Bewertung: 8
Duncan Tucker

Transamerica

Bree: I got a phone call last night from a juvenile inmate of the New York prison system. He claimed to be Stanley's son.
Margaret: No third-person.
[brief pause]
Bree: My son.

Foto: Copyright: Universum Film
© Universum Film

Inhalt

Sie empfindet sich als Frau, unglücklicherweise ist sie jedoch im Körper eines Mannes gefangen gehalten. Die Transsexuelle Bree (Felicity Huffman) hat einen längeren Leidensweg hinter sich. Jetzt aber steht die so ersehnte, finale Operation nur noch wenige Tage bevor. Da erhält Bree einen für sie verstörenden Anruf von ihrem Sohn Toby (Kevin Zegers), dessen Existenz ihr bislang unbekannt war. Von der Therapeutin Margaret (Elizabeth Peña) regelrecht zur Konfrontation mit der ungeliebten Vergangenheit gezwungen, reist Bree von Südkalifornien nach New York, wo Toby im Gefängnis sitzt. Die Begegnung mit ihm ist ein Schock. Der heruntergekommene junge Mann nimmt Drogen, handelt mit diesen und geht anschaffen. Bree bezahlt die Kaution, ist jedoch außerstande, die Wahrheit über sich zu erzählen. Stattdessen lässt sie es zu, dass Toby sie für eine christliche Missionarin hält. Gemeinsam begibt man sich auf eine Autoreise nach Kalifornien, deren Ausgang lange ungewiss bleibt....

Kritik

Felicity Huffman ist in erster Linie für die Rolle der taffen Lynette aus "Desperate Housewives" bekannt. In Duncan Tuckers Regiedebüt zeigt sie sich von einer völlig neuen Seite und liefert eine wahrhaft außergewöhnliche Schauspielleistung ab. Allein Huffmans beeindruckende äußerliche Metamorphose würde das Anschauen von "Transamerica" rechtfertigen, doch die ergreifende Tragikomödie kann noch mit weiteren Qualitäten punkten.

Tucker schrieb auch das Drehbuch und das ist ihm beinahe im Gesamten famos gelungen. Er verwässert weder die originelle Grundidee mit falschen Sentimentalitäten, noch behindert er den Erzählfluss durch Langatmigkeit. Stattdessen setzt Tucker auf eine ausgesprochen präzise Zeichnung seiner Figuren sowie eine ordentliche Portion Humor. Die Szenen, in denen Bree Anstoß an Tobys Verhalten und Gewohnheiten nimmt und versucht, mit erzieherischen Maßnahmen dagegen zu wirken ("Eat your vegetables!"), sind besonders witzig. Auf den ersten Blick scheint die zwei nicht viel miteinander zu verbinden. Auf der einen Seite die Wert auf ein gepflegtes Äußeres legende Bree, auf der anderen der schmuddelige Toby. Aber der Eindruck täuscht. Bree hat die Grenzen des Geschlechts, in das sie hineingeboren wurde, verlassen, während die Frage nach Tobys sexueller Orientierung nie eindeutig beantwortet wird. Beide sind sie einsame Seelen, welche die Hoffnung auf bessere Zeiten teilen. Die sanfte Annährung der Protagonisten ist großartig inszeniert.

Brees Eltern können den Verlust des Sohnes nicht verkraften und haben bisher die Unterstützung verweigert, mit der Konsequenz, dass die neue Tochter Vater und Mutter tief verletzt verleugnet und für tot erklärt. Obwohl die Mutter mit ihren blondierten Haaren, der künstlichen Bräune und dem hysterischen Benehmen leider mehr einer Karikatur als einer lebensnahen Figur gleicht, haben die Szenen, welche das Zusammentreffen von Eltern und Tochter schildern, einen so skurrilen wie berührenden Charakter. Der Vater kommt einen Tick besser weg, wohingegen Brees zum Sarkasmus neigende, deutlich tolerantere Schwester Sydney zur Sympathieträgerin avanciert.

Das Spiel Huffmans ist schlechtweg umwerfend. Stimme, Gang, Mimik - alles ist perfekt. Zu Recht gewann die Actrice den Golden Globe und wurde für den Oscar nominiert, verlor jedoch gegen Reese Witherspoon ("Walk the Line"). Ohne Whitherspoons Leistung oder die der restlichen Mitbewerberinnen schmälern zu wollen: Huffman hätte den wichtigsten amerikanischen Filmpreis mit nach Hause nehmen sollen.

Um neben einer solch herausragenden Schauspielerin nicht zu verblassen, braucht man großes Talent. Und Kevin Zegers besitzt jenes zweifellos. Er brilliert durch eine nuancierte, durchweg überzeugende Darstellung. Die Nebendarsteller haben zwar keine großen Möglichkeiten, zu glänzen, erfüllen aber alle Anforderungen an die jeweilige Rolle.

Fazit

Ein ungewöhnlicher und bewegender Road-Movie, der trotz der ernsthaften Grundthemen immer wieder zum Lachen anregt und das Wesen seiner Hauptfiguren hervorragend beobachtet. Getragen wird die Tragikomödie von einer genialen Felicity Huffman, neben der sich Co-Star Kevin Zegers toll behaupten kann.

Maren Langos - myFanbase
19.01.2011

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