Bewertung: 6
Woody Allen

Blue Jasmine

"Ich hab mich in den Namen Jasmine verliebt." - "Ich hab ihn geändert, Jeanette hatte irgendwie keine Eleganz."

Foto: Copyright: 2014 Warner Bros. Ent.
© 2014 Warner Bros. Ent.

Inhalt

Jasmine Francis (Cate Blanchett) ist eine Frau von Welt, eine Grande Dame, eine High-Society-Lady sie lernte jung den erfolgreichen Geschäftsmann Hal (Alec Baldwin) kennen, brach ihr Studium ab und heiratete ihn. Mit dem Geld ihres Mannes ließ Jasmine es sich gut gehen: Sie jettete quer über den Globus, kaufte in den teuersten Boutiquen ein, trank die edelsten Champagner und führte nach außen hin mit ihrem Mann und ihrem Sohn Danny (Alden Ehrenreich) ein wahres Luxusleben.

Als die Ehe mit Hal zerbricht, er wegen Betrugs angezeigt wird und all sein Geld verliert, zieht Jasmine vorübergehend zu ihrer Schwester Ginger (Sally Hawkins), um sich neu zu strukturieren. Die naive Ginger kommt aus ärmlichen Verhältnissen, sie arbeitet als Kassiererin und trägt im Gegensatz zu ihrer Schwester ihr Herz am rechten Fleck. Trotz der angespannten Beziehung versucht Ginger ihrer Schwester so gut wie möglich unter die Arme zu greifen.

Alles, was Jasmine ausmacht, hat sie verloren, sie ist pleite, ihr Vorzeigemann hat sie betrogen und ihr Sohn will nach den Geschehnissen nichts mehr mit ihr zu tun haben. Jasmine ist seelisch und finanziell am Ende, kann aber nicht von ihrem Lebensstil und ihren Gewohnheiten ablassen. Um vor anderen, aber auch vor sich selbst, die Fassade aufrecht zu erhalten, baut Jasmine ein Gerüst aus Lügen auf...

Kritik

Das wohl auffälligste Merkmal von "Blue Jasmine" ist seine klare zweigeteilte Struktur, die Jasmines Vergangenheit und Gegenwart stets gegenüber stellt. Wir erfahren zunehmend, wie es Jasmine geht und was für eine Art Mensch sie ist, kleine Rückblenden aus ihrem früheren Leben erzählen dem Zuschauer, wie es dazu kam. Diese Taktik hat Vor- und Nachteile: Einerseits lässt sich die Entwicklung von Jasmine und der Verlauf ihres Lebens nachvollziehen. Der Film ist wie eine Art rücklaufendes Frage-Antwort-Spiel. Wenn sich in der einen Szene noch die Frage stellt "Warum ist sie nur so?", darf der Zuschauer schon in der nächsten Szene mit einer Antwort aus vergangenen Jahren rechnen. Ein Nachteil dieser Erzählart ist, dass sie zunächst verwirrt und ziemlich bald nicht mehr überrascht. Da Jasmine sich rein äußerlich kaum verändert, bemerkte ich in den ersten Minuten die Zeitsprünge oft gar nicht, was zu kurzweiliger Verwirrung führte. Wenn dann aber die Taktik des Films und der Rhythmus der Erzählung einmal durchschaut sind, bleiben Überraschungen und Wendungen aus.

Generell ist "Blue Jasmine" ein ruhiger, gesprächslastiger Film, weshalb es wohl auch nicht im Sinne des Regisseurs war, den Zuschauer zu überraschen, obwohl ich einfach der Meinung bin, dass ein bisschen Unvorhergesehenes bisher keinem Film geschadet hat. Dieser Film jedoch will etwas zeigen und zwar ohne viele Schnörkel und Umwege: Er zeichnet er ein fragwürdiges Gesellschafts- und ein bedauerliches Menschenbild auf. Er kritisiert die Schwäche der Menschen, sich zu sehr auf andere zu verlassen, den leichtesten Weg zu nehmen und irgendwann in Abhängigkeit zu versinken. So sehr Jasmine auch strampelt, ohne einen Anker der für sie meist von Männern verkörpert wird geht sie unter; einen eigenen Rettungsring kann sie trotz aller Hilfe nicht greifen. An und für sich ist die Thematik und ihre unverblümte Darstellung eine sehenswerte und zeitgemäße Gesellschaftskritik. Jedoch bleibt sie meiner subjektiven Meinung nach etwas flach.

Mir persönlich ging der Film leider nicht so sehr unter die Haut, wie er es hätte tun können. Das mag verschiedene Gründe haben: Zum Beispiel die fehlenden Überraschungen und Wendungen, oder die bedienten Klischees der unselbstständigen High-Society-Lady und dem Finanzhai, der wie scheinbar alle ein krimineller Halsabschneider ist oder auch die große Distanz eines Ottonormalverbrauchers zur amerikanischen Upper-Class. Möglicherweise ist auch die gewollte Antipathie schuld, die man zu nahezu jeder Rolle aufbaut. Wir begleiten in diesem Film Menschen und keine prototypischen Helden und Antihelden. Das ist an und für sich ein guter Schachzug, sorgt aber gleichzeitig für Abstand zwischen Narration und Zuschauer. So oder so verschenkt der Film in seiner gewollten Seichtheit einiges an Potential.

Zur schauspielerischen Leistung muss man an dieser Stelle kaum ein Wort verlieren. Ich bin kein großer Cate-Blanchett-Fan und empfinde sie irgendwie generell als gesichtslos; dieses subjektive Gefühl kann aber in keiner Form ihre herausragende Leistung in der Rolle der zerfallenden Jasmine in Frage stellen. Nicht umsonst konnte sie mit der Darbietung sowohl den Golden Globe als auch den Oscar für die Beste Hauptdarstellerin absahnen. Ihre Kollegin Sally Hawkins muss sich jedoch keinesfalls hinter ihr verstecken. Ebenso wenig wie der für meinen Geschmack viel zu selten auftretende Alec Baldwin mit seiner starken Bildschirmpräsenz. Das gesamte Ensemble überzeugt und ist gut zusammengesetzt.

Fazit

Dieser Film zermürbt und ist dennoch leicht. Er zeigt etwas, behält dabei aber eine gewisse Distanz. Das kann ganz angenehm sein und möglicherweise geht er anderen Menschen mehr unter die Haut, jedoch ist er als Gesamtwerk, obwohl er eineinhalb Stunden gut unterhält, nichts, was mir ewig im Gedächtnis bleiben wird. Rein handwerklich zeigt Woody Allen aber wieder einmal eine überzeugende Leistung, die verstärkt zum Nachdenken anregt und die Gefühle dabei vernachlässigt.

Janina Funk - myFanbase
14.09.2014

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