Bewertung: 8
James Ivory

Zimmer mit Aussicht

"Frauen haben gerne eine schöne Aussicht."

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Inhalt

Florenz zu Beginn des 20. Jahrhunderts: Die junge Lucy Honeychurch (Helena Bonham Carter) aus England ist mit ihrer älteren Cousine Charlotte Bartlett (Maggie Smith) auf Bildungsreise in Italien. In der Pension, in der ihnen bei der Buchung ein Zimmer mit Aussicht versprochen wurde, finden sich die beiden mit Räumen auf Hintergebäude wieder. Beim Abendessen im Hotel bietet ein weiterer Gast aus England, Mr. Emerson (Denholm Eliott), der mit seinem Sohn George (Julian Sands) reist, den beiden Frauen ihre Zimmer mit Aussicht an. Nach anfänglichem Zögern nehmen die beiden das Angebot an.

Lucy beginnt, sich Florenz anzuschauen und lernt neben der Stadt auch George kennen. George ist ein ernsthafter junger Mann, der in seiner eigenen Welt zu leben scheint. Nach einiger Zeit freunden sich die beiden mehr und mehr an. Zurück in England verlobt sich Lucy allerdings mit dem Landadeligen Cecil (Daniel Day-Lewis), der etwas merkwürdige Anwandlungen zu haben scheint. Als dann allerdings George mit seinem Vater in das Dorf von Lucy zieht, kommen Lucy erhebliche Zweifel an ihrer Entscheidung und sie ist hin- und hergerissen zwischen Cecil und George.

Kritik

Auf humorvolle Art wird der Bildungstourismus der Briten zu Beginn des 20. Jahrhundert aufs Korn genommen. Alle sehen etwas herablassend auf die Italiener nieder, die etwas "verwildert" oder auch "barbarisch" wirken. Die Lebensfreude der Engländer dagegen wirkt geziert und stark gekünstelt. Beim Abendessen in der Pension wird sich über die fremde Kultur unterhalten. Ironisch ist daran, dass Italien neben Griechenland eigentlich die Wiege der europäischen Kultur ist. Auch das Klassenbewusstsein der Engländer wird angegriffen und ein wenig ad absurdum geführt.

Im eigentlichen Mittelpunkt stehen aber Lucy und ihre Gefühle zu George, die sie versucht zu unterdrücken, was ihr aber immer weniger gelingt. Eine tolle schauspielerische Leistung bietet da Helena Bonham Carter. Es sind aber vor allem die älteren Darsteller, die ihre Rollen bis zur Perfektion ausspielen. Maggie Smith spielt ihre Rolle der Charlotte Bartlett unnachahmlich gut. Miss Barlett versucht ständig, allen Leuten keine Umstände zu machen, wodurch sie natürlich dafür sorgt, dass alle ständig um sie springen und Charlotte dadurch allen sehr viele Umstände macht und von allen irgendwie bedauert wird. Ein herrliches Duo bieten an einer Stelle der Filmes Maggie Smith und Judi Dench. Beide besichtigen Florenz, wobei Eleanor Lavish (Dench), die Schriftstellerin ist, Charlotte vorantreibt und die beiden dabei Stadtteile sehen, die nicht im Baedeker (dem Must-Have-Reiseführer damals) stehen.

Unerwähnt bleiben sollten auch die weiteren Darstellen nicht: Daniel Day-Lewis als Cecil in seiner überkandidelten Art, der eigentlich niemand außer sich selbst lieben kann und auf alle anderen von oben herab schaut. Vor allem aber auch die Figur des introvertierten, tiefgründigen George, den Julian Sands sehr eindrucksvoll spielt. Der Pfarrer Mr. Beebe (Simon Callow), der die Geschehnisse ironisch kommentiert und als erster Lucy durchschaut, ist ebenfalls großartig, genauso wie viele weitere Nebenfiguren.

Fazit

"Zimmer mit Aussicht" bietet einen schönen Filmabend mit exzellenten Schauspielern.

Miriam Ahrenholz - myFanbase
15.12.2009

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