Bewertung: 7
Marcel Langenegger

Deception – Tödliche Versuchung

"Gefällt Ihnen die Arbeit?"
"Ist ganz okay, wenn man gerne mit Zahlen arbeitet. Sind Sie gerne Anwalt?"
"Ich denke schon, wenn man gerne mit Arschlöchern zu tun hat."

Foto: Copyright: 2009 Universum Film GmbH
© 2009 Universum Film GmbH

Inhalt

Der Buchprüfer Jonathan McQuarry (Ewan McGregor) führt ein ödes, strikt geregeltes Leben, bis er eines Abends den Anwalt Wyatt Bose (Hugh Jackman) kennen lernt. Nach einem Joint kann der Anwalt Jonathan überreden, mit ihm in einem Striplokal noch etwas trinken zu gehen. McQuarry ahnt noch nicht, dass dies der Beginn einer ganz besonderen Freundschaft ist. Kurz darauf muss Wyatt geschäftlich verreisen und nimmt nach einem Mittagessen mit seinem neuen Freund dessen Handy mit, statt seines. Jonathan bemerkt den versehentlichen Tausch, da er plötzlich seltsame Anrufe bekommt. Neugierig lässt er sich schließlich darauf ein und landet in einer Art Sexclub.

Anfangs irritiert geniesst er seine neuen Möglichkeiten, bis er S (Michelle Williams) kennenlernt. Diese verschwindet jedoch auf mysteriöse Weise wieder. Trotz der strikten Regeln des Clubs für absolute Anonymität möchte er sie wiedersehen. Aber fast hätte Jonathan den Anwalt vergessen, der nun für all den Spaß etwas verlangt. McQuarry soll bei der nächsten Firma von dessen Konto 20 Millionen auf ein spanisches Konto überweisen, sonst sähe er S nie wieder. Jonathan befolgt seine Anweisungen, jedoch nicht, ohne sich eine gewisse Hintertür offen zu halten – und da ist ja noch S.

Kritik

"Sind Sie heute Abend frei?" Der Schweizer Marcel Langenegger, bisher seines Zeichens Regisseur von Werbefilmen, muss es wohl gerade gewesen sein. "Deception" ist sein erster Streich in der Welt der Kinofilme. Und nachdem er für einen englischen Werbespot die Beatles auferstehen ließ, verwundert es einen nicht, dass in seinem Debüt Größen wie Hugh Jackmann oder Ewan McGregor dabei sind. Mir gefällt, dass Langenegger dem Allzeithelden Jackman das Bösewichtkostüm überzieht, denn es steht ihm. Man spürt als Zuschauer förmlich den Spaß, den Hugh dabei gehabt haben muss, einmal eine andere Seite von sich zu zeigen. Und auch der Schotte McGregor überzeugt als Zahlenfanatiker. Der menschliche Wandel vom zurückhaltenden, loyalen Mann zum hemmungslosen, unbeugsamen Gegner verkörpert Ewan genial.

Das Thema Kontenhinterzug trifft genau den wirtschaftlich geplagten Zahn der Zeit, was bei einigen Dialogen durch reichliche Fachausdrücke unterstrichen wird. Auch sind bei dem Katz- und Mausspiel der beiden Hauptdarsteller für regelmäßige Krimi- und Thrillerfans einige Dinge schon weit im Vornherein vorhersehbar. Aber es gibt trotzdem noch Stellen, an denen man durchaus überrascht wird.

Allgemein ist es eher schwierig, "Deception – Tödliche Versuchung" in eine bestimmte Schublade zu stecken. Denn zu Beginn wie auch am Ende der Story scheint der Thriller eher wie ein Drama. Dass die Geschichte von einem unspektakulären Einzelgänger erzählt wird, der durch einen kleinen Stoß wieder die Süße des Lebens entdeckt, bevor er im Angesicht des Todes schon fast ritterhaft die Liebe seines Lebens beschützen will, ist nichts Neues. Doch zusammen mit einer fantastischen Musik und Kameraführung entstehen trotzdem einige kleine Szenen, die einen als Zuschauer durchaus über das eigene Leben nachdenken lassen. Michelle Williams als geheimnisvolle S trägt mit ihrer Mischung aus Femme fatale und schon fast kindlicher Unschuld einiges dazu bei. Das alles mit einem kräftigen Schuss Erotik. Wobei der Regisseur wohl die Ziffern der Altersfreigabe vertauschte, denn 12 Jahre erscheint mir als FSK doch etwas jung.

Am Ende des Filmes ist man ziemlich verwirrt. Marcel Langenegger nimmt sich dort die filmische Freiheit, wodurch irgendwie zwei Schlussszenen entstanden. Mich hätte die erste, eher dramatisch-realistischere Szene vollkommen befriedigt. Denn seien wir mal ehrlich, dass man einem Menschen drei Mal über den Weg läuft, ist so gut wie unmöglich. Außer, es ist Hollywood.

Fazit

Das Erstlingswerk des Schweizers Marcel Langenegger weist einige kleinere Mängel auf. Aber Werbefilme drehen ist nicht dasselbe wie Kinofilme. Trotzdem lohnt es sich, sich darauf einzulassen, da man mit einigen Kleinigkeiten und den Darstellern auch durchaus überrascht werden kann. Und es ist ja noch kein Meister vom Himmel gefallen.

Jasmine K. - myFanbase
13.03.2010

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