Bewertung: 8
John Patrick Shanley

Glaubensfrage

"Es ist ja nur bis Juni." Mrs. Miller

Foto: Copyright: Walt Disney Studios Motion Pictures Germany
© Walt Disney Studios Motion Pictures Germany

Inhalt

New York, 1964: Schon seit längerer Zeit ist Schwester Beauvier (Meryl Streep), Leiterin einer katholischen Schule, der ihrer Meinung nach viel zu weltliche Vater Flynn (Philip Seymour Hoffman) ein Dorn im Auge. Doch da er ihr Vorgesetzter ist, kann sie gegen den allseits beliebten Priester nicht viel ausrichten. Erst als sie von Schwester James (Amy Adams) einen Hinweis erhält, der Priester interessiere sich mehr für einen ihrer Schützlinge, Donald Miller, als angemessen ist, kann sie gegen ihn vorgehen.

Nur mit einer handvoll Beweisen ausgestattet, die eher Indizien gleichen als wasserfest sind, versucht sie, Vater Flynn auf die Spur zu kommen. Selbst als der Angeklagte überzeugende Erklärungen für sein Verhalten vorbringt, besteht Schwester Beauvier hartnäckig auf ihrem Standpunkt. Es stellt sich dabei nur eine Frage: Tut sie das aus der Überzeugung, der Vater habe wirklich etwas Schlimmes getan, oder aus dem starrsinnigen Willen, ihren Widersacher von der Schule zu weisen?

Kritik

Dieser Film, ursprünglich ein Theaterstück, trägt im Original den Titel "Doubt", also Zweifel. Damit wäre man auch gleich bei der Hauptfrage des Films angekommen: Hat Vater Flynn diese Schandtat begangen, oder nicht? Es spricht einiges dafür, aber auch einiges dagegen. Sicher ist man sich aber nie. Ist man von dem einen Argument überzeugt, folgt sogleich die Gegendarstellung.

Dabei neigt man besonders zu Anfang, sich auf die Seite des Vaters zu stellen. Ist er doch so viel sympathischer und offener als die Schulleiterin, die das Benutzen von Kugelschreibern verbietet und der es schon als ein großes Eingeständnis zur Moderne erscheint, den Schülern normale Füller zu erlauben. Schwester Beauvier ist das von Meryl Streep verkörperte Grauen auf zwei Beinen. Man erkennt sofort: Mit dieser Frau ist nicht zu scherzen. Bei ihr herrschen noch Ordnung und Disziplin und dafür wird sie gefürchtet. Ihr Gegenspieler in Gestalt des herzlichen Vaters Flynn, der für jeden ein Ohr offen hat und sich wirklich für seine Schüler zu interessieren scheint, bietet dabei einen wunderbaren Kontrast. Auch Philip Seymour Hoffmann bringt diese Rolle glaubhaft dem Zuschauer nahe, beide Schauspieler bilden ein wunderbares Hass-Paar auf der Leinwand.

Etwas zu naiv scheint dagegen die Rolle der Schwester James angelegt zu sein. Gut, sie ist noch jung und hat nicht viel Erfahrung. Aber welcher Mensch, der sich den harten Regeln des Nonnendaseins verschreibt, ist so gutmütig und vertraut den Menschen blind? Sie ist das zurückhaltende Mäuschen, das nur ein einziges Mal den Mund richtig aufmacht; dann aber mit ordentlich Zündstoff. Schließlich ist sie es, die Schwester Beauvier von ihren Beobachtungen erzählt.

Besonders heraus sticht dagegen eine andere Schauspielerin: Viola Davis. Obwohl sie nur in zwei Szenen einen Auftritt hat, absolviert sie doch beide mit Bravour. Sie spielt die Mutter des kleinen Donald Miller, die versucht, aus ihrer Notlage das Beste zu machen. Man ist doch etwas überrascht über ihre Reaktion auf Schwester Beauviers Befürchtungen, findet aber dann vielleicht nicht vollstes Verständnis, doch zumindest Einsicht.

Passend zur Herbst-/Winterzeit und der Stimmung des Filmes sind auch die Farben recht düster und trist gehalten. Obwohl keine großen, actionreichen Szenen mit von Dach zu Dach springenden Wesen vorkommen, so kommt doch keineswegs Langeweile auf. Die eigene Menschenkenntnis und das Vertrauen darin sind gefragt. Dabei stellt man sich die ganze Zeit über die Frage: Warum sagt Vater Flynn nicht einfach die vollständige Wahrheit, wenn er doch nichts zu verbergen hat? Zwar findet er recht überzeugende Antworten, trotzdem druckst er auch gerne etwas herum und versucht, die Schwester in die Enge zu treiben, um von sich selbst abzulenken. Man selbst schwankt die ganze Zeit in seinem Urteil und wird, besonders durch das überraschende Ende, völlig mit seiner eigenen Überzeugung allein gelassen.

Fazit

Hat er oder hat er nicht? Nur der Vater selbst kann das beantworten.

Carolin F. - myFanbase
04.03.2009

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