Bewertung: 8
Lenny Abrahamson

Raum

"When I was small, I only knew small things. But now I'm five, I know everything!"

Foto: Raum - Copyright: 2016 Universal Pictures International All Rights Reserved
Raum
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Inhalt

Jack (Jacob Tremblay) ist ein aufgeweckter Fünfjähriger, der von seiner liebevollen Mutter (Brie Larson) umsorgt wird. Die beiden sind unzertrennlich und verbringen jede freie Minute miteinander. Es bleibt ihnen allerdings auch nichts anderes übrig, da sie in einem kleinen, fensterlosen Raum leben und von der Menschheit abgeschottet sind. So gut es ihr möglich war, hat Ma versucht, die Wahrheit vor ihrem Jungen zu verbergen und sich viele Ausreden einfallen lassen, warum es nur sie beide gibt. Doch je älter Jack wird, desto mehr strebt er danach, alles zu erfahren und so erzählt ihm Ma kurzerhand, weshalb sie sich in Raum aufhalten. Gemeinsam erfinden sie einen Plan, um vor dem Kidnapper (Sean Bridgers) zu fliehen. Doch kaum gelingt es ihnen, die Freiheit zu erlangen, müssen Mutter und Sohn mit der realen Welt fertig werden.

Kritik

Im Jahre 2010 schrieb die irische Autorin Emma Donoghue die Romanvorlage des Filmes "Raum" aus der Sicht eines fünfjährigen Jungen. Angelehnt ist die Geschichte an den österreichischen Straftäter Josef Fritzl, der seine Tochter, und die von ihm durch Vergewaltigung gezeugten Kinder mit ihr, 24 Jahre lang im Keller gefangen hielt. Über einen längeren Zeitraum war der gefühlvolle Roman in aller Munde, sodass schnell klar wurde, dass man diesen auf die Leinwand bringen wollte. Reigsseur Lenny Abrahamson nahm sich dieser Aufgabe an und Romanautorin Donoghue selbst schrieb das Drehbuch für die Adaption.

Nachdem erst Shailene Woodley für die Rolle der Ma/Joy Newsome im Gespräch war, entschied man sich schlussendlich doch dazu, die Rolle Brie Larson zu geben, die eine erschreckend realistische Darstellung abliefert. Um sich auf ihre Rolle vorzubereiten, suchte sie einen Ernährungsberater und einen Trauma-Experten auf, um sich mit ihrem Charakter besser identifizieren zu können. Die Arbeit hat sich auf jeden Fall gelohnt, denn Larsons Performance geht absolut unter die Haut und hat ihr bereits einen Golden Globe eingebracht.

Sieben Jahre lang verbrachte Joy Newsome in diesem dunklen Verlies, das sie in dieser Zeit ihr zu Hause nennen musste. Dabei wurde sie immer und immer wieder von einem Mann, den man nur Old Nick nennt, vergewaltigt. Daraus ging ihr Sohn Jack hervor, den sie trotz der schrecklichen Umstände, in denen er geboren wurde, über alles liebt. Doch kaum lebt sie wieder in Freiheit, beginnt Joy unter schrecklichen Depressionen zu leiden. Sie ist eifersüchtig auf diejenigen, die die vergangenen sieben Jahre voll auskosten und ihr Leben in vollen Zügen genießen konnten. Von Tag zu Tag verschlechtert sich ihre Stimmung, was man als Zuschauer schmerzhaft nachvollziehen kann. Man fühlt mit ihr, mit ihrem tragischen Gefühl verlorener Zeit und sympathisiert sofort mit ihrem Charakter, was der grandiosen Darbietung Larsons zu verdanken ist.

Bei diesem Film ist es außerordentlich wichtig, dass man sich auf die Erzählperspektive einlässt. Wie es auch schon bei der Buchvorlage der Fall war, werden die Ereignisse aus der Sicht des Fünfjährigen geschildert, sodass man mit oftmals sehr kindlichen und einfach gestrickten Gedankengängen konfrontiert wird. Aber genau das ist es, was den Film so ausmacht. Jack ist in der Gefangenschaft gezeugt, geboren geworden und aufgewachsen. Die reale Welt ist für ihn erschreckend und faszinierend zugleich. Es ist unglaublich interessant zu erfahren, wie er mit alledem klar kommt und langsam beginnt, sich anderen Menschen zu öffnen. Er wünscht sich zwischendurch, er wäre wieder in Raum, da dort alles viel einfacher gewesen ist. Man verfolgt seinen Werdegang gebannt mit und wünscht sich, dass er sich zu einem normalen, gesunden jungen Mann entwickeln wird. Jungdarsteller Jacob Tremblay ist perfekt für die Rolle geeignet und verkörpert den Jungen mit einer spielerischen Leichtigkeit.

Trotz der zu Beginn sehr bedrückenden Atmosphäre des Films verfolgt man die Entwicklungen der Handlung mit großem Interesse. Es ist besonders interessant zu sehen, wie unterschiedlich Joy und Jack mit der neugewonnenen Freiheit umgehen. Während Ma immer mehr zu leiden und zu kämpfen hat, beginnt Jack alles mit Neugierde und Faszination zu betrachten. Durchbrochen wird die Beklemmung durch Charme und gut getimten Humor, der den Zuschauer wenigstens einige Augenblicke lang durchatmen lässt, sodass man das eben Gesehene verdauen kann. Denn "Raum" ist absolut kein Film für schwache Nerven.

Fazit

Ein beeindruckender Film aus der Erzählperspektive eines kleinen Jungen, der sein Leben in Gefangenschaft verbracht hat. Interessante Entwicklungen und überzeugende Darsteller stehen bei "Raum" ganz hoch im Kurs. Ich kann hier nur eine uneingeschränkte Empfehlung aussprechen!

Sanny Binder - myFanbase
21.02.2016

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