Bewertung: 5

Review: #9.13 Audrey

Foto: Annabeth Gish & Robert Patrick, Akte X - Copyright: 2001 Fox Broadcasting; FOX
Annabeth Gish & Robert Patrick, Akte X
© 2001 Fox Broadcasting; FOX

Die Episode #9.13 Audrey von "Akte X - Die unheimlichen Fälle des FBI" liefert alles, was es für eine dramatisch-emotionale Folge braucht. Dabei steht die Beziehung zwischen Doggett und Reyes im Vordergrund. Doch klappt Drama in einer Mystery-Serie wie "Akte X"?

Audrey Pauley

Der Faktor X der Episode ist an sich natürlich nicht neu, wird aber dennoch spannend und interessant inszeniert. Dabei halten sich die "Akte X"-Macher an die Basics, die es für eine Figur wie die der Audrey Pauley braucht. Audrey ist nämlich sehr empathisch, introvertiert und völlig ohne Selbstwertgefühl ausgestattet. Diese Menschen haben nicht nur ein gesteigertes Potential für den 6. Sinn oder besondere Wahrnehmungen, sondern wirken über dies hinaus sehr sympathisch in ihrer Rolle als Außenseiter. Manchmal bekommt man als Zuschauer dann sogar etwas Mitleid mit dem Außenseiter, so wie auch in dieser Episode.

Dass Audrey eher asketisch und einsam lebt, dient gleichzeitig als Fundament dafür, dass sie sich in eine Fantasiewelt flüchtet, in der es ihr gut zu gehen scheint. Dass sie dabei eine Art Parallelwelt kreiert, in der sich die Seelen derer aufhalten, die sich in einem Schwebezustand zwischen dem Leben und dem Tod befinden, ist für eine Mysteryserie fast schon folgerichtig. Und wie so oft darf die Außenseiterin dann die Welt retten, nur um dann zum Schluss doch zu sterben. Insgesamt wird die Figur der Audrey Pauley authentisch und nachvollziehbar dargestellt, auch wenn an der ein oder anderen Stelle etwas mehr Selbstvertrauen und etwas weniger Ängstlichkeit angebracht gewesen wäre. So kommt man nicht umhin, immer mal wieder mit den Augen zu rollen, wenn man die Hin- und Hergerissenheit Audreys verfolgt.

Doggett und Reyes

A propos Hin- und Hergerissenheit: "Akte X" macht im zwischenmenschlichen Bereich so ziemlich alles falsch. Das ist vor allem deshalb sehr ärgerlich, weil man die Chance vertan hat wirklich tolles Potential noch nicht mal nur im Ansatz auszuschöpfen. Bei Mulder und Scully war es ja schon anstrengend, wenn es darum ging, ob die beiden nur Freundschaft und Loyalität oder gar eine romantisch-sexuelle Beziehung verbindet. Im Laufe der Zeit konnte man sich damit arrangieren, dass zwischen den beiden ein gesunder Schwebezustand herrschte, der insbesondere Mulder-Scully-Shipper zur Verzweiflung bringen konnte. Nach sieben Staffeln schaffte man es dann endlich die beiden glaubhaft als Familie und als mehr als nur Kollegen zu inszenieren. Der Weg dahin war allerdings mehr als steinig und was im Mystery-Bereich und im Hinblick auf den roten Faden ganz wunderbar funktioniert - nämlich das Nebulöse und das Nicht-Festlegen - funktioniert nun mal im zwischenmenschlichen Bereich gar nicht. Weder im echten Leben, noch innerhalb einer Serien-Dramaturgie.

Die Macher von "Akte X" hätten demnach aus der Mulder-Scully-Storyline lernen können; taten es aber nicht. Denn das, was sich zwischen Doggett und Reyes abspielt, ist einfach nur lächerlicher Kindergarten. Es gab schon öfter sexuelle Spannungen zwischen den beiden, z.B. in der Folge #9.05 4-D, weshalb klar war, dass es irgendwann entweder auf reine Kollegialität oder eben auf mehr hinauslaufen musste. Während ich die Szenen zwischen Doggett und Reyes im Auto noch irgendwie nachvollziehen kann, weil Doggett Angst hat den nächsten Schritt zu gehen, so verstehe ich den weiteren Verlauf der Folge dann nicht mehr. Immerhin zieht sich Reyes im Sinne der "Frauensprache" regelrecht vor ihm aus und legt sich Doggett nackt vor die Füße, doch dessen überkorrekte Art macht alles zu Nichte. Doch er bekommt eine zweite Chance. Diese scheint er dann zu nutzen, indem er Reyes mittels Audrey ausrichten lässt, dass er sie liebt und sich in seinen Gedanken auch vorstellt, wie es gewesen wäre, wenn sich beide im Auto geküsst hätten. Reyes hingegen erwidert Doggetts Gedanken dahingehend. Es ist also alles angerichtet für das Traumpaar des Jahres. Doch dann - in der Realität - geht Reyes doch wieder ungeküsst in ihre Wohnung, während Doggett einfach nicht zu wissen oder sich zu trauen scheint den nächsten Schritt zu gehen. Sorry, aber da bin ich raus! Hätte es ein Happy End gegeben, nicht, damit es ein Happy End gibt, sondern weil es einfach nur logisch gewesen wäre, dann würde ich die Episode sehr hoch bewerten. So bleibt der Folge lediglich das Potential eine gelungene Episode hätte werden zu können. Frei nach dem Motto: Auf den Mond gezielt und im Schlamm gelandet.

Insider & Hintergründe

  • Tracey Ellis (Audrey Pauley) spielt schon zum zweiten Mal eine Gastrolle in "Akte X". Das erste Mal spielte sie Lucy Householder in der Episode #3.08 Parallele.
  • Die Folge stellte ein Jubiläum für Regisseur Kim Manners dar. Es war seine 50. Regie-arbeit in "Akte X".
  • Monica Reyes' Eltern leben also in Mexiko City. Somit erhalten wir einen weiteren kleinen Einblick in Monicas Charakterprofil.



Fazit

Die Episode #9.13 Audrey von "Akte X - Die unheimlichen Fälle des FBI" liefert alles, was es für eine dramatisch-emotionale Folge braucht. Leider wird das Potential der Folge nicht ausgeschöpft und Doggett/Reyes gehen jeweils alleine nach Hause.

Alexander L. - myFanbase

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