Bewertung: 7
Mark Lawrence

Wie schreibt man Liebe?

Wenn Sie glauben, dass man Schreiben nicht lernen kann, was machen wir dann in Ihrem Kurs?

Foto: Copyright: 2014 Constantin Film Verleih GmbH
© 2014 Constantin Film Verleih GmbH

Inhalt

Keith Michaels (Hugh Grant) war vor gut 15 Jahren ein gefeierter Drehbuchautor. Noch heute redet man über seinen bisher einzigen Filmhit "Paradise Misplaced", der ihm sogar einen Oscar für das Beste Drehbuch einbrachte. Aktuell ist Keith jedoch geschieden, Vater eines vernachlässigten Sohnes und erfolglos in der Filmfabrik. Trotz reichlichen Klinkenputzens, ist niemand so recht interessiert an einer neuen Geschichte aus seiner Feder. Keith ist langsam verzweifelt, bis ihm seine Agentin (Caroline Aaron) ein Jobangebot unterbreitet, das ihn schließlich dazu bringt, sein Leben noch einmal umzuschreiben.

Eingangs wenig begeistert von der Idee, irgendwelchen Studenten an der Uni das Drehbuchschreiben beizubringen, macht es sich Keith dennoch in der US-Kleinstadt Binghampton gemütlich. Kaum angekommen, durchwühlt er sogleich die Bettlaken mit einer jungen Studentin (Bella Heathcote), während er es sich mit seiner Kollegin Mary Weldon (Allison Janney), einer bissigen Jane-Austen-Expertin, wiederum verscherzt. Seine planlosen Unterrichtsmethoden sind ebenfalls fragwürdig. Keith ist sowieso der Meinung, man könne das Schreiben nicht erlernen, sondern könne es einfach. Seine Schüler, darunter die lebenslustige Single-Mum Holly (Marisa Tomei), belehren ihn jedoch bald eines Besseren. Und so lernt auch Keith während seines Unterrichts dazu über das Schreiben und sich selbst.

Kritik

Wo sind sie nur geblieben, die romantischen Komödien, die unsere Herzen erwärmen, unsere zum Schmunzeln gemachten Mundwinkel trainieren und einem folglich die kalte Jahreszeit versüßen? Geschätzte RomComs wie "Liebe braucht keine Ferien", "Bridget Jones Schokolade zum Frühstück" oder "Weil es dich gibt" könnten ruhig mal einen würdigen Nachfolger gebrauchen. Ja, ein Film mit dem Titel "Wie schreibt man Liebe?" ist da schon ein gutes Omen. Dazu noch Hugh Grant als Frontmann, das kann nur gut werden. Oder? Denn mal ehrlich, welcher RomCom-Fan erinnert sich nicht gerne zurück an Filme wie "Notting Hill", "Ein Chef zum Verlieben" oder "Mitten ins Herz - Ein Song für dich"? Immerhin haben alle drei Filme eines gemeinsam: Hugh Grant in der Rolle des ewigen RomCom-Helden. Umso besser, dass der charmante Brite tatsächlich wieder zu überzeugen und die Story wunderbar gut zu unterhalten weiß.

Der deutsche Titel "Wie schreibt man Liebe?" ist allerdings irreführend. Anders, als es zunächst den Anschein erweckt, wird die Liebe hier nämlich überhaupt nicht groß geschrieben. Natürlich ist da durchaus dieses Funken zwischen Grant und Filmpartnerin Marisa Tomei zu erahnen. Nichtsdestotrotz setzt die inzwischen vierte Zusammenarbeit von Regisseur Mark Lawrence und Hauptdarsteller Hugh Grant den Fokus an eine andere Stelle. Liebe, die gibt es hier ansatzweise. Geschrieben wird auch. Aber vielmehr geht es, blickt man einmal genauer hin, doch eher um die Liebe zum Schreiben und die Einsicht, dass es niemals zu spät ist, seine Lebensziele zu überdenken oder sich gar mit der Vergangenheit auszusöhnen. Im Mittelpunkt steht dabei ein geschiedener Autor, der im Leben gescheitert ist und allmählich die Liebe zum Schreiben verloren hat, diese nun unbewusst wiederentdeckt, wenn auch völlig anders als gedacht. Aus ihm wird nämlich ein (eingangs unmotivierter) Gastdozent an der Universität.

Dass Grant ein Meister seines Fachs ist, sieht man. Gehabt charmant mimt er den derweil ergrauten Drehbuchautor Keith Michaels, der in seiner Karriere lediglich einen unvergesslichen Filmhit vorzuweisen hatte und trotzdem nimmermüde (und erfolglos) an die Türen Hollywoods klopft, bis seine Agentin ihm ein Jobangebot unterbreitet, das er nur zu gerne ablehnen würde, aber natürlich nicht kann. Der Klassiker unter den Antriebsmotoren also!

Unübersehbare Parallelen zu Grants Darstellung des Alex Fletcher in "Mitten ins Herz Ein Song für dich" lassen sich dann vielleicht darin ergründen, dass bei beiden Filmprojekten Regisseur Marc Lawrence persönlich das Drehbuch beisteuerte. Egal! Die Rolle des gealterten Künstlers, der eine Schwäche für hübsche Frauen hat, passt zu Grant und bietet wiederum ordentlich Zunder für ausufernde Konflikte, die geschickt in den Plot gestrickt wurden. Der Spannungsbogen bleibt zwar konstant, die Story in ihren Grundzügen durchschaubar und die Romantik dezent im Hintergrund, dafür wirken einige, überraschende Momente à la "Du denkst, die Handlung entwickelt sich in diese Richtung? Falsch!" bereichernd und charmant wie Mr. Grant selbst. Der Humor kommt ebenfalls nicht zu kurz. Es ist schon amüsant mit anzusehen, nach welchen Kriterien Keith die eingereichten Drehbücher für seinen Schreibkurs selektiert und sich die darauffolgenden Unterrichtsstunden möglichst freizeitfreundlich gestaltet. Ein erfrischender Schlagabtausch mit einer Jane Austen vergötternden Professorin sorgt ebenfalls für reichlich Wortwitz und Konsequenzen.

Überdies gelingt, was Grant seinen Studenten hier mit auf den Weg gibt: Eine Geschichte ist nur so gut wie ihre Charaktere. Charaktere, die sich weiterentwickeln und anecken. Das funktioniert im Fall von Grant besonders gut durch das Zusammenspiel mit Marisa Tomei ("Crazy, Stupid, Love."). Als alleinerziehende Mutter Holly behält sie, trotz mehrerer Nebenjobs und dem Studentinnendasein, den Weitblick und gibt dem oftmals planlosen Keith nützliche Anreize für notwendige Veränderungen in beruflicher wie privater Hinsicht. Die scharfsinnigen Dialoge tun indes ihr übriges. Auch der Nebencast kann sich sehen lassen. Obwohl sich in Keiths Schreibklasse und Kollegenkreis die üblichen Verdächtigen wiederfinden wie etwa der "Star Wars" verehrende Nerd, das leicht naive Dummchen oder die verlockende Studentin, überzeugt auch hier der bunt gemixte Haufen im Gedankenaustausch und in eben "kleinen" Gastauftritten. Ganz vorne mit dabei: "The Closer"-Seriendarsteller J. K. Simmons als nahe am Wasser gebauter Familienvater und kompromissbereiter Dekan Dr. Lerner.

Fazit

Wie man Liebe schreibt, wird man in der neuesten Zusammenarbeit von Regisseur Mark Lawrence und RomCom-Liebling Hugh Grant nicht unbedingt erfahren der Originaltitel "The Rewrite" bringt es da schon eher auf den Punkt. Doch gerade das macht diese erstaunlich "unromantische" Romantikkomödie wiederum so liebens- und sehenswert.

Doreen B. - myFanbase
07.12.2014

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