Bewertung: 5
Brad Anderson

Call, The - Leg nicht auf!

"And don't make promises... cause you know you can't keep'em."

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Inhalt

Jordan Turner (Halle Berry) arbeitet in der Notrufzentrale des des Los Angeles Police Departments. Tag für Tag nimmt sie Anrufe der Opfer entgegen und steht ihnen bei, bis die Polizei eintrifft. Jordan gehört zu den besten ihres Teams und ist zudem glücklich mit dem Polizisten Paul (Morris Chestnut) liiert. Doch ihre Welt gerät aus den Fugen, als sie bei einem Notruf zu emotional wird und die Entführung eines Mädchens verschuldet, die wenig später tot aufgefunden wird. Verzweifelt kündigt sie ihren Job und wird zur Ausbilderin. Doch als eine neue Mitarbeiterin überfordert ist, nimmt Jordan kurzerhand den Notruf des entführten Mädchens Casey (Abigail Breslin) entgegen und ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt.

Kritik

Dieser Film von Brad Anderson erinnert sofort an "Final Call - Wenn er auflegt, muss sie sterben" oder "Nicht auflegen!". Der Protagonist kann weitab vom eigentlichen Geschehen nur mittels eines Handys eingreifen und Kontakt zum Opfer aufnehmen. Doch im Gegensatz zu diesen beiden Thrillern ist es Hauptfigur Jordan Turners Beruf, Tag für Tag über das Schicksal der Menschen per Telefon zu entscheiden.

"The Call Leg nicht auf" fängt stark an und allen voran die Schauspieler, welche hier alles geben. Halle Berry ist in Bestform und kann durch viel Emotionalität überzeugen. Sie nimmt sich die Fälle sehr zu Herzen und spielt sich damit mühelos auch in die Herzen der Zuschauer. Nach den seichten Filmen "Movie 43" oder "Happy New Year - Neues Jahr, neues Glück" kann sie mit dieser Rolle endlich wieder zeigen, was in ihr steckt. Zudem ist ihr Charakter ein wichtiges Bindeglied zwischen dem entführten Mädchen und dem Zuschauer. Michael Eklund ist erschreckend authentisch und kann vor allem am Schluss seinem Charakter durch seine psychopathische Besessenheit an mehr Tiefe verleihen. Ausnahmetalent Abigail Breslin liefert eine ebenso starke Performance mit vollem Körpereinsatz ab. Das Dreiergespann trägt den Film über weite Strecken und die fesselnde Vorstellung der Darsteller machen die Charaktere sehr greifbar und realistisch.

Das Tempo wird die gesamte Zeit über angezogen und es ist sehr spannend. Dabei gibt es keine Logikfehler, denn die Notrufzentrale als auch die Polizisten vor Ort gehen sehr taktisch vor und tun ihr bestmöglichstes. Es gibt keine Spur und keinen Hinweis, der ungesehen bleibt. Ebenso bei der Verfolgungsjagd im Auto, in der Jordan keine Möglichkeit auslässt, um Casey aus der schier auswegslosen Situation zu befreien. Durch die vielen Locationwechsel zwischen der Zentrale und dem Kidnapping bleibt die Handlung durchweg spannend. Der Film kann zwar als typisches Genrekino beschrieben werden, bietet bis dahin aber beste Unterhaltung und sorgt für ein nervenaufreibendes Auf und Ab. Zudem ist es sehr interessant, hinter die Kulissen einer Notrufzentrale zu blicken und sich die Schwierigkeit und ernorme Belastung dieses Berufs vor Augen zu führen.

Und warum landet "The Call Leg nicht auf" dennoch nur im Mittelfeld? Dies ist alleine dem katastrophalen Schluss zuzuschreiben. Ein wenig vorhersehbar ist die Geschichte natürlich schon und nach allem, was Jordan Turner emotional durchgemacht hat, ist es nachvollziehbar, warum sie das Büro verlässt und sich selbst auf den Weg zur Rettung macht. Doch ab da folgt ein Logikfehler nach dem anderen und die Spannungskurve rutscht in den Keller. Wieso ruft sie nicht die Zentrale an, sobald sie die Gelegenheit dazu hat? Was am meisten störte, waren jedoch die Schlussminuten, die eher an einen billigen Horrorfilm erinnerten als für einen Gänsehautmoment zu sorgen. Man kann sich als objektiver Zuschauer das ganze Leid von Casey Welson nur erahnen, aber diese Idealisierung von Selbstjustiz lässt den Zuschauer im Gegensatz zu den Figuren mit einem äußerst unwohlen Gefühl zurück.

Fazit

"The Call Leg nicht auf" beginnt sehr vielversprechend und ist ein spannender Thriller mit überzeugenden Darstellern. Was aber nicht überzeugen kann, ist das vorhersehbare und völlig übertriebene Ende.

Tanya Sarikaya - myFanbase
17.07.2013

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