Bewertung: 8
Billie August

Geisterhaus, Das

Alles was zählt, ist das Leben selbst.

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Inhalt

Der Großgrundbesitzer und Politiker Esteban Trueba (Jeremy Irons) ist in Chile erfolgreich aufgestiegen. Unter seiner Härte und Strenge haben nicht nur seine Schwester Férula (Glenn Close) und seine hellsichtige Frau Clara (Meryl Streep) zu leiden, denn auch das Volk ist dem Hunger und der politischen Macht unterlegen. Zu den Rebellen gehört der mutige Pedro (Antonio Banderas), mit dem Truebas Tochter Blanca (Winona Ryder) insgeheim ein Verhältnis hat. Nicht nur das, sondern auch der uneheliche Sohn (Vincent Gallo) von Trueba wird zum Verhängnis. Außerdem stehen die nächsten Wahlen an und Truebas Partei droht zu verlieren, während die Rebellen einen Putsch gegen die Regierung planen. Anfang des 20. Jahrhunderts kommt es zu blutigen Auseinandersetzungen, in denen das Schicksal der Familie Trueba einen schrecklichen Lauf nimmt.

Kritik

"Das Geisterhaus" ist eine Verfilmung des gleichnamigen Romans von Isabel Allende aus dem Jahr 1993. Während das Buch mich durch einige Längen und der wirren Erzählweise nicht hundertprozentig überzeugen konnte, war ich umso verblüffter von der Verfilmung.

In Allendes Roman wird über vier Generationen hinweg eine komplizierte und dramatische Familiengeschichte erzählt. Wie also soll man alles in einen Film hineinpacken? Der Regisseur Billie August hat eine ganz einfache Lösung dafür gefunden, die aber von Kritikern stets niedergemacht wurde. Statt vier Generationen wurden "nur" drei Generationen erzählt und die Kinder von Blanca und Pedro wurden einfach weggelassen. Die Geschehnisse, die eigentlich die Tochter von Blanca, also Alba, hätte durchmachen müssen, wurden auf Blanca übertragen. Für mich war das eine geniale Lösung, denn es ist nie einfach, einen dicken Roman Wort für Wort im Film wiederzugeben. Schon zu Beginn des Films habe ich mich gefragt, wie man den kompakten Roman überzeugend verfilmen will, ohne die wichtigen Details auszulassen. Daher kann ich die schlechte Kritik über diese Veränderung überhaupt nicht nachvollziehen, denn nur mit dieser gewagten Kürzung konnte die Handlung gut im Film rübergebracht werden. Längen oder langweilige Stellen gibt es daher kaum welche, ganz im Gegenteil zum Buch. Mit Musik und geschickten filmischen Mitteln konnten viele Szenen, zum Beispiel der Bürgerkrieg, viel besser nachvollzogen werden als die seitenlangen Beschreibungen bei der Autorin Allende. Außerdem waren die Fähigkeiten von Clara im Buch äußerst kompliziert dargestellt, während man im Film sofort erfassen kann, dass Clara übernatürliche Fähigkeiten besitzt, so kann sie zum Beispiel Gegenstände bewegen.

Die geschichtlichen Fakten wurden eingehalten und die politische Situation in Chile verständlich und spannend umgesetzt. So fiebert man mit den Figuren mit und kann für alle Charaktere, sogar für den herzlosen Großgrundbesitzer Esteban Trueba, Verständnis aufbringen, was im Buch nicht möglich war. Trueba hatte immer das Image des Bösen und Abscheulichen, aber im Film kann sogar er Sympathie und Mitleid erwecken.

Vielleicht mag das aber auch an den großartigen Schauspielern liegen, die hier kräftig mitgemischt haben. Vor allem Jeremy Irons als Esteban hat mich sehr beeindrucken können und ist mir am meisten ins Auge gestochen. Natürlich haben die übrigen Darsteller wie Antonio Banderas, Meryl Streep und Glenn Close ebenfalls überragende Arbeit geleistet. Aber nicht nur amerikanische und britische Schauspieler sind hier am Werk. Mit Armin Mueller-Stahl und Jan Niklas sind auch deutsche Schauspieler vertreten, die zwar nicht so eine große Rolle wie die oben genannten Darsteller haben, aber immerhin genauso gute Arbeit geleistet haben.

Fazit

Der Film "Das Geisterhaus" ist um einiges besser und interessanter als die Romanvorlage, aber dennoch ist das Thema, mit dem sich diese literarische Verfilmung beschäftigt, komplex und daher Geschmackssache.

Tanya Sarikaya - myFanbase
13.01.2010

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