Bewertung: 7
John Hillcoat

Road, The

"Each day is more gray than the one before. Each night is darker - beyond darkness. The world gets colder week by week as the world slowly dies."

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Inhalt

Ein Vater (Viggo Mortensen) und sein junger Sohn (Kodi Smit-McPhee) kämpfen um ihr eigenes Überleben, nachdem eine nicht näher beschriebene Katastrophe die menschliche Zivilisation zerstörte, alle Tiere und Pflanzen tötete und die Sonne verdunkelte. Nur wenige Menschen leben noch, die zumeist in rivalisierenden Gangs auf Suche nach Beute durch das Land ziehen und teils auch nicht vor Kannibalismus zurückschrecken. Vater und Sohn sind auf dem Weg in den Süden in der Hoffnung, dass es dort wärmer ist. Auf ihrer Reise suchen sie nach Unterschlupf, Essen und Benzin und erhoffen, sich ihr eigenes Verständnis von Moral und Menschlichkeit zu bewahren. Eine Pistole mit zwei Schuss ist das einzige Mittel der beiden, um sich zu verteidigen oder das eigene Ende zu beschleunigen.

Kritik

Ganze eineinhalb Jahre nach Drehbeginn kam die Verfilmung des mit einem Pulitzer-Preis ausgezeichneten Romans von Cormac McCarthy, einem der angesehensten noch lebenden Autoren in den Staaten und bereits für die Buchvorlage des viermaligen Oscargewinners "No Country for Old Men" verantwortlich, in die US-amerikanischen Kinos. Immer wieder wurde der Starttermin nach hinten geschoben, am Ende war es ein gutes Jahr Verspätung. Auf den ersten Blick ist dies mehr als verwunderlich, schließlich waren die Coen-Brüder 2007 überaus erfolgreich mit ihrer Adaption eines Romans von McCarthy. Zudem klingt ein Cast, der aus Schauspielgrößen wie Viggo Mortensen, Charlize Theron, Robert Duvall und Guy Pearce besteht, durchaus vielversprechend. Dass dann auch noch derjenige den Regiestuhl besetzt, der mit "Proposition" im Jahre 2005 den besten Western seit Clint Eastwoods "Erbarmungslos" (1992) ablieferte, kann auch nicht dafür verantwortlich gemacht werden, dass der Film mit derartigen Startschwierigkeiten zu kämpfen hatte.

Offiziell waren die zahlreichen Verschiebungen des Startdatums dem Wunsch des Studios geschuldet, dem Film ausgiebig Zeit für die Post-Production zu geben und zum anderen, weil man befürchtete, dass der Film bei all den hochkarätigen Kinostarts in dieser Zeit untergehen könnte. Die letzte Verschiebung schließlich fand statt, um die Chancen auf einen Oscar 2010 zu erhöhen. Doch zum einen kam es nicht dazu und weder Film noch Schauspieler und Crew von "The Road" wurden für den Academy Award nominiert, zum anderen scheint das Problem mit der Unvermittelbarkeit des Films eher etwas viel simpleres zu sein: Er schreckt allein aus inhaltlicher und erzählerischer Sicht schon so manchen Zuschauer ab.

Denn sowohl Buchvorlage als auch Film sind trostlos und düster und versuchen auch gar nicht, einen Silberstreif am Horizont aufzuzeigen. Die USA bzw. höchstwahrscheinlich auch der Rest der Welt sind am Ende, es gibt in absehbarer Zeit keinerlei Möglichkeit daran was zu ändern, wenn überhaupt. Menschen schließen sich zusammen, um andere Menschen zu quälen, zu töten oder zu verspeisen. Viele haben Selbstmord begangen, um sich davor zu schützen und/oder weil sie ihr eigenes Elend und das ihrer Liebenden nicht mehr ertragen konnten. "The Road" ist harter Tobak und daher sicherlich nicht das, wofür sich ein gemütlicher Kinoabend anbieten könnte. Das erklärt auch, weswegen das Produktionsbudget von 20 Millionen US-Dollar bisher immer noch nicht eingespielt wurde und man daher auf einen Teilerfolg in Europa in den kommenden Monaten hofft.

Optisch zieht John Hillcoat alle Register, um die Trostlosigkeit ansprechend auf die große Leinwand zu projizieren. Was leicht zu einer mit CGI vollgepackten Übertreibung hätte werden können, wurde sehr vorsichtig angegangen. Man entschied sich zum Glück lieber dafür, an echten Schauplätzen zu drehen. Hierfür hat sich der Südwesten von Pennsylvania, mit all den verlassenen Kohlenrevieren und Dünen, den verwahrlosten Teilen Pittsburghs und den Steuererleichterungen regelrecht angeboten. Es wurde sogar in den verwüsteten Teilen New Orleans nach dem verheerenden Hurrikan Katrina gedreht. Mark Forker, für die Special Effects bei "The Road" verantwortlich, hat die Landschaften so genommen, wie sie sind und wenn nötig lediglich Grünflächen digital entfernt und den Himmel eingefärbt, damit der Eindruck des grauen in grauen postapokalyptischen Amerikas mit der verdunkelten Sonne und der Asche überall entsprechend vermittelt werden konnte. Nicht auszudenken, welch ein steriles Machwerk entstanden wäre, wenn man stattdessen lieber auf eine Pseudo-Ästhetik wie bei "300" gebaut hätte, denn nicht nur, dass so ein deutlich realistischerer Eindruck entsteht, die eingefangenen weitläufigen Aufnahmen der Umgebung sind über weite Strecken auch schlicht atemberaubend. Für die musikalische Untermalung hat sich Hillcoat wie bei "Proposition" wieder die Dienste von Sänger und Songwriterlegende Nick Cave sowie Warren Ellis gesichert, die auch bereits gemeinsam an "Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford" mitgearbeitet haben und wiederholt unter Beweis stellen, wie sie vor allem triste Geschehnisse perfekt begleiten können.

Aus schauspielerischer Sicht gibt sich "The Road" keine Blöße, nichts anderes hat man bei einer Ansammlung derart vieler Stars erwartet. Da der Vater und sein Sohn die meiste Zeit über zu sehen sind und sich das gesamte Geschehen auf sie konzentriert, ist auch nicht verwunderlich, dass insbesondere Viggo Mortensen zu überzeugen weiß und für viele ein wenig überraschend nicht als bester Hauptdarsteller bei den diesjährigen Oscars nominiert ist. Die eigentliche Entdeckung jedoch ist der zum Zeitpunkt des Drehs elfjährige Kodi Smit-McPhee. Nichts geringeres als die Verkörperung von Unschuld in einer derart missratenen Welt, als die Stimme von kindlichem Glauben an das Gute und als emotionaler Anker für seinen illusionslosen Vater kommt ihm zu, und er meistert seine Aufgabe derart bewundernswert, dass man nicht nur die beste schauspielerische Leistung eines Kindes diesen Alters seit einigen Jahren zu sehen bekommt, sondern sicherlich auch in Zukunft noch einiges von ihm hören wird. Gewohnt überzeugende Performances von Guy Pearce, mit dem Hillcoat bereits in "Proposition" zusammengearbeitet hat, "Deadwood"-Star Molly Parker, Michael Kenneth Williams, der mit Omar Little aus "The Wire" einen der faszinierendsten TV-Seriencharaktere überhaupt geschaffen hat sowie die zwei Oscapreisträger Charlize Theron und Robert Duvall runden den vollauf positiven Eindruck ab.

Dass in der Verfilmung mehr Platz für weitere Charaktere gelassen werden würde war abzusehen. Ein Film, in dem 95 Prozent der Zeit nur Vater und Sohn zu sehen sind und meist nur sehr wenige Wörter miteinander wechseln, ist schlichtweg kaum machbar. Dass insbesondere die Rolle der Mutter ausführlicher behandelt wurde ist ebenso verständlich und gut umgesetzt, insbesondere nachdem die immer wieder eingestreuten Sequenzen des manchmal glücklichen Familienlebens ihre Wirkung als kleine Flucht vor dem Elend in Form von Träumen voll entfalten. Ein großes Problem ergibt sich beim Vergleich zwischen Film und Buch dennoch, und das ist der Schreibstil von Cormac McCarthy, den man selbstverständlich nicht adaptieren konnte. Durch so manche Voice-Over des Vaters wird zwar immer wieder versucht, an diesem Umstand etwas zu ändern, aber am Ende fehlt schlichtweg McCarthys drastische, hoffnungslos realistische und nüchterne Schreibe, die dem Geschehen einen Rahmen gibt. Denn ohne sie wäre das Buch nur eine inhaltlich deutlich beschränkte Geschichte um das Überleben von Vater und Sohn geworden. Und so wird man auch bei der Verfilmung bisweilen das Gefühl nicht los, dass zumindest an der Oberfläche zu wenig geschieht.

Fazit

"The Road" ist ein aus visueller Sicht großartiges Endzeitdrama mit durch die Bank überzeugenden Darstellern und unwahrscheinlich trostloser Atmosphäre, das letzten Endes im Grunde nur dafür kritisiert werden kann, dass hier und da durchscheint, dass McCarthys Buchvorlage denkbar schwierig zu verfilmen war.

Andreas K. - myFanbase
06.02.2010

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