Bewertung: 9
James Kent

Testament of Youth

"I can scarcely bear to think of him, and yet I cannot bear to think of anything else."

Foto: Copyright: Sony Pictures Home Entertainment GmbH
© Sony Pictures Home Entertainment GmbH

Inhalt

Vera Brittain (Alicia Vikander) wünscht sich nichts sehnlicher, als an der Oxford University Englische Literatur zu studieren. Als sie ein Stipendium erhält, scheinen für sie all ihre Träume wahr zu werden. Kurz bevor ihr Studium losgeht, lernt Vera Roland Leighton (Kit Harington), einen guten Freund ihres Bruders (Taron Egerton), kennen und verliebt sich Hals über Kopf in ihn. Doch noch bevor ihre Beziehung noch intensiver werden kann, bricht der Erste Weltkrieg aus und Vera muss dabei zusehen, wie ihr Bruder und ihr zukünftiger Verlobter an die Front gehen. Unfähig, zu Hause auf die Rückkehr der beiden zu warten, entschließt sie sich, ihr Studium abzubrechen und als freiwillige Krankenschwester an die Front zu gehen. Doch der Krieg fordert viele Opfer und auch bald wird auch Vera mit einigen Schicksalsschlägen konfrontiert.

Kritik

Bei "Testament of Youth" handelt es sich um ein bewegendes und emotionales Kriegsdrama, welches auf der gleichnamigen Autobiografie der 1970 verstorbenen Pazifistin Vera Brittain basiert. In diesem Werk schilderte sie die Erfahrungen, die sie im Krieg gemacht hat und wie sie mit ihren schweren Verlusten nach Kriegsende umging. Im Film wird sie durch die talentierte Newcomerin Alicia Vikander dargestellt, die sich durch ihre Rolle in "Anna Karenina" einen Namen machte. Mit von der Partie sind "Game of Thrones"-Liebling Kit Harington und Colin Morgan, der seine Bekanntheit durch die Darstellung des Merlin in der gleichnamigen Fantasyserie erlangte.

Dass es sich hierbei um einen autobiografischen Film handelt, geht beim Anschauen der schrecklichen Kriegsszenarien besonders unter die Haut. War Vera Brittain zunächst noch ein lebensfreudiges Mädchen, das sich gerne in der Poesie und Literatur verlor, wird ihre Welt schon bald durch den Beginn des Ersten Weltkriegs und ihre plötzlich entfachte Liebe zu Roland Leighton auf den Kopf gestellt und gerät komplett aus den Fugen. Sie muss mit ansehen, wie alle die sie liebt, an die Front gehen, um für ihr Vaterland zu kämpfen und zu sterben. Alleine bleibt sie zu Hause zurück und muss jeden Tag um das Leben ihres Bruders, ihrer Freunde und ihres zukünftigen Verlobten bangen. Was für ein grausames und angsterfülltes Leben muss es sein, jeden Tag in die Zeitung zu blicken und die Listen der gefallenen Soldaten durchzusehen in der Hoffnung, keinen bekannten Namen vorzufinden? Genau daraus bestanden die Tage von Vera Brittain, bis sie sich dazu entschließ, etwas dagegen zu unternehmen und selber an die Front zu gehen.

Mit Grausamkeit und einer Bildgewalt, wie man sie nicht alle Tage sieht, begleitet man Vera auf ihrem Weg als freiwillige Krankenschwester und mit ihr die schwerverletzten Soldaten, die sie behandelt. Auch wenn sie aus England stammt, gehört es ebenso zu ihrer Aufgabe, deutsche Soldaten an der Front zu verarzten, wobei sie sieht, dass sie alle gleich sind. Sie alle wurden wegen einer Unstimmigkeit der Länder in einen Krieg gezwungen, den eigentlich niemand wollte. Sie alle leben mit der Angst, im Krieg zu fallen und ihre Frauen und Kinder womöglich niemals wieder in die Arme schließen zu können. Die junge Vera meistert diese Aufgabe mit Bravour und man empfindet tiefsten Respekt für sie und die Arbeit, die sie im Krieg geleistet hat. Von einem jungen Bücherwurm wächst sie zu einer Pazifistin heran, die sich nichts sehnlicher wünscht, als dass die Männer ihre Waffen fallen lassen und sich zu einem Frieden bereiterklären.

Es gibt Tage, an denen will Vera einfach aufgeben, doch ihre Liebe zu Roland macht sie stark und gibt ihr die Kraft und den Mut, tagein und tagaus weiterzumachen und etwas Gutes für die verwundeten Soldaten zu tun. Die Liebe der beiden kommt zwar plötzlich, doch wirkt sie durchaus intensiv und wahrhaftig. Bei Vikander und Harington springt der Funke sofort über und man spürt eine wirkliche Verbundenheit und tiefe Zuneigung. Als Filmpaar harmonieren sie ausgesprochen gut, weshalb ihre Darstellung überaus authentisch wirkt. Die Momente, die sie miteinander haben, leben von den sanften und leisen Tönen, untermalt von einer gewissen Poesie, die sich durch den gesamten Film zieht und eine erfrischende Atempause von den Kriegsszenarien bietet. Man gönnt Vera von Herzen nur das Beste für ihre Zukunft, was es umso erschreckender macht, wenn man sieht, welche Verluste sie durch den Krieg in Kauf nehmen muss. Nichtsdestotrotz findet sie die Kraft, wieder aufzustehen und weiterzumachen, was eine bewundernswerte Eigenschaft an ihr ist.

Bei diesem Film stimmt eigentlich alles, vom bildgewaltigen und glaubhaften Kriegssetting, über die Darsteller, die musikalische Untermalung bis hin zum Drehbuch, das geschmückt ist mit wunderschönen und poetischen Dialogen, bei denen einem das Herz aufgeht. Vikander, Harington und all die Nebendarsteller harmonieren hervorragend und erwecken ihre Charaktere zum Leben.

Fazit

"Testament of Youth" ist ein durchweg gelungenes Drama, das absolut unter die Haut geht und zu Tränen rührt. Die Darsteller verkörpern ihre Rollen mehr als glaubwürdig und die Dialoge klingen wie Musik in den Ohren. Man hat seine Freude beim Zusehen, auch wenn einem die Gefühlswelt nach den letzten Minuten komplett auf den Kopf gestellt wird.

Sanny Binder - myFanbase
25.11.2015

Diskussion zu diesem Film