Bewertung: 6

Review: #6.11 Auf zu neuen Ufern

Foto: David Duchovny, Californication - Copyright: Paramount Pictures
David Duchovny, Californication
© Paramount Pictures

Die vorletzte Episode der Staffel spiegelt für mich die bis dato gesehene Staffel recht gut wider. Es gibt immer wieder Überraschungen im Handlungsverlauf, weil Richtungen eingeschlagen werden, die man so nicht erahnt hat. Trotzdem wirkt alles etwas unstrukturiert und zu wenig zielstrebig.

He's at fucking Happy Endings

Atticus macht einen heftigen Schnitt. Nach der letzten Party, die ausartete (wenn auch nicht unbedingt mehr als andere Partys in der Serie), will er sein Leben auf die Reihe bringen. Seine Frau Nathalie will sich eh scheiden lassen und da kann man dann auch gleich den Schnitt machen, mit der Musik aufhören und sich einweisen lassen. Im Prinzip wird damit alles auf den Kopf gestellt. Das Musical nimmt wieder keine konkreten Formen an und man bekommt auf dieser Ebene auch keine Unterhaltung oder Seitenhiebe auf "Glee" oder "Smash", die ich mir vor der Staffel so erhofft hatte. Außerdem ist man mit dem Happy Endings wieder an einen Ort zurück gegangen, der mich weder wunderbar unterhalten, noch einen hinreichenden Stellenwert in der Staffel erhalten hatte, als dass man hier noch mal hergemusst hätte. Man kann natürlich sagen, dass sich hier ein Kreis schließt, doch in der Form war das einfach nicht notwendig und eher überflüssig, selbst wenn man die Gelegenheit genutzt hat, gleich auch Gabriel und vor allem Bates wieder in die Serie einzubeziehen.

Was mich eigentlich am meisten gestört hat, ist die Art und Weise, wie man Atticus wieder von sich überzeugt und zurück holt. Der Name "Happy Endings" hat eine ganz neue Bedeutung bekommen, als man die Einrichtung in eine Partymeile verwandelt hatte und dort exzessiv all das betrieben hat, wovor man die Leute eigentlich bewahren will. Im Endeffekt war es eine normale Szene aus der Serie, aber Alkohol und Drogen als Heilung zu interpretieren, ging mir dann doch einen Schritt zu weit. Ich verstehe auch nicht, was man damit beabsichtigt hat. Dass Entzugskliniken überflüssig sind und man nichts erreichen kann? Das Leben ist besser, wenn man sich einfach mit Drogen vollballert? Rock Stars dürfen das und sind dann auch nur gut? In den heiligen Hallen wird am meisten gesündigt? Ich konnte mit dem Part wirklich nichts anfangen und fand es wirklich nicht witzig. Hier ist man einen Schritt zu weit gegangen.

And your books are unreadable

Ophelia taucht nach ihrer Elektroschockerattacke tatsächlich noch mal auf und gibt sich reumütig. Man muss schon viel Mut aufbringen, um den Personen noch mal unter die Augen zu treten und Marcy hat einfach ein zu gutes Gemüt, dass sie sich überhaupt auf ein Gespräch einlässt. Es wird wohl das letzte gewesen sein, denn Ophelia hat einfach komplett einen Schaden. Eigentlich ist es genau die richtige Entwicklung für diese überaus verrückte Person. Eine 180°-Drehung hätte man ihr einfach nicht abgenommen, insofern passt es, hier noch einen obendrauf zu setzen. Charlie und Marcy in ihre Gewalt zu bringen, war an Skurrilität kaum zu überbieten, aber das war für mich irgendwie viel besser nachzuvollziehen. Marcys Abrechnung war dann wirklich herrlich. Endlich sagt ihr mal jemand die Meinung. Ophelias Rache ging dann noch schief und auch wenn es sehr makaber war, muss ich zugegeben, dass ich Ophelia ebenfalls mit sehr viel Genugtuung noch den ein oder anderen Stromschlag versetzt hätte.

I guess, I still love you

Das Ende der Episode schlug dann noch ein paar ruhige Töne an, die dann mal wieder wahnsinnig gut gewesen sind und der eigentliche Grund sind, warum mir "Californication" so gefällt. Zunächst ist da die Annäherung von Marcy und Charlie, die eigentlich längst überfällig war, durch das Extremereignis forciert wurde und dann recht unspektakulär in genau der richtigen Stimmung für das Paar transportiert wurde. Beiden wird selbst erst klar, was mit ihnen passiert ist und was sie wohl glücklich machen wird. Mal schauen, ob Stu sich da noch mal einmischen wird oder ob er akzeptiert, dass er verloren hat.

I'm gonna miss you so much

Wie so oft ist das Gespräch von Becca und Hank das große Highlight der Episode. Becca schafft es wieder, mit so viel Weisheit ihre Worte an ihren Vater zu richten, dass man ein mal mehr in Frage stellen muss, wie hier eigentlich für wen erziehungsberechtigt ist. Außerdem wird einem dadurch auch immer wieder klar, welch gute Beobachtungsgabe und Analysefähigkeit sie hat, die sie fundiert zum Ausdruck bringt. Da muss eigentlich eine gute Autorin bei rauskommen. Hank hofft natürlich auf den normalen Lauf der Dinge, also einen schwierigen Weg in die Kunst, damit er seine Tochter noch nicht vollkommen verliert, aber ich bin mir da eigentlich nicht so sicher. Ich hoffe, dass die Autoren für Becca eine schöne Geschichte parat haben und sie hoffentlich nicht in die Drogenrichtung abdriften lassen. Ihr komischer Freund scheint ja durchaus ein netter Kerl zu sein.

Dass Becca schon am Ende dieser Episode ihren Abschied bekommt, rettet diese Folge zwar, aber ich bin doch überrascht und ein wenig traurig, dass sie damit im Finale wahrscheinlich nicht zu sehen sein wird. Wenn das aber bedeutet, dass Karen und Hank in irgendeiner Form mal unabhängig von Becca miteinander agieren müssen, dann könnte das ein Ansatz für das Staffelfinale sein, denn auch wenn ich Faith leiden kann, bleibe ich immer ein Hank/Karen-Shipper. Hoffentlich nimmt Hank sich Beccas Worte zu Herzen.

Fazit

So richtig zufrieden bin ich auch mit dieser Episode nicht. Nach einem kurzen Hoch ist die Linie irgendwie wieder verloren gegangen und das Storytelling wirkt sehr ungeordnet und nur auf Richtungswechsel und Charaktereinbindung orientiert. Das entspricht einfach nicht meinen Erwartungen, zumal diese Überraschungen auch nicht so tolle Geschichten zur Folge hatten, wenn man mal von Beccas Dialog mit Hank absieht. Ich setze die Hoffnungen auf das Staffelfinale.

Emil Groth - myFanbase

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