu sehr gewollt geschauspielert, was die Handlung aber zu keinem Zeitpunkt stört. Gerade bei der Kameraarbeit wurde viel Wert daraufgelegt, die ganze Schönheit des Amazonas darzubieten, in Kombination mit den Strapazen der Expeditionsteilnehmer entsteht ein tolles Kontrastbild. Eine Gegenüberstellung, von der der Film bis zum Ende lebt. Ein Film für Zuschauer mit Entdeckergeist und einem Sinn für schöne Landschaften.

Zum "Die versunkene Stadt Z"-Gewinnspiel

Jeanne Plaumann - myFanbase
22.03.2017

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