Bewertung: 8
Ethan Coen & Joel Coen

True Grit

"Do you have a lot of experience with bounty hunters?" - "That is a silly question. I am 14."

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Inhalt

Als Mattie Ross (Hailee Steinfeld) 14 Jahre alt ist, wird ihr Vater von Tom Chaney (Josh Brolin) erschossen. Um seinen Tod zu rächen, beschließt sie, mithilfe eines Deputy U.S. Marshals Chaney zur Strecke zu bringen. Mattie werden drei verschiedene Deputy U.S. Marshals empfohlen, sie entscheidet sich schließlich für Rooster Cogburn (Jeff Bridges), weil dieser als besonders gnadenlos gilt. Auf ihrer Suche werden die zwei von Texas Ranger LaBoeuf (Matt Damon) unterstützt, der Chaney wegen eines anderen Zwischenfalls bereits seit einigen Monaten verfolgt.

Kritik

Als John Wayne im Jahre 1970 den (überfälligen) Oscar für seine Rolle in "Der Marshal", der ersten Adaption des Romans "True Grit" von Charles Portis, erhielt, war nicht nur eine zwanzigjährige Durststrecke seit der ersten Nominierung vorbei, es sollte auch sein einziger Academy Award bleiben. Wayne, der Prototyp des Raubeins in Western, wurde so für eine seiner absoluten Paraderollen ausgezeichnet, konnte er doch als einäugiger und ständig alkoholisierter U.S. Marshal Reuben J. "Rooster" Cogburn in einer Zeit, in der der US-Western längst von Italo-Western überholt wurde, noch einmal alle überzeugen. Nun könnte man sicherlich Vergleiche anbringen zwischen eben jenem John Wayne, dem damaligen Hauptdarsteller, sowie Jeff Bridges, der 2010/2011 in der Neuadaption der Coen-Brüder, die sich des Romans von Portis angenommen haben, Rooster Cogburn mimt. Am Ende müsste man aber vor allem eines feststellen: Die zwei Filme sind trotz alledem in einigen Punkten zu unterschiedlich.

Ganz allgemein lässt sich sagen, dass die Adaption der Coen-Brüder näher an der Buchvorlage ist als "Der Marshal". Das beginnt damit, dass das Buch aus Sicht der 14-jährigen Mattie erzählt wird, was bei der Filmadaption aus dem Jahre 1969 nicht geschah. Vor allem aber ist zum einen eine gehörige Portion Humor verloren gegangen bei der ersten Verfilmung, zum anderen unterscheidet sich das Ende von dem aus dem Buch. Mattie ist in der zweiten Adaption nun sowohl eine Spur schlagfertiger als auch ein häufigerer Lieferant diverser witziger Situationen. Allein ihre Verhandlung mit einem örtlichen Kaufmann zu Beginn des Films, wo sie derart bestimmt, wissend und hartnäckig auftritt, dass dieser am Ende schlichtweg aufgibt und darauf hofft, sie nie wieder zu sehen, könnte genauso gut in einer (wenngleich schwarzen) Comedy zu finden sein und ist schlichtweg urkomisch. Gleichzeitig gibt die humoristische Seite Mattie und damit ihrer Darstellerin Hailee Steinfeld die Möglichkeit, mehr Facetten zu zeigen als die des kleinen Mädchens, das den Tod ihres Vaters rächen möchte.

Wahrscheinlich hätte zu Beginn jeder gedacht, dass Oscarpreisträger Jeff Bridges allen die Show stiehlt (schon allein aufgrund mancher Ähnlichkeiten der Rolle mit dem Dude), doch durch die Veränderung des Fokus auf die kleine Mattie ist es vor allem Hailee Steinfeld, die ihm Paroli bietet. In jedem anderen Film wäre Bridges' Performance nicht nur stark aufgefallen, sondern vielleicht sogar mit Overacting gleichgesetzt worden, in "True Grit" jedoch muss er sich das Rampenlicht mit einer 14-jährigen (zum Dreh sogar 13-jährigen) teilen. Die Art und Weise, wie Steinfeld die dickköpfige und furchtlose Mattie darstellt, die nicht selten über ihr Ziel hinausschießt, ist einfach eine Wonne. Nicht gerade selten wird sie sogar für einen begehrten Darstellerpreis vorgeschlagen (wobei sie allein aufgrund ihres Alters normalerweise lediglich als Nebendarstellerin Berücksichtigung finden kann), was durchaus nachzuvollziehen ist. Weswegen auf den diversen Filmpostern der Fokus auf Bridges, Damon und Brolin liegt, kann ohnehin lediglich durch die Vetragsgestaltung mit den Stars und die Hoffnung auf Awardnominierungen begründet werden. Denn Mattie ist Erzählerin, Hauptcharakter, Moral und treibende Kraft in einem. Wirklich verwunderlich ist es daher auch nicht, dass die Coen-Brüder immer wieder zu Protokoll gaben, dass es den Film nicht geben wird, sollte keine passende Darstellerin gefunden werden. Und wenn das alles nicht schon genug wäre, weiß auch Matt Damon als immerzu nörgelnder und selbstverliebter Texas Ranger restlos zu überzeugen. Josh Brolin hingegen ist zwar gut wie immer, seine Rolle ist jedoch nicht groß genug, um lange in Erinnerung zu bleiben.

Ein Western mit einer (wenn auch vergleichsweise geringen Portion) Humor wer wäre prädestinierter dafür, diese Aufgabe zu meistern, als die Coen-Brüder, die mit "No Country for Old Men" bereits näher am Western-Genre waren als ihnen vielleicht bewusst war? Das eigentlich Beeindruckende an "True Grit" der ersten Kollaboration mit Jeff Bridges seit 1998 ("The Big Lebowski") und ihrem mittlerweile 15. Werk ist jedoch, mit wie viel Respekt sie sich dem Filmstoff und dem Genre nähern. Ihre Adaption ist nicht nur sehr nahe an der Romanvorlage, sondern geradezu auffällig konservativ. Hier versucht niemand, ein Genre zu revolutionieren oder gar zu karikieren. Allein durch die verwendeten Dialekte und die Dominanz der Sprache merkt man zwar zweifellos, dass es sich um einen Coen-Film handelt, aber alles in allem ist er deutlich geradliniger, weniger selbstironisch und gewalttätig, und letzten Endes auch mit deutlich weniger Fluchwörtern ausgestattet als die bisherigen Werke. Für den Soundtrack ließ man sich diesmal vor allem von orchestraler Kirchenmusik des 19. Jahrhunderts beeinflussen, um auf der einen Seite eine gewisse Schwermut auszudrücken, auf der anderen Seite jedoch nicht zu deprimierend zu klingen. Entsprechend viele Kirchenlieder finden sich im Film wieder, wodurch man sich jedoch die Chance nahm, in der Kategorie "Best Original Score" bei der kommenden Oscarverleihung ausgezeichnet zu werden. Schade, denn Carter Burwell, für den Soundtrack verantwortlich und ein langjähriger Begleiter der Coens, hätte es wahrlich verdient.

Fazit

Sechs Jahre nach John Hillcoats ("The Road") "Proposition" beweisen die Coen-Brüder ihr Gespür für das Genre und liefern den besten Western seitdem ab. Viele werden sich vielleicht immer noch fragen, inwiefern eine zweite Adaption überhaupt notwendig war, nachdem bereits "Der Marshal" ein bemerkenswertes Stück Kino ist, eines ist jedoch gewiss: "True Grit" hätte wahrscheinlich an keine geeigneteren Hände gelangen können.

Andreas K. - myFanbase
07.01.2011

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