Bewertung: 6
Jan de Bont

Twister

"Oh, noch eine fliegende Kuh?! Nein, ich denke, das ist dieselbe."

Inhalt

In ihrer Kindheit erlebte Jo (Helen Hunt) ein Trauma und musste mitansehen, wie ihr Vater von einem Tornado mitgerissen und getötet wurde. Seitdem jagt sie Tornados und machte dies zur ihrer Berufung. Ihr ehemaliger, aber noch nicht endgültig geschiedener Exmann Bill (Bill Paxton) half ihr, ein Tornado-Messinstrument namens "Dorothy" zu entwickeln und eine professionelle Crew unterstützt Jo bei ihrer Forschung. Als Bill mit seiner neuen Liebsten Melissa (Jami Gertz) aufkreuzt, schließen sie sich den Tornado-Jägern und früheren Kollegen an, um "Dorothy" in einem Tornado zu platzieren. Angestachelt durch die Konkurrenz ist Bill schnell mit vollem Einsatz dabei und geht zusammen mit Jo ein großes Risiko ein.

Kritik

"Twister" ist einer dieser Action-/Katastrophenfilme, die man aufgrund der Dialoge und dem Bezug zur Realität mit einem großen Augenzwinkern anschauen sollte. Er zählt dennoch zu einem der erfolgreichsten Filmen aus den 90er-Jahren. "Twister" setzt auf ein Effekte-Spektakel, reißerische Action, Humor und nimmt sich dabei nicht allzu ernst. So bleibt die Story rundum teilweise recht belanglos, doch das Naturphänomen Tornado ist schlichtweg faszinierend. Da die Inszenierung der Twister sehr gelungen ist und diese bedrohlich und spannend wirken, konnte mich der Film richtig mitreißen.

Auf gelungene Weise wusste man auch den Spannungsbogen schön zurecht zu spitzen. Dabei werden Erklärungen und wissenschaftliche Details nicht außen vor gelassen. Stark kritisieren muss man jedoch den im großen Ausmaß fehlenden Realitätsbezug des Filmes. Es ist wohl niemandem zu empfehlen, sich einem Tornado auf die gezeigte Art und Weise zu nähern. Streng genommen müssten Bill und Jo mindestens bei jeder Tornado-Konfrontation weggepustet werden. Stellenweise wirkt der Film auch - teils unfreiwillig - schwarzhumorig und ironisch. Besonders erwähnenswert ist natürlich auch die Situation mit den herumfliegenden Kühen oder Dr. Millers, der mit seinem Kollegen direkt in den F5-Tornado hineinfährt und hochgesaugt wird. Konkurrenzkampf hin- oder her, die Gefahr abschätzen sollte man als Tornadojäger schon können.

Den eingebundenen Storylines merkt man teils an, dass sie nur als Füllwerk zwischen all den Twister-Momenten dienen. Das trifft vor allem auf das Liebesdreieck zwischen Bill, Melissa und Jo zu, welches von Beginn an vorhersehbar ist, genauso wie die Storyline bezüglich der konkurrierenden Tornado-Jäger-Crew. Dennoch gibt es einzelne Szenen, die zum Mitfühlen oder zum Schmunzeln anregen. Storytechnisch ergreift mich am meisten Jos traumatische Situation. Ihre Besessenheit und Faszination von Tornados, was durch den Tod ihres Vaters ausgelöst wurde, sorgt des Öfteren für emotionale Momente. Besonders spannend ist die Situation nachts im Autokino, als ein Twister die Crew und auch Tante Meg überrascht. Hier gelingt es dem Film sein Potential aufzuzeigen und die Idee und den Sinn eines verbesserten Frühwarnsystems verständlicher zu machen.

Bezüglich der Charaktere ist es Melissa, die sehr wohltuend für den Film ist. Sie stellt die wichtigen Fragen und kommt dabei charmant und vernünftig rüber. Nicht weniger gerne sehe ich die Hauptdarstellerin Helen Hunt als Jo, die den Charakter emotional, gewitzt und temperamentvoll spielt. Auch Bill Paxton macht seine Sache ganz gut und ihm nimmt man die Rolle des Tornado - und Wetterprofis ab. Von den Nebencharakteren ist Dr. Miller durch pfiffige Kommentare erwähnenswert. Die äußerst sympathische Tante Meg gefällt mir ebenfalls gut, denn durch sie erhält der Film etwas Tiefe.

Fazit

"Twister" ist ein temporeicher, effekthascherischer Actionreißer mit einzelnen emotionalen Stellen durch die Lovestory oder das Vergangenheitstrauma von Jo. Im Zentrum steht die Jagd nach den Tornados, was durch die gelungene Inszenierung gut ausfällt. Nicht zuletzt überzeugen auch der Humor, der Soundtrack und die schönen Landschaftsbilder.

Samuel W. - myFanbase
25.07.2013

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