Bewertung: 6
Joe Wright

Solist, Der

Beauty is art; music is beauty.

Foto: Copyright: 2010 Universal Studios
© 2010 Universal Studios

Inhalt

Steve Lopez (Robert Downey Jr.) ist mit seinem Leben alles andere als glücklich. Von seiner Frau Mary (Catherine Keener) lebt er getrennt und dann hat er sich auch noch mit seinem Fahrrad hingelegt. Doch als er zu dieser Zeit auf den Straßen von Los Angeles unterwegs ist, wird er auf den obdachlosen Musiker Nathaniel Ayers (Jamie Foxx) aufmerksam. Als großes Wunderkind gefeiert, hat sich Nathaniel irgendwann aus dem Rampenlicht zurückgezogen und seine Ausbildung am Julliard-Collage abgebrochen. Nun lebt er auf den Straßen von Los Angeles. Lopez ist von der Geschichte des geistig zurückgebliebenen Nathaniel begeistert und schreibt in seiner Kolumne über das Schicksal des Musikers. Die Geschichte kommt gut an und Lopez schreibt weitere Artikel und begleitet den Musiker immer weiter. Bald ensteht eine seltsame Art von Freundschaft, die das Leben beider Menschen verändern wird.

Kritik

Auf einer wahren Begebenheit beruhend wurde das Drehbuchs dieses Filmes auf Grundlage der Kolumnen und des Buches von Steve Lopez geschrieben, der auch heute noch für die Los Angeles Times schreibt. Die Geschichten rund um den Musiker Nathaniel Ayers machten 2005 L.A. wieder einmal seines Obdachlosenproblems deutlich. Denn alleine in der Stadt der Engel leben mehr als 73.000 Obdachlose, von denen knapp 25.000 - wie Nathaniel - geistig zurückgeblieben sind. Das Problem der Obdachlosigkeit ist also allgegenwärtig und das zeigt auch der Film einmal mehr.

Doch alleine mit dieser Botschaft und einer guten Vorlage ist noch kein guter Film erschaffen. Das beweist leider auch "Der Solist". Denn obwohl mit der Vorlage, großartiger Musik, zwei hochkarätigen Hauptdarstellern in Form von Jamie Foxx und Robert Downey Jr. und einem Erfolgsregisseur, der schon so großartige Filme wie "Abbitte" und "Stolz und Vorurteil" inszenierte, eigentlich alles nach einem weiteren Meisterwerk aussah, ist dies leider auf der Strecke geblieben. Dabei hat Joe Wright, der Regisseur, keine großen Fehler gemacht. "Der Solist" ist großartig inszeniert, egal ob die Szene nun im großen Opernsaal oder in einer kleinen Wohnung oder eben auf der Straße von Los Angeles spielt, die Inszenierung ist immer großartig. Auch Foxx und Downey Jr. geben ihr Bestes, wobei vor allem Foxx, nachdem er schon als blinder Sänger zu sehen war ("Ray", 2004), nun als geistig behinderter Cellist überzeugen kann. Bei einem Film über den Spieler eines so klassischen Instrumentes kann natürlich die klassische Musik nicht fehlen. Das tut sie natürlich auch nicht und verleiht dem Film damit sehr viel mehr Stimmung.

Leider fehlt es dem Film aber an einer Tiefe der Charaktere. Zwar erfahren wir immer mehr über Nathaniel und seine Gründe werden dem Zuschauer auch deutlicher, so dass man am Schluss sogar fast nachvollziehen kann, warum er das Leben als Obdachloser dem als Musikwunderkind vorzog. Bei Steve Lopez ist es jedoch schon schwieriger die Entwicklung zu verstehen. Er beginnt als zynischer Journalist, der wegen seines Egoismus seine Ehefrau vertrieben hat, während auch seine Kinder nichts mehr von ihm wissen wollen. Durch die Begegnung mit Nathaniel soll sich dies geändert haben und der Zuschauer merkt auch, dass Lopez Interesse an Nathaniels weiterem Werdegang hat. Doch leider kann man sich dabei niemals ganz sicher sein, ob Lopez nicht weiter aus egoistischen, karrierebedingten Gründen, oder doch aus seiner Freundschaft zu Nathaniel agiert. Alleine in einer Kolumne von Lopez kommt mehr Herz des Journalisten gegenüber dem Obdachlosen rüber, als der ganze Film zu verstreuen weiß.

Dies aber jetzt alleine dem Darsteller dieses zynischen Journalisten in die Schuhe zu schieben, wäre wohl falsch. Die Charaktertiefe wurde wohl beim Drehbuch verbockt. Dies ist besonders schade, wenn man sich ein bisschen mit der tatsächlichen Geschichte dieser beiden Menschen befasst. Denn aus ihnen sind tatsächlich sowas wie Freunde geworden.

Deswegen ist aber der ganze Film noch lange nicht schlecht, es zeigt nur, wie viel besser er mit etwas mehr Herz und Einfühlungsvermögen geworden wäre. Auch beim Thema Obdachlosigkeit wäre etwas Einfühlungsvermögen nicht schlecht gewesen. Denn so sehr das Thema immer noch aktuell ist und wohl auch immer sein wird, so wenig wird hier versucht, auch auf das allgemeine Thema der Obdachlosigkeit aufmerksam zu machen. Mit ein paar Kniffen wäre auch das gelungen und hätte dem Film dann noch etwas mehr Brisanz verliehen.

Fazit

Eine große Vorlage, ein großartiger Cast und ein begabter Regiesseur. Obwohl scheinbar alles stimmt, ist "Der Solist" doch nicht der Film, den man erwarten kann. Mit ein paar Kniffen und etwas mehr Gefühlen wäre dies ein wunderbarer Musikfilm geworden, so ist es leider nur ein Film über einen obdachlosen Musiker, der mit schöner Musik und einem erstklassigen Jamie Foxx überzeugen kann.

Eva Klose - myFanbase
08.11.2009

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