Bewertung: 7

Review: #1.05 Schäferbub

Foto: Bob Odenkirk & Carol Herman, Better Call Saul - Copyright: Ursula Coyote for Netflix, Inc.
Bob Odenkirk & Carol Herman, Better Call Saul
© Ursula Coyote for Netflix, Inc.

Das "Breaking Bad"-Spin-Off "Better Call Saul" wurde zunächst in der frühen Planung als halbstündige Comedyserie konzipiert, bevor man dann doch auch auf das Dramaformat umschwenkte. Die Wurzeln dieser Comedyserie sind in der fünften Folge der Serie, #1.05 Schäferbub, aber noch deutlich zu spüren denn die eine Hälfte der Episode ist fast eine durchgängige Witzparade. Man kann die Drehbuchautoren, Regisseure und vor allem die Ausstatter hinter den Kulissen ein zahlreichen Szenen geradezu durch den Bildschirm schmunzeln hören. Ob das bei Jimmys abstruser Tour von einem Klienten zum anderen ist. Oder auch bei seiner späteren "Matlock"-Recherche, um die Senioren des Altenheims, die er als neue Klienten gewinnen will, zu beeindrucken.

Besonders die drei Beispiele der potentiellen Kundschaft Jimmys in der ersten Folgenhälfte übertreffen sich nacheinander an Absurdität und Komik. Dabei achtet man, wie man das von dem erfahrenen Team das verantwortlich ist für "Better Call Saul", auch optisch auf jedes Detail und setzt damit die bevorstehenden Pointen gekonnt in Szene. Ob es der durchgeknallte Milliardär Big Ricky Sipes ist, oder der Familienvater mit der sexuell anzüglichen Toilette. Ich habe ich mich hier jedenfalls köstlich amüsiert, und als dann Jimmy auf die langsame ältere Dame gewartet hat, war mein Humorzentrum bereits derart angesprochen, dass ich eigentlich die ganze Zeit nur kichern musste. In der Episode mit Mrs. Strauss und ihren Hummel-Figuren hat man aber auch wieder einmal deutlich gesehen, was für ein guter Anwalt Jimmy ist. Er hat der älteren Dame zugehört, ihre komplizierte Aufteilung ihres Hummel-Nachlasses sehr ernst genommen und sich damit wieder einmal als äußerst fähig erwiesen. Er mag sich die Gelegenheit für diesen Erfolg vielleicht nicht nur mit ehrlichen Mitteln ermöglicht haben, wenn es darauf ankommt, verdankt er ihn aber doch seiner guten Arbeit und seinem ehrlichen Umgang mit den Menschen.

Das wird noch einmal fortgesetzt, als wir ihn mit Kim über die Möglichkeit sprechen sehen, sich ernsthaft auf die Arbeit mit Senioren zu konzentrieren. Kim als Person beeindruckt mich schon die ganze Zeit, sie hat eine wunderbar ruhige und sachliche Art, der man aber immer anmerkt, dass ihr die Dinge alles andere als egal sind. Ich mag ihre Beziehung zu Jimmy sehr und bin froh, dass sie hier an dessen Seite war, als wir uns dem Dilemma rund um Chuck gewidmet haben. Denn die komischen Aspekte der Folge wurden von Chucks Einweisung ins Krankenhaus jäh unterbrochen.

Trotz dass diese Folge vor allem durch Humor geprägt war, gab es doch einige Szenen, die einem ziemlich an die Nieren gingen. Besonders als Chuck zu Beginn von den beiden Polizisten mit dem Elektroschocker angegriffen wurden, ging es mir durch Mark und Bein. Auch wenn mir durchaus klar war, dass Chucks Symptome nur psychosomatisch sind (was wir hier durch Dr. Cruz ja auch bestätigt bekommen), habe ich dennoch sehr mit ihm mitgefühlt. Denn für ihn sind die Ausprägungen seiner Allergie real und durch die Beschreibung seiner Krankheit aus seinem Mund an Dr. Cruz erfahren wir hier auch noch deutlicher, welche Ausprägung diese für ihn angenommen haben. Jimmy steckt nun in dem Dilemma, zu entscheiden ob er Chuck einweisen lassen will, und die Argumente der Ärztin für ein solches Vorgehen sind durchaus stichhaltig. Auch an Kims Reaktion merkt man, dass sie sich ebenfalls nicht sicher ist, ob dies nicht vielleicht sogar besser wäre. Aber Jimmy will davon nichts wissen, auch wenn er Howard kurz damit droht.

Als Jimmy Chuck dann wieder nach Hause bringt, dringt er zum Kern des Problems vor. Er glaubt nämlich, dass seine Werbeaktion, über die in der Zeitung berichtet wurde, Chucks Krankheitsepisode hervorgerufen hat und versucht seinem Bruder klarzumachen, dass er nicht wieder in alte Slippin'-Jimmy-Verhaltensmuster verfällt. Wir als Zuschauer haben gesehen, dass Jimmy sich zwar immer wieder einmal am Rande der Legalität bewegt, dass er sich aber unendliche Mühe gibt, eben immer auf der richtigen Seite zu bleiben. Denn das Urteil seines hochintelligenten Bruders, der aber mittlerweile komplett auf ihn angewiesen ist, bedeutet ihm sehr viel.

Am Ende dieser Folge bekommen wir zudem noch einen kleinen Einblick auf das Leben von Mike, der bisher ja stark im Hintergrund gehalten wurde. So wie ich die Bildsprache deute, können wir uns dabei wohl auf noch viel mehr Mike in der nächsten Episode freuen.

Cindy Scholz - myFanbase

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