Bewertung: 7
John Hillcoat

Lawless Die Gesetzlosen

"We're survivors. We control the fear. And without the fear, we are all as good as dead."

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Inhalt

Die drei Bondurant-Brüder Forrest (Tom Hardy), Howard (Jason Clarke) und Jack (Shia LaBeouf) führen mit der Hilfe ihres Freundes Cricket Pate (Dane DeHaan) eine illegale Schnapsbrennerei im Virginia der 30er Jahre während der Prohibition, die als Tankstelle getarnt ist. Durch eine schicksalhafte Begegnung Jacks mit dem bekannten Gangster Floyd Banner (Gary Oldman) erfährt dieser einen Wesenswandel und möchte aus dem kleinen Familiengeschäft mehr machen. Nach anfänglichen Höhenflügen zieht Jack gemeinsam mit seinen Brüdern jedoch schnell die Aufmerksamkeit von Special Deputy Charlie Rakes (Guy Pearce) auf sich, was nicht nur negative Auswirkungen auf die Bondurants hat, sondern auch unter anderem auch auf die ehemalige Tänzerin Maggie (Jessica Chastain), die als neue Kellnerin eingestellt wurde, und Bertha (Mia Wasikowska), die Tochter des örtlichen Predigers, auf die Jack ein Auge geworfen hat.

Kritik

Dass eine Story auf einer wahren Begebenheit beruht, ist ein nur allzu oft bemühtes Stilmittel, um Authentizität zu generieren. Meist bleibt aber lediglich eine Grundidee oder ein bestimmtes Ereignis übrig, worauf die weitere oft rein fiktive Geschichte aufgebaut wird. Wenn jedoch bei "Lawless", John Hillcoats dritter Regiearbeit nach dem äußerst gelungenen Western "The Proposition" und der ansprechenden Verfilmung der postapokalyptischen Vision von Pulitzer-Preisträger Cormac McCarthy namens "The Road", dieser Hinweis zu Beginn eingeblendet wird, so steckt tatsächlich etwas dahinter. Schließlich ist Matt Bondurant, der Autor der 2008 in Deutschland erschienen Romanvorlage "The Wettest Country in the World", niemand Geringeres als einer der Enkel der Bondurant-Brüder. Entsprechend ist zu erwarten, dass sich "Lawless" durchaus an die Historie hält. Was das Prohibitions-Drama aber insbesondere erfüllt, ist die Auflage, die damaligen Geschehnisse gleichermaßen lebendig und spannend zu erzählen.

In seiner dritten Zusammenarbeit mit John Hillcoat zeichnet sich Multitalent und Musiklegende Nick Cave nicht nur einmal wieder für den Soundtrack zuständig, sondern hat seit "The Proposition" zudem zum zweiten Mal höchstpersönlich das Drehbuch verfasst. Schnell kann eine Story über die eigenen Vorfahren, wie im Fall von Matt Bondurant, zu einer Verklärung der eigenen Familienhistorie verkommen. Aber Cave tut gut daran, die Legenden, die vor allem den ältesten der Bondurant-Brüder, Forrest, umranken, lediglich am Rande zu thematisieren, und setzt stattdessen auf knallharte Realität. Diese ist in Anbetracht der Menge an vergossenem Blut nicht immer schön anzusehen, im Vergleich zur Prohibitionsserie "Boardwalk Empire" verkommt dies jedoch nicht zu offensichtlichen Schockmomenten, sondern illustriert die Unberechenbarkeit und unsichere Zukunft der damaligen Zeit und letzten Endes auch jedes einzelnen Filmcharakters.

Die Geschichte selbst ist durchaus spannend, obwohl bereits kurz nach Beginn die Richtung klar ist. Dass man dennoch insbesondere mit Hauptfigur Jack und dessen großem Bruder Forrest mitfiebert, liegt an der vorsichtigen Einführung von zwei weiblichen Nebencharakteren und damit verbundenen Liebes-Storylines. Während es auf der einen Seite eine wahrliche Freude ist, Jack bei seinen anfangs eher ungelenken Annäherungsversuchen an die Predigertochter zu beobachten, ist die Geschichte rund um die ehemalige Tänzerin Maggie und den wortkargen Forrest durch die tragische Natur der Erlebnisse der beiden ein gelungener Kontrast. Beide Geschichten haben einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf die Hauptstoryline und sind darüber hinaus auch gut erzählt, sodass man im Gegensatz zu so manchen Nebenstories anderer Filme nie deren Daseinsberechtigung anzweifelt. Einzig die Story des Gangsters Floyd Banner, zu Beginn noch mit großem Einfluss, entwickelt sich im Laufe von "Lawless" zu einer unbedeutenden Randerscheinung, was nicht nur deshalb schade ist, weil der Charakter von Gary Oldman gemimt wird.

Manchmal muss man sich schon über die Kriterien, ob bestimmte Filme einen Kinostart erhalten oder direkt auf DVD erscheinen, wundern. Da verfilmt ein Regisseur, der mit seinen bisherigen beiden Spielfilmen nun wahrlich bewies, dass er einen ansprechenden Plot in ein gelungenes Setting transferieren kann, eine Story, die fast zu unglaublich ist, um wahr zu sein, und wird in Deutschland dennoch mit dem Stempel "Direct-to-DVD" gestraft. Vor allem verwunderlich ist dies, wenn man einen Blick auf das Schauspielensemble wirft, das nun wahrlich alles andere als unbekannt ist. Angefangen bei der frischgebackenen Golden-Globe-Gewinnerin Jessica Chastain (die für diesen Film gemeinsam mit Darsteller Jason Clarke eine kleine "Zero Dark Thirty"-Reunion feierte), über Batman-Bösewicht und Nolan-Liebling Tom Hardy, Guy Pearce, Gary Oldman oder den beiden Nachwuchsstars Mia Wasikowska und Dane DeHaan (jeweils vor allem seit "In Treatment" in aller Munde) ist so ziemlich für jeden Fan guten Schauspiels etwas dabei.

Auffällig ist insbesondere die Leistung von Shia LaBeouf, der in den letzten Monaten händeringend versuchte, sich von seinem Image als Milchbubi mit Hang zu erfolgreichen, aber selten fordernden Rollen, zu entfernen. Schließlich ist es vor allem die Entwicklung seiner Figur Jack, die den Zuschauer durch die Prohibition in den USA der 30er Jahre führt. Erst ist Jack mit einem spitzbübischen Charme, gepaart mit einer gewissen Naivität, ausgestattet. Doch im Verlauf des Films macht er eine wahrlich bemerkenswerte Wandlung zu einem großspurigen Gangster mit, bewahrt aber stets eine gewisse innere Distanz zu all dem ihn umgebenden Wahnsinn, die ihn mehrdimensional und schlichtweg menschlich erscheinen lässt. Wer weiß, vielleicht ist dies wirklich der Startschuss für eine Schauspielkarriere, die sich die Aufmerksamkeit, die sie erhält, auch tatsächlich verdient.

Fazit

Abseits all der historischen Bezüge ist "Lawless" vor allem eines gute Unterhaltung. Neben einer Story, bei der es sich lohnt mitzufiebern, sind Charaktere mit glaubwürdigen Eigenschaften und Entwicklungen ebenso vorhanden wie starke Schauspieler, allen voran (überraschenderweise) ein Shia LaBeouf, von dem man in dieser Form viel erwarten darf. Regisseur John Hillcoat ist es wieder einmal gelungen, für eine Laufzeit von knapp zwei Stunden eine Welt zu schaffen, in die man versinkt und sich mitziehen lässt.

Andreas K. - myFanbase
30.03.2013

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