Bewertung: 9
Andrew Niccol

Lord of War - Händler des Todes

"Es sind über 550 Millionen Waffen weltweit im Umlauf. Das macht eine Waffe für jede zwölfte Person. Die wichtige Frage ist: Wie bewaffnen wir die anderen 11?"

Foto: Copyright: Twentieth Century Fox Home Entertainment
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Inhalt

Yuri Orlov (Nicolas Cage) ist Aushilfe in dem Restaurant seiner Eltern und träumt von einem anderen Leben. Seine Chance ein neues und besseres Leben zu beginnen sieht er, als er bei einer Schießerei dabei ist und erkennt, dass Waffen ein wertvolles Gut sind. Zusammen mit seinem jüngeren Bruder Vit (Jared Leto) beginnt Yuri zuerst mit kleineren Deals, arbeitet sich aber schnell in die Kreise der ganz großen Waffenhändler vor.

Während Yuri sein Geschäft immer weiter ausbaut, landet sein kleiner Bruder in den Fängen der Drogensucht und Yuri sieht sich gezwungen das Geschäft allein weiter zu führen. Nach und nach baut sich Yuri ein Netzwerk auf, das besonders in Afrika auf viel Gegenliebe stößt. Doch die Behörden kommen ihm langsam aber sicher auf die Spur und gerade der junge Interpol-Agent Jack Valentine (Ethan Hawke) hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht, den Waffenboss endlich hinter Gitter zu bringen.

Kritik

Ich bin mit relativ hohen Erwartungen in den Film gegangen, da mich zum einen das Thema mehr als interessiert hat und ich zum anderen von den Hauptdarstellern relativ gute Qualität gewöhnt bin. Meistens ist es bei so hohen Erwartungen nicht ganz einfach, dass mich ein Film überzeugt, aber ich kann sagen, dass "Lord of War" mich in keinster Weise enttäuscht hat!

Schon der Beginn des Films hat für mich einen sehr hohen künstlerischen Wert gehabt, denn als Zuschauer verfolgt man die Herstellung einer einzigen Kugel und kann später mitverfolgen in wie vielen Kriegen und Ländern sie eingesetzt wurde, bis sie sich letztendlich in den Schädel eines kleinen Jungen bohrt!

Da war schon der erste Schock da! Doch man hat keine Zeit wirklich schockiert darüber zu sein, dass die Realität so erschreckend deutlich dargestellt wird, denn direkt im Anschluss sehen wir den Waffenhändler Yuri, wie er die Zuschauer direkt anspricht und seine Philosophie preisgibt:

"Es sind über 550 Millionen Waffen weltweit im Umlauf. Das macht eine Waffe für jede zwölfte Person. Die wichtige Frage ist: Wie bewaffnen wir die anderen 11?"

Dann beginnt er damit uns seine Lebensgeschichte zu erzählen und alles beginnt in dem Stadtteil "Little Odessa", wo Yuri das erste Mal beobachtet, wie ein Mann direkt vor seinen Augen zwei Rivalen erschießt. Daraufhin wird Yuri klar, dass Waffen ein kostbares Gut sind, mit denen man viel Geld verdienen kann und er schließt sich mit seinem jüngeren Bruder zusammen.

Das faszinierende an diesen ersten Szenen ist immer noch, dass man Yuris Wahl nachvollziehen kann. Er kommt aus ärmlichen Verhältnissen und will sein Leben qualitativ verbessern. Seine einzige Chance sieht er darin mit Waffen zu handeln und er erkennt, dass er darin ein großes Talent hat. Man kann ihm einfach nicht übel nehmen, dass er diese Chance wahrgenommen hat und gönnt ihm den Erfolg.

Andrew Niccol schafft es ohne den erhobenen Zeigefinger die reale Situation darzustellen, wie sie tagtäglich in den Medien zu sehen ist. Es gelingt ihm durchgehend, dass die Zuschauer seinen Hauptdarsteller Yuri sympathisch finden, obwohl er Waffen verkauft, die Menschen umbringen und man immer wieder erschreckende Bilder sieht, wie kleine Kinder in den Krieg ziehen und erschossen werden oder Menschen zum Spass andere Menschen erschießen. Doch obwohl man soviel Sympathie für Yuri empfindet, weiß man dennoch (vor allem durch die Unterstützung der wunderbar in Szene gesetzten Bilder), dass er etwas Verachtliches tut!

Doch Yuri erklärt sich in dem Film auch immer wieder selbst, indem er sagt, dass er den Job zwar aufgeben könnte, dann aber tausend andere sofort seinen Platz einnehmen würden und sich somit nichts an der Gesamtsituation ändern würde.

Als Zuschauer kann man ihm da nur zustimmen und vielleicht kann man deswegen auch verstehen, warum er immer weitermacht. Sein jüngerer Bruder Vit, der die Hälfte des Films in einer Drogenentzugsanstalt verbringt scheint Yuris schlechtes Gewissen darzustellen, da er nicht mit dem Gedanken leben kann, dass die Waffen mit denen sie Geld verdienen dazu dienen Familien zu erschießen. Diese überspitze moralische Gegensätzlichkeit zwischen den Brüdern ist sehr schön dargestellt und endet leider in einem ziemlichen Drama mit dem wohl keiner der beiden Brüder gerechnet hat.

Einziger Abstrich in dem Film war für mich die Darstellung von Interpol-Agent Jack Valentine. Er ist den ganzen Film über auf der Jagd nach Yuri, aber dieser kann sich immer wieder rauswinden. Die Darstellung von Ethan Hawke war gut, keine Frage und auch der Charakter von Jack war gut angelegt, aber dennoch kam es einem teilweise wie ein Störfaktor vor, wenn er eine Szene hatte. Als Zuschauer konnte man ihn nie wirklich kennen lernen, da er nur wenige Szenen hatte. Und gerade in diesen Szenen kam er nicht wirklich sympathisch rüber, obwohl er ja eigentlich, im Gegensatz zu Yuri, für die "Gute Seite" kämpft.

Aber vielleicht war das auch gerade die Absicht von Andrew Niccol: Nicht alles Schwarz und Weiß im Internationalen Waffenhandel darzustellen, sondern auch die Graustufen, die tagtäglich darin einfließen zu skizzieren!

Fazit

Dieser Film ist mehr als sehenswert. Zum einen hat er einen wunderbaren Cast und zum anderen erzählt er einfach eine Geschichte, die aktueller denn je ist. Man sollte diesen Film unbedingt gesehen haben, um sich noch einmal genauer die Situation vor Augen zu führen, die tagtäglich in den Medien zu sehen ist!

Doch wie schon erwähnt ist dieser Film keineswegs ein hoch politischer Film, der keine Freiheit zur eigenen Meinung lässt. Nein! Es ist ein politischer Film, der mit einigen satirischen Elementen arbeitet und so seinen Zuschauer in den Bann ziehen kann und zum Nachdenken anregt, ohne vorher aber eine Denkrichtung vorzuweisen!

Annika Leichner - myFanbase
24.02.2006

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