Bewertung: 8
Nicholas Jarecki

Arbitrage

"Ich bin der Patriarch, das ist meine Rolle."

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Inhalt

Robert Miller (Richard Gere) ist ein erfolgreicher Hedgefonds-Manager, der im Leben alles erreicht hat. Seine großartige Familie macht ihn zusätzlich stolz. Seine Frau Ellen (Susan Sarandon) steht immer zu ihm und seine Tochter Brooke (Brit Marling) ist gerade dabei in seine Fußstapfen zu treten, indem sie in seinem Unternehmen die Karriereleiter nach oben steigt. Hinter der Oberfläche verbirgt sich aber ein ganz anderes Bild. Miller hat sich bei einem Geschäft verspekuliert und verschönt seine Bilanzen durch einen Freundschaftskredit bei einem anderen Manager. Gleichzeitig möchte er sein Unternehmen so schnell wie möglich verkaufen, damit das Kartenhaus nicht in sich zusammenfällt. Außerdem hat er noch eine Affäre mit der Kunsthändlerin Julie (Laetitia Casta), wodurch er einen schwerer Fehler begeht und die Aufmerksamkeit des Detektivs Bryer (Tim Roth) auf sich zieht.

Kritik

"Arbitrage", diese nicht massentaugliche Geschichte um einen Hedgefonds-Manager, ist in aller erster Linie spannend und nicht vorhersehbar, was vor allem an Richard Gere und seinem Gegenspieler Tim Roth liegt, sowie an dem wirklich gut ausgearbeiteten Drehbuch des Newcomers Nicholas Jarecki. Warum dieser Film nicht für die breite Masse ausgelegt ist, kann damit begründet werden, dass es sich um das Leben und den Alltag von Büromitarbeitern beziehungsweise deutlich wohlhabenderen Mitarbeitern der Gesellschaft handelt. Aus diesem Grund sind auch Filme oder Serien wie "The Office-Space", "The Office" oder "Company Men" niemals in einem solchen Ausmaß erfolgreich, dass sie Thema der Weltpresse werden. "Arbitrage" wurde in Deutschland nicht einmal die Gelegenheit gegeben, sich an der Kinokasse zu beweisen, sondern erschien direkt auf DVD und Blu-ray.

In der Hauptrolle des Patriarchen und Milliardärs sieht der Zuschauer hier Richard Gere, welcher in den letzten Jahren unter anderem mit "Gesetz der Straße - Brooklyn's Finest" und "Hachiko - Eine wunderbare Freundschaft" einen für sich neuen Maßstab gesetzt hat, und seine Rolle in vielen Punkten exzellent verkörpert. Robert Miller ist eine der wenigen Personen, der nach dem großen Crash an der Wall Street mit seinem Unternehmen noch perfekte Renditen einfährt, wodurch natürlich viele Menschen sich auf ihn verlassen. Dadurch baut sich auch enormer Druck auf ihn auf, denn was mit Patriarchen geschehen kann, wenn ihnen alles aus dem Ruder läuft, konnten wir etwa mit der Insolvenz des Schlecker-Imperiums nahezu live mitverfolgen. Doch diese Geschichte dreht sich nicht nur um Bilanzfälschung, wie es beispielsweise in "Casino Jack" der Fall war, sondern wird um einen weiteren Plot erweitert. Eine heiße Affäre und eine Fahrerflucht. Hier beginnt die Handlung dann nach etwa 20 Minuten richtig Fahrt aufzunehmen, und der Spannungsbogen bricht erst abrupt bei Minute 140 ab. Was für mich zunächst als Abspielfehler der Blu-ray erschien, war aber tatsächlich das Ende des Filmes, und damit ein nicht vollkommen zufriedenstellendes.

Hingegen zufriedenstellend ist die Arbeit des Newcomer-Drehbuchautors und Regisseurs Nicholas Jarecki, welcher mit "Arbitrage" seinen ersten Film präsentiert, und dazu auch gleich eine solche Riege an talentierten Schauspielern vorzeigen kann. Es bleibt daher nur eine Frage der Zeit, bis in Kürze ein weiterer Film von ihm folgen wird. Für den ein oder anderen wäre womöglich die Auswahl des Titels als Verbesserung wünschenswert, doch mit "Arbitrage" trifft der Titel eigentlich sehr gut die filmische Handlung. Arbitrage ist wirtschaftlich betrachtet das Ausnutzen von Kostenvorteilen, aber damit verbunden auch das Wissen und die Transparenz, die damit einhergehen. Miller verliert Millionen durch die Intransparenz seines Geschäftsabschlusses, und gewinnt schließlich auch durch Verschleierung wesentlicher Informationen. Er verschleiert beispielsweise Informationen gegenüber Detektiv Bryer, welcher von Tim Roth verkörpert wird. Dieser hatte vor dem Film die Rolle des Dr. Cal Lightman in "Lie to Me" inne, und viel aus dieser Rolle in den Film übertragen, was nur als Vorteil gewertet werden kann.

Fazit

Alles in allem bietet der Film beste Unterhaltung über fast zwei Stunden, die durch minimalistische Filmtechnik verstärkt wird, und wie von selbst viel Spannung und Emotion aufzubauen weiß.

Ignat Kress - myFanbase
09.06.2013

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