Bewertung: 8

Review: #9.12 Pelants Rätsel um den Phantommörder

Foto: Emily Deschanel & David Boreanaz, Bones - Copyright: 2013 Fox Broadcasting Co.; Jennifer Clasen/FOX
Emily Deschanel & David Boreanaz, Bones
© 2013 Fox Broadcasting Co.; Jennifer Clasen/FOX

Ein Tod eines jungen Mädchens führt die Ermittler zu der reichen und einflussreichen Familie der McNamaras, welche alte Freunde von Hodgins sind. Währenddessen ist Brennan besessen die Morde des Ghost Killers aufzuklären, auf dessen Spur Pelant sie gebracht hat und Clark Edison stürzt sich wegen seiner gescheiterten Beziehung in die Arbeit.

"Aren't you even the least been freaked out, that this remains were sent to your house?" – "I'm the best forensic anthropologist in the country, wouldn't you want me examine your remains?"

Die Überreste werden in dieser Episode nicht gefunden, sondern gleich per UPS Brennan nach Hause zugestellt. Während sie dies typischerweise nicht beunruhigt, sondern eher ehrt, sieht Booth dies ein wenig anders und er macht sich doch ein wenig Sorgen, dass die Arbeit seiner Ehefrau in dieser Art und Weise nach Hause getragen wird. Diese kleinen Andeutungen über die Unterschiede von Brennan und Booth machen immer wieder Spaß, vor allem da bei solchen Dingen meist jeder "normale" Mensch wie Booth reagieren würde und einem Brennans Aussagen neben einem Kopfschütteln oft zum Lachen bringen. Leider werden die Bedenken von Booth im weiteren Verlauf der Folge nicht mehr weiter thematisiert, was ich ein bisschen schade fand. Denn auch wenn es eine Kleinigkeit ist, so scheint mir dies dennoch wichtig und es hätte zu Booth Charakter gepasst, wenn er sich in diesem Fall um seine Familie gesorgt hätte, sieht es doch so aus, als würde ein Mörder ihre Adresse kennen und vielleicht sogar irgendein krankes Spiel mit Brennan treiben. So kurz nach der Sache mit Pelant, hätte ich diesem Detail doch vielleicht etwas mehr Beachtung geschenkt.

Der Fall als solches wurde geschickt in die Geschehnisse um ihn herum integriert. So wurde schlussendlich der Fokus gar nicht so sehr auf den Tod der jungen Seglerin gelegt, sondern eher auf Hodgins Verbindung zu den McNamaras und natürlich auf den Ghost Killer, der zum Schluss noch viel präsenter ist, als am Anfang der Folge, da Brennan denkt, dass er sowohl für den Tod von Lana Brewster, die sogar das erste Opfer des Ghost Killers gewesen sein soll, als auch für denjenigen von Ted McNamara verantwortlich ist. So wird für einmal ein Fall bei "Bones" der eigentlich ganz normal begonnen hat, am Schluss der Folge nicht wirklich aufgelöst. Offiziell heißt es zwar, dass Ted McNamara, der eine Beziehung zu Lana geführt hat, der Mörder ist, doch erhält dieses Ergebnis einen fahlen Beigeschmack, wenn man Brennans Ausführungen hört und da es sich bei Pelant zwar um einen Serienmörder und Psychopathen gehandelt hat, war es doch so, dass er bei seinen Opfern irgendwelche Hinweise hinterlassen hat, die Brennan auf die Lösung gebracht haben. So kann man ihm hier definitiv glauben schenken, dass eine Mörderin über Jahre ihr Unwesen getrieben hat, ohne dass jemand die Verbindung bei den Opfern feststellen konnte. Niemand außer Pelant und so hat er, trotz seines Todes, in gewisser Weise im Konkurrenzkampf mit Brennan gewonnen. Spekulationen um wen es sich bei dem Ghost Killer handelt, möchte ich lieber nicht allzu viele anstellen, denn ich bin mir sicher, dass die Autoren hier eine gehörige Überraschung für uns Zuschauer auf Lager haben. Ich kann nur so viel sagen, dass es momentan so aussieht, als wären die McNamaras in diesen Fall vermittelt, schließlich gab es gleich zwei Morde, welche mit dem Ghost Killer und den McNamaras in Verbindung stehen.

"It's Pelant Booth" – "Again?" – "He had the evidence, all the bones, then I was buried." – "It was a dream" – "He was laughin at me Booth, he said I would never find the Ghost Killer without him."

Christopher Pelant gehörte für mich schon vor dieser Episode zu einer der besten episoden- und staffelübergreifenden Handlungssträng in "Bones" und wenn ich sehe, was er sogar nach seinem Tod noch anrichten kann, wage ich nun sogar zu behaupten, dass es sich hier um die beste Storyline der ganzen bisherigen Serie handelt. Denn niemand hat es bisher geschafft, dass Brennan so stark anfängt an sich zu zweifeln, ihre Arbeit hinterfragt und dabei fast in den Wahnsinn getrieben wird. So träumt sie noch Wochen nach Pelants Tod von ihm und seiner Behauptung, dass ein Serienkiller frei herumläuft und Brennan es bisher nicht geschafft hat, diese Frau zu schnappen. Auch Pelant wusste nicht, wer der Serienkiller ist oder hat es wenigstens nicht verraten, aber alleine die Tatsache, dass er überhaupt wusste, dass es eine Verbindung zwischen menschlichen Überresten gibt, die Brennan nicht entdeckt hat, beschäftigt Brennan. Einerseits fühlt sie sich nämlich in ihrem Ego gekränkt, hat sie sich doch bis jetzt in ihrer Arbeit immer als unschlagbar gefühlt und bezeichnet und andererseits, was noch viel wichtiger ist, macht sie sich Vorwürfe, dass sie die Zusammenhänge nicht entdeckt hat und somit wegen ihr ein Mörder weiter sein Unwesen treibt und noch mehr Menschen umbringen kann.

Und genau diese Tatsache treibt Brennan schier in den Wahnsinn und führt dazu, dass sie bei der Untersuchung der Ghost Killer Opfer nicht mehr sie selber ist, denn sie verstößt eigentlich gegen alles, was sie ihren Mitmenschen und ihren Assistenten immer predigt, nämlich dass man nicht einfach urteilen soll, wenn es keine Beweise dafür gibt. Ihr Unverständnis gegenüber den anderen Teammitgliedern, Cam oder sogar Booth, die ihr einfach aufgrund mangelnder Beweise, nicht wirklich glauben können, dass dieser Ghost Killer existiert, ist absolut untypisch für Brennan. Denn normalerweise wäre sie in der Situation, dass sie den anderen nicht glauben würde, wenn sie ihr nur so mangelhafte Beweise vorlegen könnten. Und genau dieses völlig atypische Verhalten zeigt, wie stark sie dieser Fall beschäftigt, wie stark sie immer noch die ganze Pelant Sache beschäftigt und es zeigt vor allem auch, dass Brennan auch nur ein ganz normaler Mensch ist, der in gewissen Situationen völlig von Gefühlen gelenkt wird und nichts dagegen tun kann. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob Brennan selber schon zu dieser Erkenntnis gelangt ist, aber mir hat es sehr gut gefallen, dass dies in der gesamten Folge, vor allem aber in der Anfangsszene so schön umgesetzt und gezeigt wurde. Ob nun Brennan recht hat und diese Opfer wirklich alle von dem Ghost Killer umgebracht wurden, spielt hier gar keine Rolle, denn die Verletzlichkeit, welche sie aufgrund Pelant empfindet sowie die Tatsache, dass man nicht jede Ahnung rational beweisen kann, wird Brennan sicher in Erinnerung bleiben und ihr Charakter wird an dieser Erfahrung wieder ein Stück wachsen und sich weiterentwickeln.

Positiv aufgefallen ist mir in der Folge auch Booth, der zwar an der Theorie um den Ghost Killer zweifelt, jedoch seine Ehefrau trotzdem so gut wie möglich unterstützt. So nutzt er seine Beziehung zu Cam aus und bittet diese Brennan wenn nur irgendwie möglich an der Sache mit dem Ghost Killer weiterarbeiten zu lassen und er versucht Brennan klar zu machen, dass sie nicht an den Fall herangehen soll, wie Pelant es tun würde, sondern wie sie es tut. Dass sie Pelant vergessen soll und die Knochen noch einmal unvoreingenommen untersuchen muss. Und zum Schluss unterstützt er sie nicht nur psychisch sondern auch als Partner, indem er ihr zusichert, dass sie gemeinsam diese Frau finden werden, die laut Pelant und Brennan schon viele Menschen umgebracht hat. So war dies zwar keine Folge, die Brennan und Booth in vielen gemeinsamen Szenen gezeigt hat, aber kleine Bemerkungen und Gesten von beiden zeigen immer wieder wie sehr sie sich vertrauen und wie sehr ihre Beziehung auch an den Geschehnissen mit Pelant gewachsen ist.

"I don't need another forensic anthropologist, what I need is an intern." – "Non of them were available and you need help Dr. Brennan." – "So Boss me around, I'm ready."

Was für eine wunderschöne Szene zwischen Brennan und Clark, darauf habe ich schon eine Ewigkeit gewartet, dass Brennan Clark endlich einmal etwas Respekt erweist. Denn eigentlich habe ich nie ganz verstanden, was sie gegen ihn hat, schließlich hat er sich immer sehr professionell verhalten, wollte so wenig wie möglich mit den privaten Angelegenheiten der anderen zu tun haben und sich vollkommen der Arbeit widmen. Dieses Verhalten sollte bei Brennan doch positiv auffallen. Doch irgendwie war bei den Beiden immer der Wurm drin, was vielleicht auch daran lag, dass Clark eine Weile lang Brennans Job übernommen hat, als diese sich wegen Pelant auf der Flucht befunden hat. Nun ist es ausgerechnet er, der von Cam mit den Ghost Killer Fällen beauftragt wird und so entweder Brennan den Rücken stärken kann oder dafür verantwortlich ist, dass die Fälle nicht mehr weiterverfolgt werden. So stößt er Brennan zwar im ersten Moment mit genau dieser Information vor den Kopf, gibt ihr aber eigentlich den genau gleichen Ratschlag wie auch Booth, dass sie sich das was sie den anderen über Jahre hinweg gepredigt hat, sich jetzt selber zu Herzen nehmen soll, nämlich dass keine Vermutungen, sondern nur Fakten, nur Beweise zählen und diese auch stichfest sein müssen.

Und auch wenn Brennan das Wort Entschuldigung für ihren Ausbruch Clark gegenüber nicht über die Lippen bringt, so ist das Gespräch zwischen den beiden meiner Ansicht nach einer Entschuldigung gleichgestellt. Denn Brennan sagt Clark nicht nur, was für eine gute Arbeit er macht, sondern sie nimmt auch noch Anteil an seiner Trennung, die für ihn immer noch sehr schmerzhaft ist. Mehr noch, sie gibt sogar zu, dass sie nachempfinden kann, wie er fühlt und bietet ihm an, sie von jetzt an Temperance zu nennen. Was für eine Ehre. Die Szene war sowohl von Emily Deschanel wie auch von Eugene Byrd wahnsinnig gefühlvoll gespielt und das Gespräch hat mich dadurch zu Tränen gerührt, vielleicht auch gerade weil solche Szenen zwischen Brennan und ihren (ehemaligen) Assistenten so selten sind.

"As long as a person has enough, they don't need more and I got more than enough"

Ein besonderes Higlight der Episode war natürlich auch, dass endlich wieder einmal ein anderer Hauptcharakter etwas in den Fokus gerückt wurde. Dieses Mal durfte Hodgins diesen Part übernehmen, was mich besonders gefreut hat, da ich finde, dass er viel zu wenig Screentime und eigene Handlungen innerhalb der Storyline erhält. Dass sein Handlungsstrang nicht in Zusammenhang mit Angela stand, hat mich noch mehr gefreut, da diese in meiner Gunst immer noch recht weit unten steht, auch wenn sie sich in letzter Zeit nichts allzu Schlimmes mehr geleistet hat. Doch irgendwie kam Hodgins in dieser Folge nicht ganz so auf Touren. Es gab zwar einige gute Szenen mit ihm, wie beispielsweise diejenige als er nach der ersten Befragung Trent McNamara erneut besucht und sich ihm versucht auf privater Ebene und nicht als Ermittler zu nähern. Dort wurde einem wieder einmal ins Gedächtnis gerufen, wie reich aber auch wohlbehütet und liebevoll Hodgins aufgewachsen ist, was sicher in diesen Kreisen nicht unbedingt eine Selbstverständlichkeit ist. Weiter hat mir auch sehr gut gefallen, dass endlich einmal erwähnt wurde, dass Hodgins ja noch vor nicht mal einem Jahr ein enormes Vermögen besessen und dieses wegen Pelant verloren hat. Bis jetzt wurde nie wirklich thematisiert wie sich Hodgins dabei fühlt und wie es ihm und Angela, jetzt da sie finanziell nicht mehr so gut dasteht, geht. In dieser Folge kommt wenigstens ein kurzes Gespräch zwischen Hodgins und Sweets zustande, in dem Hodgins erwähnt, dass er mit seiner Frau, seinem Kind und seinen Freunden eigentlich ein reicher Mann ist und es ihm deswegen gar nicht besonders schwergefallen ist, auf das Geld zu verzichten. Eigentlich habe ich von Hodgins nichts anderes erwartet, trotzdem denke ich, dass ihm der Verlust des ganzen Reichtums auch schwergefallen ist, da dieser ja von seiner Familie stammt und seine Vorfahren diesen aufgebaut haben. Hier geht es nicht unbedingt um den materiellen sondern um den sentimentalen Wert und dieser wurde leider bis heute noch nicht erwähnt.

Und auch sonst habe ich den sonst sofort an Verschwörungen denkende, immer für ein Experiment zu habende Hodgins vermisst. Klar war die Verwicklung seiner alten Freunde in einen Mordfall und der anschließende Tod von Trent ein Schock für Hodgins. Doch da die Freundschaft schon früher nicht sehr eng gewesen ist und Hodgins schon andere Krisen gemeistert hat, wäre wenigstens ein witziges Experiment durchaus wünschenswert gewesen. Und sind wir mal ehrlich der Fall eines Ghost Killers ist doch wie gemacht für irgendwelche Spekulationen und Verschwörungen. Auch das hätte man sicherlich nicht zum Oberthema der Folge machen müssen, aber wenigstes eine Bemerkung oder ein Seitenhieb gegen Brennan hätte ich von Hodgins erwartet. Trotz dieser kleinen Kritik hat es mir aber, wie schon erwähnt, gut gefallen, dass man Hodgins in den Handlungsstrang einbezogen hat und ich hoffe, dass dies auch weiter der Fall sein wird, denn ich gehe stark davon aus, dass wir dem Namen McNamara noch einmal begegnen werden.

Randbemerkungen und persönliche Eindrücke

  • Booth kleiner Ausraster gegenüber Sweets, als die beiden über Pelant und Brennans Träume sprechen, zeigt dass Booth noch nicht wirklich über den ganzen Fall hinweg ist und ihn sicherlich auch die Ermordung Pelants noch beschäftigt. Denn wie Booth in der Serie schon mehrfach betont hat, ist die Ermordung eines Menschen, egal ob gut oder böse, immer etwas schlimmes und nicht einfach zu verarbeiten. Schön, dass man dieses kleine Element hier eingebaut hat.
  • Gut fand ich auch, dass man dem Zuschauer wieder einmal bewusst gemacht hat, dass Cam die Chefin des Jeffersonian Instituts ist und so war es auch richtig, dass sie ihre Entscheidung im Fall Ghost Killer gar nicht groß vor Brennan rechtfertigt, sondern ihr einfach klarmacht, dass sie zu entscheiden hat und Brennan sich nun einmal daran halten muss.



Fazit

Die Folge hatte unglaublich viele hervorragende Elemente, schon alleine, dass man den toten Christopher Pelant noch einmal eingebaut hat und er immer noch fähig ist, Brennan fast in den Wahnsinn zu treiben. Auch die Interaktion zwischen Brennan und Clark war wahnsinnig toll und emotional, genauso wie Booth, der obwohl Brennans Verhalten so gar nicht zu ihr passt, zu ihr steht und versucht sie in allen Belangen zu unterstützen. Negativ war einzig das nicht ganz ausgenutzte Potential von Hodgins, der endlich einmal etwas tiefer in eine Storyline verwickelt war, dort aber seinem Charakter nicht wirklich gerecht werden konnte.

Maria Schoch - myFanbase

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