Bewertung: 9
David Fincher

Fight Club

"It's only after we've lost everything that we're free to do anything." Tyler Durden

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Inhalt

Von Schlaflosigkeit und innerer Leere geplagt lebt der junge Versicherungsvertreter Jack (Edward Norton) sein Leben Tag für Tag dahin, ohne je wirklich wach zu sein oder zu schlafen. Auf einer seiner unzähligen Dienstreisen trifft er dann den charismatischen Seifenverkäufer Tyler Durden (Brad Pitt) eine Begegnung, die Jacks Leben verändert.

Als Jacks Apartment in die Luft geht, weiß er sich an niemand anderen zu wenden als an Tyler und so verbringen die zwei einen Abend in der Bar. Nach ein paar Bier zu viel beginnen die beiden zum Spaß sich zu prügeln und finden Gefallen daran. Schnell entwickelt sich aus den allabendlichen Sauftouren und Prügeleien der "Fight Club" ein Club für Männer, in dem sie bei geheimen Treffen ihren Aggressionen durch Schlägereien freien Lauf lassen können.

Doch nimmt der "Fight Club" immer radikalere Züge an. Die Kämpfer formieren sich zu einer anarchistischen Einheit und erst zu spät muss Jack erkennen, dass Tylers Pläne außer Kontrolle geraten...

Kritik

Sähe man sich "Fight Club" auf eine rein oberflächliche Weise an, so würde man sicherlich zu dem Schluss kommen, dass dieses von David Fincher erschaffene Werk eine Ode an die Gewalt ist, eine dunkle Welt der Perversität, ein schreiendes Blutbad. Doch blickt man unter die Oberfläche, so wird man entdecken, dass "Fight Club" vielleicht all das sein mag, doch es ist noch viel mehr: der Film macht das Gefühl einer ganzen Generation greifbar, die ihren Platz im Leben nicht finden kann und wie gelähmt ist vom Konsumismus unserer Zeit.

"We're the middle children of history, man. No purpose or place", sagt die Figur Tyler Durden bei einer Rede im Fight Club. "We have no Great War. No Great Depression. Our Great War's a spiritual war... our Great Depression is our lives. We've all been raised on television to believe that one day we'd all be millionaires, and movie gods, and rock stars. But we won't. And we're slowly learning that fact. And we're very, very pissed off." Das Leben als eine einzige große Depression, das ist es, was "Fight Club" zu beschreiben vermag. Und den Versuch, aus ihr auszubrechen. Diesen Versuch wagt der Erzähler des Films, Jack, als er nach seiner Begegnung mit Tyler sein altes Leben hinter sich lässt und ein neues beginnt: ein neues Leben fern von Konsum, fern von Konventionen und fern von allem, was die Gesellschaft vorschreibt. Und plötzlich ist die innere Leere weg, Jack findet wieder eine Art verqueren Sinn in seinem Leben.

Diesen Sinn gibt ihm der Fight Club. Die psychische Leere wird zumindest für einen Kampf lang durch physische Gewalt weggefegt. Blut spritzt, Zähne werden ausgeschlagen und die Menge jubelt. Mit ihrem Club geben Jack und Tyler nicht nur sich, sondern auch vielen anderen Männern die Chance, aus ihrem Leben auszubrechen, "frei" zu sein von allen Zwängen. Durch Gewalt.

Doch hinter dieser zweiten Ebene verbergen sich noch viele weitere Ebenen. Es geht nicht nur um die emotionale Leere der Charaktere, es geht um Kritik an der Gesellschaft, Kritik am betäubenden Konsumleben, Kritik an der herrschenden Anonymität und darum, wie Gemeinschaft etwas verändern kann allerdings nicht nur positiv, sondern auch vor allem negativ. So zeigt "Fight Club" eindrucksvoll, wie schnell Gewalt übergreifen und sich von "bloßen" Schlägereien fast zum Totschlag und letztendlich zum Terrorismus entwickeln kann. Ehe es sich Jack versieht, ist aus dem Fight Club das anarchistische "Project Mayhem" geworden, das sich jeglicher Kontrolle entzieht.

Dieser faszinierende, von vielen Interpretationsebenen durchsetzte Plot allerdings wäre nur halb so gut, hätte David Fincher nicht all sein kreatives und innovatives Können in dieses Projekt gesteckt, um daraus einen Film zu machen, der auf allen Ebenen überzeugen kann: Plot, Regie, Cast. Letzterer könnte gar nicht besser besetzt sein. Man kann überhaupt nicht entscheiden, ob nun Edward Norton als Erzähler oder Brad Pitt als Tyler Durden besser ist, beide übertreffen sich ständig gegenseitig und spielen ihre Rollen mit fast schon unheimlicher Brillanz. Sie spielen ihre Figuren nicht nur, sie sind sie. Ebenfalls beeindruckend ist Helena Bonham Carter als mysteriöse Marla Singer.

So lässt der Film den Zuschauer schließlich nicht nur mit dem Gefühl zurück, einen wirklich beeindruckenden Film gesehen zu haben, sondern trumpft auch noch mit einem bombastischen Ende auf, das rückwirkend den gesamten Film in einem neuen Licht erscheinen lässt. Und man kann nicht anders, als noch lange über "Fight Club" nachzudenken.

Fazit

Übermut. Chaos. Seife. David Finchers Werk besitzt alles, was ein Film haben muss. Wer hier nur Gewalt sieht, versteht den Film nicht. Denn "Fight Club" ist mutig und besitzt eine solche Tiefe, dass es bei weitem nicht reicht, ihn nur einmal zu sehen, um ihn komplett zu erfassen.

Maria Gruber - myFanbase
26.07.2008

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