Bewertung: 5
Ry Russo-Young

Versuchung - Kannst du widerstehen?

"You will never have anything or anyone you want."

Foto: Copyright: 2014 Tiberius Film
© 2014 Tiberius Film

Inhalt

Der Filmschaffende Peter (John Krasinski) lädt die junge Künstlerin Martine (Olivia Thirlby) in sein Anwesen ein, um ihr bei einem Filmprojekt zu helfen. Schnell bauen die beiden Künstler eine enge Verbindung zueinander auf, die über ein freundschaftlich-kollegiales Verhältnis weit hinausgeht. Derweil sieht sich Peters Frau Julie (Rosemarie DeWitt), die als Therapeutin arbeitet, mit den Avancen eines Patienten konfrontiert und Peters Tochter Kolt (India Ennenga) verliebt sich in den Assistenten ihres Vaters.

Kritik

Mit dem Independent-Drama "Versuchung Kannst du widerstehen?" erscheint ein auf dem Papier zunächst interessant scheinendes filmisches Projekt auf dem deutschen Heimkinomarkt, bei dem man sich erstmal nicht vom platten deutschen Titel täuschen lassen sollte: Der im Original schlicht "Nobody Walks" betitelte Film lief unter anderem auf dem Sundance Film Festival und wurde mitgeschrieben von keiner Geringeren als "Girls"-Mastermind Lena Dunham. Dazu versammeln sich vor der Kamera noch einige bekannte Gesichter: So wird die Hauptrolle verkörpert von "The Office"-Star John Krasinski, der sich hier in einer eher dramatischen Rolle versuchen kann. In weiteren Rollen sind Rosemarie DeWitt, bekannt unter anderem durch einen längeren Gastauftritt in "Mad Men" und diversen größeren Kinoproduktionen, der ehemalige "Weeds"-Star Justin Kirk, Olivia Thirlby und Nachwuchsstar India Ennenga, die Serienjunkies unter anderem aus "Treme" bekannt sein dürfte, zu sehen. Das ist für eine kleine Independent-Produktion schon ein großes Staraufgebot und im Zusammenhang mit dem Namen Lena Dunham steigen die Erwartungen dann nur noch weiter. Das schlussendliche Ergebnis ist dann aber doch eher enttäuschend, gelingt es dem Film doch nicht, mehr zu sein als ein atmosphärisch dichtes, gut gespieltes, aber leider auch etwas inhaltsleeres und leicht prätentiöses filmisches Experiment über Leidenschaften und den Versuch, die vermeintliche Leere des eigenen Lebens irgendwie zu füllen.

Im Zentrum des Films steht der von Krasinski gespielte Filmschaffende Peter, der einer jungen Nachwuchskünstlerin beim Sounddesign ihres kleinen Kunstfilms helfen soll, dabei nach und nach der jungen Frau verfällt und beginnt, seine Ehe und das geregelte Familienleben aufs Spiel zu setzen. Die kurze Inhaltszusammenfassung klingt sicherlich etwas abgedroschen und wie ein recht seichter erotischer Thriller, was der Film aber sicher nicht ist und auch nicht sein will. Vielmehr ist dies eine in schwelgerischen, ruhigen Bildern erzählte Abhandlung über Leidenschaften, Begierden und die Frage, was man bereit ist, für eine kleinen Seitensprung aufs Spiel zu setzen. Dazu spielt der Film aber auch mit der Thematik des in den monotonen Alltag plötzlich einbrechenden Abenteuers und der damit zusammenhängenden Frage, was der Einzelne vom Leben eigentlich will: ein glückliches, aber vielleicht irgendwann etwas eintönig werdendes Familienleben oder das schnelle, aufregende Abenteuer, von dem aber auch schnell nicht mehr viel übrig bleibt.

Die Fragestellungen und thematischen Setzungen, die die Handlung des Films umwehen, sind also durchaus spannend und aufregend, und auch die poetisch-beunruhigend wirkende Inszenierung weiß zu gefallen, genau wie die Besetzung des Films, die gut miteinander harmoniert und das beste aus der ihr nicht wirklich klar definierten Figuren macht. Leider führt der Film dann aber doch zu nichts und verläuft ins Leere. Da helfen auch die netten inszenatorischen Spielereien und viele hübsche Einzelszenen nichts, wenn das alles kein homogenes Ganzes ergibt und nur in nett anzuschauender lyrischer Symbolik verharrt wird. Am Ende des nicht sehr langen Films stehen einige spannende und durchaus interessante Ansätze, die dann aber zu wenig ausgeführt und vertieft werden.

Fazit

Das von Lena Dunham mitgeschriebene Independent-Drama "Nobody Walks" ist eine atmosphärische, dahintreibende filmische Mediation über physische Anziehungskraft, Begierde, Beziehungen, Liebe, Familie und auch ein Film über das Gefühl der alltäglichen Leere, der aber schließlich selber ins Leere führt. Für Fans der Darsteller oder Freunde vom abseitigen Independent-Kino, bei dem es mehr auf die Inszenierung als auf inhaltliche Tiefe ankommt, ist er aber schließlich vielleicht doch einen Blick wert.

Moritz Stock - myFanbase
02.07.2014

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