Bewertung: 5
Spike Lee

Buffalo Soldiers '44

Das Wunder von St. Anna.

Foto: Copyright: Kinowelt Home Entertainment
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Inhalt

New York im Jahr 1983: Hector Negron (Laz Alonso), ein unbescholtener Postangestellter und Kriegsheld, erschießt plötzlich einen Mann, der bei ihm eine Briefmarke kaufen will. In Hectors Wohnung findet die Polizei den Kopf einer wertvollen italienischen Statue, der mehrere Millionen wert ist. Der junge Reporter Tim Boyle (Joseph Gordon-Levitt) will wissen, was es mit dieser seltsamen Geschichte auf sich hat.

Italien, 1944: Hector gehört einer Einheit afroamerikanischer Soldaten an. Gemeinsam mit seinen Kameraden Aubrey Stamps (Derek Luke), Bishop Cummings (Michael Ealy) und Sam Train (Omar Benson Miller) gelingt ihm die Überquerung eines hart umkämpften Flusses. Die vier Soldaten retten einen kleinen italienischen Jungen (Matteo Sciabordi) und bringen ihn in ein Dorf, das von Widerstandskämpfern bewohnt ist. Dort erleben die vier Männer die Anerkennung, die ihnen in ihrem eigenen Heimatland verwehrt bleibt. Doch der Feind ist nicht mehr weit und einer der Widerstandskämpfer ist ein Verräter ...

Kritik

Die meisten amerikanischen Kriegsfilme sind in jeder Hinsicht erschlagend. Sie sind von erschlagender Länge, erschlagen den Zuschauer mit Patriotismus und natürlich macht das Erschlagen von Menschen einen Großteil der Handlung aus. "Buffalo Soldiers '44" entspricht zum Teil, aber nicht komplett, diesem Schema. Der Film ist mit gut 160 Minuten durchaus ein wenig zu lang geraten und Gewaltszenen gibt es auch einige, doch schwülstigem Patriotismus wird kein Platz eingeräumt. Stattdessen werden alle Kriegsparteien recht differenziert betrachtet.

"Buffalo Soldiers '44" zeigt den Zweiten Weltkrieg aus afroamerikanischer Sicht und damit aus einer Perspektive, die man nicht allzu oft zu sehen bekommt. Die farbigen Soldaten durften zwar ihr Leben für die USA riskieren, wurden aber währenddessen weiter diskriminiert. So müssen die vier Hauptprotagonisten Hector Negron, Aubrey Stamps, Bishop Cummings und Sam Train immer wieder erleben, dass sie von ihren weißen Vorgesetzten abfällig behandelt und dadurch in Gefahr gebracht werden. Auch die amerikanische Bevölkerung geht mit deutschen Kriegsgefangenen zum Teil deutlich respektvoller um als mit den eigenen farbigen Soldaten. Die Message hier lautet ganz klar: ja, die USA haben Europa aus dem Würgegriff des Nationalsozialismus befreit, aber ihre eigenen Rassenprobleme haben sie dabei nicht überwunden.

Die deutschen Soldaten, die fast ausschließlich von deutschen Schauspielern verkörpert werden, erfahren auch keine einseitige Darstellung. Einige von ihnen sind eiskalte Mörder, andere sind einfache Männer, die es nur wieder lebend nach Hause schaffen wollen, und einige erweisen sich sogar als barmherzig und tun gute Dinge. Ähnlich sieht es bei den Italienern aus. Die Grenze zwischen Gut und Böse, Schuld und Unschuld, Demokratie und Faschismus, ist in diesem Film nicht eindeutig gezogen.

Rundum gelungen ist "Buffalo Soldiers '44", wie bereits angedeutet, aber nicht. Es gibt einige Längen, so dass man dann und wann schon mal verstohlen auf die Uhr blickt, und es mangelt eindeutig an Spannung. Nicht nur, dass man ahnt, wie das Ende des Films aussehen wird, auch einzelne Szenen sind ziemlich vorhersehbar. Es passiert zu wenig Überraschendes, das den Zuschauer wirklich gebannt vor dem Bildschirm sitzen lässt. Darüber hinaus lassen sich einige Logikfehler in der Handlung finden, zum Beispiel mehrere Anachronismen. In einigen Momenten des Films werden Dinge bzw. Sachverhalte angedeutet oder gezeigt, die es 1944 noch nicht gab. Das finde ich immer etwas unglücklich, besonders bei einer großen Filmproduktion. Bei den vielen Millionen, die in so einen Film fließen, kann man ruhig ein paar Dollar mehr in die historische Beratung stecken.

Fazit

"Buffalo Soldiers '44" erlaubt eine durchaus interessante, ungewohnte Sicht auf den Zweiten Weltkrieg, lässt dabei aber Spannung und Genauigkeit vermissen.

Maret Hosemann - myFanbase
16.08.2011

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