Bewertung: 8

Review: #9.11 Die Fetzen nach dem Funken

Foto: John Francis Daley, Bones - Copyright: 2013 Fox Broadcasting Co.; Jeff Lipsky/FOX
John Francis Daley, Bones
© 2013 Fox Broadcasting Co.; Jeff Lipsky/FOX

Der Fall führt Brennan und Booth in die Welt der Mathematik und sie treffen auf den Vater des Opfers, mit welchem Brennan aufgrund von Gemeinsamkeiten eine Verbindung aufbauen kann, was zu Spannungen zwischen Booth und ihr führt. Derweil muss sich eine wütende Cam entscheiden, wie sie sich gegenüber der Frau, welche ihre Identität gestohlen hat, verhalten soll.

"...and essentially she did explode. This will be the first recorded case of remains being struck by lightning."

Der Fall war gleichzeitig spannend, herzzerreißend und interessant und konnte mich aus diesen Gründen wieder einmal voll begeistern. Der Tod eines jungen Menschen ist immer schlimm und stellt sicherlich auch die Ermittler vor schwierige Aufgaben, vor allem natürlich diejenige den Eltern mitzuteilen, was mit ihrem Kind passiert ist. Hier gestaltet sich die Lage vorerst etwas anders, da die ersten Anzeichen bei der Untersuchung darauf schließen, dass die junge Frau, Amanda, über längere Zeit misshandelt wurde, was natürlich sofort den Verdacht aufkommen lässt, dass sie von einem Elternteil geschlagen worden ist. Booth und Brennan besuchen daraufhin den Vater von Amanda und müssen feststellen, dass dieser zwar von der Nachricht vom Tod seiner Tochter mitgenommen ist, sich aber trotzdem fast nicht von seiner Arbeit, einer mathematischen Formel an der Tafel, abwenden kann. Booth ist darüber mehr als geschockt und seine Verdächtigungen gegenüber dem Vater verhärten sich. Brennan hingegen sieht Parallelen ihres Charakters zu demjenigen von Professor Watters und verteidigt ihn gegenüber Booth vehement, doch dazu später mehr.

Trotz Brennans Unschuldsvermutung bleibt der Vater von Amanda, Professor Watters, doch über einen längeren Zeitpunkt als Verdächtiger bestehen und auch wenn der Zuschauer sich eigentlich relativ schnell in dieser Sache auf Brennans Seite schlägt, streuen doch kleine Vorfälle immer wieder Zweifel und man fragt sich, ob der Professor vielleicht doch nicht so unschuldig und zerstreut ist, wie er tut. Dies ist auch der Punkt, welcher mir an dem Fall besonders gut gefallen hat. Man hat dieses Mal nicht eine Vielzahl von Verdächtigen vorgeführt, welche alle bei Booth und Sweets zum Verhör antraben mussten, sondern hat sich vor allem auf den Vater und später dann auf die Freundin von Amanda konzentriert. Ansonsten stand für einmal Brennans Verhalten zu ihrer Arbeit und der damit vorhandene spezielle Charakterzug, welcher Parallelen zu demjenigen des Verdächtigen aufwies, im Mittelpunkt, was dem Fall zwar etwas aus dem Fokus gerückt, ihn deswegen aber nicht uninteressanter gemacht hat, da die Beziehung Vater/Tochter beziehungsweise Verdächtiger/Opfer sehr gefühlvoll dargestellt wurde und mir am Schluss eigentlich egal war, wer sich als Täter herausstellt, so lange es sich dabei nicht um den Vater handelt.

"Her life in movement, this is the most beautiful thing I have ever seen." – "Thank you." – "Better than any speech or photograph, this is absolutely perfectly beautiful." – "She was beautiful."

Es passiert mir sozusagen nie, dass ich bei einer Serie wie "Bones" anfange zu weinen, wenn nicht einer der Charaktere, den ich nun schon seit einiger Zeit kenne, dessen Entwicklung ich mitverfolgt habe, mit dem ich gelacht und mitgefühlt habe, dafür verantwortlich ist. Doch in dieser Episode ist mir genau das passiert, was zeigt wie unglaublich gut, der Handlungsstrang um Dr. Watters geschrieben war. Und zwar war es die letzte Szene die mich zu Tränen gerührt hat. Dr. Watters hat seine Leidenschaft für seine Arbeit mit der Trauer um seine verstorbene Tochter verbunden und ihr einen Lebenslauf in Zahlen gewidmet. Dies rührt nicht nur den Zuschauer, sondern sogar Brennan, die nicht wirklich oft in solchen Situationen Gefühle zulässt.

Das ganz große Plus dieser Episode ist meines Erachtens das Zusammenspiel zwischen Brennan und Professor Watters. So darf man bereits vom ersten Treffen der Beiden an beobachten, wie sich Brennan richtiggehend in den Professor hineinversetzen kann und ihn vor Booth auch vehement in seinen Reaktionen verteidigt. Die Szenen welche jedoch nur Brennan und Watter bestritten werden, sind diejenigen, welche mich am meisten beeindruckt haben. Selten kommt es vor, dass Brennan sich so einfühlsam und besorgt einem Menschen gegenüber verhält, vor allem einem den sie nicht näher kennt oder mit dem sie noch nie zu tun hatte. Doch in Professor Watters sieht Brennan sofort sich selber wieder und erkennt in seinen Handlungen ihre eigenen. So merkt sie, ohne dass er es ausgesprochen oder angetönt hat, dass er mit dem Gedanken des Selbstmordes spielt und findet hier die richtigen Worte, ihn davon abzuhalten und ihn sogar wieder zu motivieren seiner Arbeit nachzugehen.

"What about her?" – "You really think I care, if she sits there for awhile? I don't. Do you? Let's go"

Auch der Handlungsstrang um Cams Identitätsdiebstahl konnte gut weitergeführt und zu einem Ende gebracht werden. Schön, dass man ihn nicht einfach mit dem Finden und der Verhaftung der Täterin, Haley, beendet hat, sondern sich die Mühe gemacht hat, Cams Gefühle ihrer früheren Bekannten gegenüber zu thematisieren. Die Wut die Cam spürt, ist in meinen Augen völlig nachvollziehbar. Man muss sich nur einmal vorstellen, was Haley bei ihr alles angerichtet hat. Neben dem finanziellen Schaden, den Cam, wie sie Haley klarzumachen versucht, nicht einfach so leicht wegstecken kann, ist sie auch von einem schweren Imageschaden betroffen. Dass die Person, welche ihr das angetan hat, eine alte Bekannte ist, macht die Sache sicherlich noch schwieriger und ist im Vergleich zu einem fremden Täter begleitet durch Vertrauensverlust sowie das ungute Gefühl vorsätzlich ausgewählt und angegriffen worden zu sein. All diese Gefühle haben sich in Cam aufgestaut und entleeren sich durch die schallende Ohrfeige, welche sie Haley verdientermaßen verpasst. Ich fand gerade diese Szene hervorragend, da man hier wirklich sehr gut sieht, wie Cam, die sich sonst eigentlich immer zu beherrschen weiß, unter der Situation leidet und wie wütend und verletzt sie ist, dass gerade jemand, den sie kennt, ihr das angetan hat.

Obwohl es jetzt schon eine Weile her ist, dass Cam und Arastoo ein Paar sind, werde ich irgendwie nicht so warm mit den beiden, was vielleicht auch daran liegt, dass ich von all den Assistenten mit Arastoo am wenigsten anfangen kann, obwohl er es inzwischen doch schon das ein oder andere Mal geschafft hat, mich zu begeistern. Auch in dieser Folge gefiel mir seine ruhige Art, in der er versucht Cam zu überzeugen, ihre Wut abzulegen und mit Haley und dem Identitätsdiebstahl abzuschließen, sehr gut. Auch der kleine Einblick in seine Vergangenheit, die zweifelsohne schrecklich war, fand ich gut platziert und gibt wieder etwas mehr Aufschluss über den Charakter von Arastoo, der immer sehr beherrscht, ruhig und freundlich wirkt. Und genau dieser Charakterzug wird hervorgehoben, als er auf Cams kleinen Ausbruch ihm gegenüber kaum reagiert, ihr Zeit gibt und wartet bis sie eine Entscheidung trifft. Denn Arastoo konnte ihr in dieser Situation nur mit einem guten Rat zur Seite stehen, entscheiden musste Cam selber, denn sonst hätte das Rachegefühl wohl kaum nachgelassen, sondern würde immer noch in ihr schlummern.

"What am I do, if I am upset?" – "You bury yourself in your work." – If I lost Christine and you within a year of each other, the only way if I would survive is to do my work."

Es ist wirklich schön zu beobachten, dass Brennan und Booth nach so langer Zeit der Zusammenarbeit und als Paar immer noch über solche Dinge "streiten" können. Denn genau diese Meinungsverschiedenheiten, die verschiedenen Standpunkte und ihre verschiedenen Charaktereigenschaften machen die Beziehung der beiden lebendig und alles andere als langweilig. Witzigerweise sind für den Zuschauer meistens beide Standpunkte nachvollziehbar. So ist es hier klar, dass ein emotionaler Familienmensch wie Booth, absolut nicht verstehen kann, wie jemand bei der Nachricht über den Tod seines eigene Kindes fast gleichgültig reagieren kann und so macht sich Watters mit diesem Verhalten für Booth nur noch verdächtiger. Auch kann ich natürlich verstehen, dass Booth es nicht so toll findet, dass Brennan während des Verhöres Partei für den Verdächtigen ergreift, denn so untergräbt sie seine Position und kritisiert in gewisser Weise natürlich auch seine Arbeit.

Doch auch Brennans Seite wurde sehr nachvollziehbar dargestellt. Sie kann Watters Reaktion nachvollziehen, da auch sie in solch einem Augenblick in ihre Arbeit flüchten würde, um dort wenigstens ein bisschen Trost zu finden und sich an das einzige zu klammern, was übrig geblieben ist. Und genauso versucht sie Booth Watters Reaktion klarzumachen, nicht indem sie es ihm lange erklärt, sondern indem sie die Vergleiche zu ihren eigenen Situationen zieht. Schön ist dann auch, dass Booth zu Letzt einsieht, dass er sich Watters gegenüber unfair verhalten hat und sich dafür bei Brennan entschuldigt und sie dazu ermutigt, den Professor einen Besuch abzustatten, um sich nach seinem Befinden zu erkundigen.

Fazit

Ein wirklich spannender Fall und eine hervorragende Brennan, die für einmal mitfühlend, emotional und besorgt einem Verdächtigen gegenüber reagiert, in den sie sich völlig hineinversetzen kann. Diese verständnisvolle Reaktion bricht einen kleinen Streit mit Booth vom Zaun, der wieder einmal die Fähigkeit der Autoren unter Beweis stellt, die Beziehung von Brennan und Booth auch noch nach Jahren spannend, witzig und interessant zu gestalten. Und auch der Handlungsstrang um Cam und ihre gestohlene Identität konnte punkten, indem man ihn auch nachdem man die Täterin gefasst hat, weiterverfolgt und hier Cams Gefühle in den Mittelpunkt stellt.

Maria Schoch - myFanbase

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