Bewertung: 8
James Ponsoldt

Smashed

"I can't be sober and be with you."

Foto: Copyright: Sony Pictures Releasing GmbH
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Inhalt

Die Ehe des jungen Paars Kate (Mary Elizabeth Winstead) und Charlie (Aaron Paul) ist geprägt von einer gemeinsamen Leidenschaft für Musik, Party, vor allem jedoch für Alkohol. Als dies nicht mehr wegzudeutende Auswirkungen auf Kates Beruf als Grundschullehrerin hat und sie sich zu einer verhängnisvollen Lüge gegenüber ihren Schülern und Rektorin Barnes (Megan Mullally) hinziehen lässt, entscheidet sich Kate mit der Hilfe von Vizerektor Davies (Nick Offerman) dazu, ihre Alkoholsucht bei den Anonymen Alkoholikern gemeinsam mit ihrem Sponsor Jenny (Octavia Spencer) zu bekämpfen. Kate erkennt erst spät, dass sich ihre Probleme durch die regelmäßigen Meetings nicht in Wohlgefallen auflösen, sondern sich teilweise, insbesondere bezugnehmend auf ihre Beziehung zu Charlie, sogar verstärken.

Kritik

Aaron Paul, seit Jahren überaus erfolgreich an der Seite Bryan Cranstons bei "Breaking Bad" zu sehen, hat es geschafft: Von einem Sidekick, der anfangs nur bedingt ernstzunehmen und vor allem für den berühmten "Comic Relief" zuständig war, also das Auflockern des Geschehens durch irgendwie geartete komische Aktionen, hat er sich längst zu einem der aktuell besten Seriendarsteller entwickelt, wie auch zahlreiche Auszeichnungen beweisen. Entsprechend groß sind Erwartungen, wenn er abseits dieser herausragenden Serie, die über Jahrzehnte noch in diversen Bestenlisten zu finden sein wird, in Filmen mitwirkt. Im konkreten Beispiel von "Smashed", dem zweiten Spielfilm von Regisseur James Ponsoldt, sollte man jedoch vorab zwei Dinge wissen: a) Aaron Paul spielt einen jungen Ehemann, der dauerbetrunken ist, und unterscheidet sich damit in so manchem Wesenszug kaum von Jesse Pinkman. b) Sein zweifelsohne sehr gutes Schauspiel wird von Hauptdarstellerin Mary Elizabeth Winstead und ihrer alles und jeden überragenden Performance überstrahlt.

Es gibt sie eben doch noch, die schauspielerische Leistung eines hoffnungsvollen jungen Talents, die ihr auch bei den Kritikern dieser Welt durch die Bank großes Lob einheimst und sie für höhere Aufgaben qualifiziert. Bei Oscarpreisträgerin Jennifer Lawrence war dies ihre eindringliche Darstellung im Indiedrama "Winter's Bone", die ihr erst den Zugang für Stoff wie den zur Buchverfilmung von "Silver Linings" eröffnete. Mary Elizabeth Winstead, die wahrlich keine Newcomerin im eigentlichen Sinne ist, nachdem sie bereits in zahlreichen Filmen, wie u.a. "Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt" und den letzten beiden Teilen des "Stirb Langsam"-Franchise mitwirkte, konnte jedoch bisher nur selten einen bleibenden Eindruck hinterlassen. In "Smashed" nun schließlich ist ihr der ganz große Wurf gelungen. Die Rolle einer Alkoholikerin, die versucht, nüchtern zu werden, ist ohnehin bereits prädestiniert für so manche schauspielerische Höchstleistung, doch was Winstead mit der facettenreichen Darstellung der Kate und ihren Ängsten und Problemen, die allmählich alle an die Oberfläche kommen, abliefert, ist wahrlich bemerkenswert. Erst ist sie eine wirklich überzeugende Betrunkene, die nur Spaß haben möchten, um kurze Zeit später eine hingebungsvolle Lehrerin zu mimen, später eine selbstbewusste Frau, die die falschen Entscheidungen trifft und langsam aber sicher ihrem eigenen Untergang nahe ist, bevor sie vollkommen zusammenbricht. Wirklich fabelhaft.

Auch wenn Aaron Pauls Rolle sich, wie bereits angemerkt, teils nur unmerklich von der des Jesse Pinkman aus "Breaking Bad" unterscheidet, so füllt er die Nuancen doch mit einer guten Schauspielleistung mit Leben, sodass er glücklicherweise deutlich mehr ist als nur der Ehemann, der seine Frau, die nach Höherem strebt, immer wieder runterzieht. Gerade die Beziehung von Charlie und Kate ist neben der Performance von Mary Elizabeth Winstead der große Pluspunkt dieses Dramas. Hier wird nichts gekünstelt oder hochstilisiert, um möglichst schnell und zweifelsfrei Emotionen zu schüren. Stattdessen wird man als Zuschauer Zeuge einer echten Beziehung und den Belastungen, denen diese bei starken Veränderungen, die von einem der Partner ausgehen, ausgesetzt sind. Und das geht in den gemeinsamen Szenen zwischen Kate und Charlie durchaus ans Herz.

Während der Fokus zweifelsohne auf Kate und darauf, wie belastend ihre Entwicklung auf die Ehe mit Charlie ist, gelegt wird, weiß auch der Blick auf Kates berufliches Leben und die Unterstützung, die sie später durch die Anonymen Alkoholiker erhält, zu überzeugen. Einen nicht zu vernachlässigenden Anteil daran haben die Nebendarsteller, vor allem Nick Offerman, Megan Mullally und Octavia Spencer. Bei Offerman dauert es zugegebenermaßen ein paar Minuten, bevor man seine Figur von dessen Paraderolle als Ron Swanson ("Parks and Recreation") trennen kann, doch dann weiß man seine ruhige und besonnene Art, und wie sich diese auf die künftige Entwicklung Kates auswirkt, zu schätzen abgesehen von dieser einen wahnsinnig unpassenden Bemerkung ihr gegenüber, die schon fast surreal wirkt, dafür aber für den wohl größten Lacher innerhalb des Films sorgt. Ohnehin ist Humor zwar vorhanden, jedoch vor allem in der Form, die einem im Halse stecken bleibt und keineswegs die jeweilige Situation auflockert. Auch mit Offermans Ehefrau Megan Mullally als Rektorin Barnes kann man als eifriger Zuschauer von Comedyserien so seine Probleme bekommen, weil diese im Vergleich zu ihren erinnerungswürdigsten Rollen in "Will & Grace" und ebenfalls "Parks and Recreation" so gar nicht witzig oder skurril ausgelegt ist, sondern durchweg dramatisch. Oscarpreisträgerin Octavia Spencer ("The Help") als Sponsor Jenny hat keine Möglichkeit zu glänzen, weil ihre vergleichsweise kleine Rolle ihr hierzu keine Möglichkeit gibt.

Bei einer Nettolaufzeit von deutlich unter eineinhalb Stunden, der magischen Grenze für Spielfilme jeglicher Art, muss man sich zwangsläufig auf wenige Aspekte konzentrieren. Im Fall von "Smashed" ist dies die Entwicklung von Kate und ihre Beziehung zu Charlie. Mehr möchte der Film nicht sein oder abbilden. Und so gibt es keine unnötige Szene, keine aufsehenerregende Nebenstory (besonders gern bei derartigen Filmen die berühmte Dreiecksbeziehung) und auch nur Nebencharaktere in dem Umfang, wie sie zum Erfolg der genannten zwei Aspekte beitragen. Die straffe Erzählweise führt in diesem Fall keineswegs dazu, dass die Handlung gehetzt vorkommt, sondern trägt im Gegenteil dazu bei, dass man ins Geschehen eintaucht und als Zuschauer jegliches Gefühl von Zeit verliert, um stattdessen einfach nur ein tolles Indiedrama zu genießen.

Fazit

Ein berührendes und ehrliches Drama mit einer herausragenden Mary Elizabeth Winstead, das sich jede Aufmerksamkeit, die es bekommt, redlich verdient hat.

Andreas K. - myFanbase
01.04.2013

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