Bewertung
Zack Snyder

Man of Steel

"You just have to decide what kind of man you want to grow up to be, Clark. Whoever that man is, he's going to change the world."

Foto: Copyright: 2012 Warner Bros. Ent. Alle Rechte vorbehalten.
© 2012 Warner Bros. Ent. Alle Rechte vorbehalten.

Inhalt

Auf dem fernen Planeten Krypton beschließt der Wissenschaftler Jor-El (Russell Crowe) angesichts einer Militärrebellion und dem drohenden Zerfall des Planeten, seinen neugeborenen Sohn Kal-El zur Erde zu schicken und ihn dadurch zu retten. Dort angekommen wird der Junge von dem Farmer Jonathan Kent (Kevin Costner) und dessen Frau Martha (Diane Lane) aufgezogen und erhält den Namen Clark. In seiner Kindheit immer wieder von seinen übernatürlichen Fähigkeiten überfordert, lernt Clark mithilfe seiner Adoptiveltern nach und nach, sich mit diesen zu arrangieren und sie vor seinem Umfeld zu verstecken. Ebenso wächst jedoch auch der Drang, mehr über seine Herkunft zu erfahren, und so macht sich der erwachsene Clark Kent (Henry Cavill) auf die Suche nach Antworten. Dabei stößt er schließlich nach Jahren auf ein kryptonisches Raumschiff, das im Eis der Arktis gefunden wurde, und begegnet dort einem Hologramm seines Vaters, der ihn über seine eigene Vergangenheit aufklärt. Doch durch die Aktivierung des Raumschiffes führt er auch den ehemaligen Erzfeind seines Vaters, General Zod (Michael Shannon) auf seine Spur. Dieser weiß, dass Jor-El seinem Sohn den genetischen Code der kryptonischen Rasse mitgegeben hat, und droht damit, die Erde zu zerstören, sollten ihm Clark und der Code nicht ausgeliefert werden.

Kritik

Fans von Comicverfilmungen haben diesem Blockbuster entgegen gefiebert, seit die ersten Gerüchte über eine Neuauflage von Superman aufkamen, die die Geschichte des "Man of Steel" völlig neu erzählen will und mit einem wahren Star-Angebot aufwartet: Hollywood-Legenden wie Russell Crowe, Kevin Costner und Diane Lane reihen sich ebenso in die Darstellerriege ein wie die Publikumslieblinge Amy Adams und Laurence Fishburne. Mit dem (nahezu übernatürlich gut aussehenden) Briten Henry Cavill konnte die perfekte Besetzung für die Hauptrolle gefunden werden, dazu noch Zack Snyder ("Watchmen - Die Wächter", "300") auf dem Regiestuhl und "Dark Knight"-Schöpfer Christopher Nolan ("Memento", "Inception") als Produzent – da kann eigentlich nichts schief gehen, oder?

Doch nach knapp zweieinhalb Stunden lässt einen "Man of Steel" irgendwie unbefriedigt und enttäuscht zurück. Der Neubeginn einer weiteren Superman-Saga (das Sequel soll bereits im kommenden Jahr in die Kinos kommen) will episch sein und schafft es doch nur in sehr wenigen Szenen, den Zuschauer wirklich zu berühren und zu fesseln. Das liegt vor allem daran, dass trotz der Länge des Films zu viel Inhalt bewältigt werden muss – die Vorgeschichte auf Krypton, Clarks Kindheit und Jugend und schließlich seine öffentliche Wandlung zu Superman und der Kampf gegen Zod und die Kryptonier. Also eigentlich drei Geschichten, die zwar nicht zu knapp erzählt werden, aber trotzdem einen oberflächlichen, unfertigen Eindruck hinterlassen.

Der Grund dafür ist, dass die Charakterentwicklung bei eigentlich allen Figuren nicht die Erwartungen erfüllen kann, die man bei Filmen von Christopher Nolan mittlerweile voraussetzt. Und daran kann auch die Tatsache nichts ändern, dass für das Drehbuch diesmal nicht Nolan selbst, sondern David S. Goyer verantwortlich ist, denn Goyer war als Autor auch schon maßgeblich an der "Dark Knight"-Trilogie beteiligt. Kal-El/Clark ist der einzige Charakter, der vor allem durch die Rückblenden komplexer gezeichnet wird und den nötigen Raum bekommt, um seine innere Verlorenheit und die Suche nach seiner Identität und seiner Bestimmung zu entfalten. Doch die Fokussierung auf den Titelhelden genügt in diesem Fall nicht, es fehlt an Charme, Witz und Authentizität bei den Nebenfiguren, die für das Gelingen einer außergewöhnlichen Comicverfilmung unabdingbar sind.

Während die Momente mit Martha sowohl in den Rückblicken als auch in der Gegenwart durchaus überzeugen können, bleibt schon die Beziehung von Clark und Jonathan blass. In den Szenen zwischen Mutter und Sohn wird die emotionale Bindung schön aufgebaut, doch Clarks Adoptivvater wird zu eindimensional dargestellt und seine Lektionen, die Clarks Charakter und Verhalten bestimmen, sind zu plakativ. Es bleibt kein Raum für subtile Zwischentöne oder Interpretation, genau wie bei den Szenen zwischen Clark und Jor-El und vor allem bei der größten Schwachstelle des Films: der Romanze zwischen Clark und Lois. Es ist kaum zu glauben, doch die RomCom-erprobte Amy Adams, die bislang noch mit jedem männlichen Gegenpart wunderbar harmonierte, schafft es nicht, den romantischen Funken für diese Liebesgeschichte zu entzünden. Das liegt wieder einmal am mauen Drehbuch, das hier voll und ganz auf das Vorwissen des Zuschauers zu setzen scheint und die romantische Beziehung zwischen Clark und Lois absolut stiefmütterlich behandelt. Doch darüber hinaus fehlt leider auch die Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern, sodass dieses fehlende Build-up nicht kompensiert werden kann.

Ein weiterer Kritikpunkt ist die Ernsthaftigkeit des Films. Natürlich kann hier keine Gagdichte wie bei "Iron Man" erwartet werden, das würde auch nicht zu Snyder und Nolan passen. Aber um eine Atmosphäre aufzubauen, die den Zuschauer packt, ist dieser ernste Ansatz einfach zu wenig, wenn er nicht durch eine gewisse Leichtigkeit ab und zu aufgebrochen oder wie bei den "Dark Knight"-Filmen durch eine düstere Dimension erweitert wird. Der Film nimmt sich selbst zu ernst und gemeinsam mit der mangelnden charakterlichen Tiefe, dem nur oberflächlich dargestellten Beziehungsgeflecht und dem fehlenden Humor entsteht eine ernüchternde Langatmigkeit, die auch in den zahlreichen Actionsequenzen kaum aufgebrochen wird.

Visuell lässt "Man of Steel" kaum Wünsche offen – von der Inszenierung und Zerstörung Kryptons über die traumhaft schönen Landschaftsszenen in Smallville bis hin zum Endkampf zwischen Superman und Zod ist der Film so bildgewaltig und ästhetisch, wie man es von Zack Snyder gewohnt ist. Leider kann dieses schöne Äußere nicht mit genug Inhalt gefüllt werden, um aus einem unterhaltsamen, aber durchschnittlichen Blockbuster eine großartige, innovative Comicverfilmung zu machen.

Fazit

Für Fans von schön inszenierten Kampfszenen ist "Man of Steel" durchaus unterhaltsam, doch hinsichtlich der Charakter- und Storyentwicklung bleibt diese Neuerfindung von Superman einiges schuldig. Auch wenn man die Erwartungen beiseiteschiebt, die der Name Christopher Nolan auslöst, bewegt sich der Film nur knapp über dem Durchschnitt und es bleibt zu hoffen, dass nach dieser langatmigen Einführung das Sequel besser funktionieren wird.

Lena Stadelmann - myFanbase
30.06.2013

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