Bewertung

Review: #13.19 Going Back

Nachdem diese Staffel 13 eine wirklich seltsame war, wenn es um Adam Ruzek und Kim Burgess geht, so bin ich doch froh, dass wir jetzt noch etwas angehen, was einen würdigen Abschluss verdient hat: Die Alzheimer-Erkrankung von Bob Ruzek.

Da Patrick John Flueger eine persönliche Auszeit nehmen musste, wurde es im Writers' Room so gehandhabt, dass seine Figur Adam sehr bei der Pflege seines Vaters eingebunden war. Damit war die Erkrankung von Bob unterschwellig in Staffel 13 dabei, ohne aber so herausstechende Episoden wie in Staffel 12 zu bekommen. Auch wenn Alzheimer mit seinen vielen hässlichen Gesichtern Betroffene und Familien wirklich lange begleiten kann, so finde ich es doch richtig, dass man nun einen Endpunkt gefunden hat. Man weiß nie, wie sich das Seriengeschäft entwickelt, man weiß nie, warum wann wer aussteigen will oder muss und man weiß auch sonst nicht, was das Schicksal alles für einen bereit halten kann. Daher lieber den Schlusspunkt finden und es auf dem Niveau der tollen Episoden aus Staffel 12 gestalten und das ist hier eindeutig gelungen. Schon da hatten sich Flueger und Jack Coleman echt ideal ergänzt, weil sie die Tragik dieser Erkrankung mit einer Ernsthaftigkeit und Verletzlichkeit angegangen sind, die einen nur berühren konnte. Gerade bei Flueger, der uns so lange schon als Schauspieler begleitet hat, war es definitiv mit das beste Schauspiel auf emotionaler Ebene, was er angeboten hat.

Das Drehbuch für diese Episode ist gleich von drei Beteiligten angefertigt worden: Gavin Harris, D. Dona Le (erstmals für "Chicago P.D." tätig) und Matthew Browne. Das ist schon eher ungewöhnlich, aber ich hatte schon in Staffel 12 oft den Eindruck, dass an den Drehbüchern mit viel persönlicher Erfahrung gearbeitet wurde, was auch hier das Trio erklären könnte. Ich finde aber auch, dass die Episode in dem Sinne von vielem Input profitiert hat, weil sie auf vielen Ebenen ein kleines Kunstwerk darstellte. Das dominante wiederkehrende Motiv sind dabei die kaskadenähnlich eingeworfenen Sequenzen der VHS-Kassetten. Sie tauchen über die ganze Folge verteilt auf und haben dabei in meinem Empfinden gleich mehrere Aussagen in sich. Zum einen steht diese schnelle Abfolge vermutlich für eine mögliche Wahrnehmung von Patienten, die von Alzheimer betroffen sind. Gerade in den Phasen, wo die Betroffenen zwischen Gegenwart und Vergangenheit hängen, ist klar, dass sie auf viele Erinnerungen zurückgreifen, aber diese oft auch nicht richtig festhalten können. Dann wieder stehen die Schnipsel aber sicherlich auch dafür, wie viele Erinnerungen Vater und Sohn über die Jahre gesammelt haben. Zuletzt steht es natürlich für das Puzzle, dem sich Adam gegenübersieht, weil er mit Erinnerungslücken aufwacht und den Cold Case-Fall lösen muss.

Auch der ganze Handlungsaufbau der Episode war für mich ein Kunstwerk. Auch wenn bei "Chicago P.D." durchaus auch langfristig gedacht wird, so ist das für mich eher die Ausnahme als die Regel. Ob es hier nun Zufall war oder ob immer klar war, dass die Geschichte von Makayla und Bob so gut zusammenpassen würde, das kann ich nicht beantworten, aber es fühlt sich hier einfach richtig an. Auch wenn ich die Diskussionen rund um Makaylas Schulwahl etwas zu lang gezogen und manchmal auch unglücklich aufgebaut empfunden habe, so war die Idee an sich, dass Makayla als Schwarzes Kind Weißer Eltern anderen Herausforderungen entgegensehen wird, ein wichtiges Thema. Gleichzeitig hatten wir dann Bobs Erkrankung und die emotionale Herausforderung für Adam, ob er bereit ist, sich von seinem Elternhaus zu trennen. Das eine hat das andere beeinflusst und es war immer klar, dass ein gesunder Bob die Entscheidung für sein Enkelkind in jedem Fall unterstützt hätte, aber ein kranker Bob kann das nicht sehen. Das tat für Adam schon echt weh, dass er sich die Vorwürfe anhören musste. Gleichzeitig löst der Umzug nun den Fall rund um den Cold Case aus und das war schon echt gruselig, was wir da auf der Kassette zu sehen bekommen haben. Auch wenn ich nicht recht glauben wollte, dass der Fall von 2019 ist (Stichwort Kassette), so fand ich ihn aber durchgängig spannend und plausibel aufgebaut.

Der Fall hätte auch ohne Bob sehr gut funktioniert, weil er eben so spannend in sich gestaltet war. Aufgrund des Schnitts, wonach wir Adam auf einmal im Krankenhaus sehen, war ich lange strikt beeinflusst, dass er niedergeschlagen wurde. Mit der späteren Auflösung habe ich dann auch nochmal extra zurückgespult, weil ich dachte, das passt doch nicht. Aber es war einfach geschickt gemacht. Im Schnitt wurde da eindeutig mit Suggestion gearbeitet und mein Hirn hat Rückschlüsse gezogen, die auf Wahrscheinlichkeit beruhen. Aber da habe ich mich verrannt. Also auch hier sehr gut gearbeitet vom Team. Ich fand auch, nachdem ich zwischendurch bei der Burzek-Chemie echt ernüchtert war, dass sie inzwischen wieder konstant gut passt. Kim hat auf Adam vehement aufgepasst. Sie hat die Ermittlung in seiner vulnerabelsten Phase vorangetrieben. Auch wenn sie um Adam selbst Angst haben musste, aber sie hat auch verstanden, warum der Fall an sich wichtig war.

Es ging nämlich überall um die Vater-Sohn-Beziehung. Denn Bob hat die Kassette einst zugespielt bekommen. Während die Kollegen es für einen bösen Scherz gehalten haben, war er skeptisch, fand aber keine Ansätze, um den Fall zu lösen. Indem Adam dem nachgegangen ist und tatsächlich erste Hinweise fand, dass es ein Verbrechen gegeben haben muss, war für ihn klar, dass er den Fall für seinen Vater lösen muss. Ich fand das hier auch so passend, weil unterschwellig bei uns allen die ambivalente Darstellung von Bob nie verschwinden wird. Er war nie einfach nur ein cooler Kerl. Er war jemand, dem man schon misstrauen konnte. Durch seine Eifersucht gegenüber Hank Voight war er sogar unberechenbar. Aber im Kern war auch Bob immer ein vehementer Vertreter für Gerechtigkeit. Dementsprechend hat uns die Geschichte von Carlos wieder sehr an Bobs Kern erinnert. Er war kein perfekter Familienvater, er hat auch mal die Kontrolle verloren, aber die Liebe für die Familie war doch immer echt. Genauso ging es Carlos, der trotz offenem Haftbefehl von Bob laufen gelassen wurde und deswegen ihm die Kassette zugeschickt hat. Das war sicherlich auch für Adam sehr berührend, an diesen Bob noch einmal erinnert zu werden.

Das andere große Thema war dann natürlich Adams Zustand, der durch die Gehirnerschütterung mit seinem Kurzzeitgedächtnis zu kämpfen hat. Auch wenn das sicherlich nicht 100% mit einer Alzheimer-Erkrankung zu vergleichen ist, aber es geht in eine ähnliche Richtung, weswegen Adam so Einblicke erhalten hat, wie es Betroffenen gehen kann. Es würde für mich auch echt gut dargestellt, wie sehr Adam mit sich gekämpft hat, um die Infos aus der Akte präsent zu bekommen. Da passte auch die Parallele gut, dass wir in Bobs Zimmer eine Pinnwand gesehen haben, auf der einige Menschen abgebildet waren, um ihn daran zu erinnern, wer sie sind und was sie ihm bedeuten. So ähnlich hat dann auch Adam agieren müssen. Auch wenn es im Krankheitsverlauf nie um mangelndes Verständnis durch Adam ging, weil er immer ein liebevoller Unterstützer war, so war es doch zum Abschluss eine gute Idee und Sinnbild, um Vater und Sohn noch einmal so zu vereinen. Ich fand es auch richtig berührend, als Adam dann zu seinem Vater meinte: "Ich erinnere mich ab jetzt für uns beide." Wenn man selbst schon einmal eine Sterbebegleitung wie ich mitgemacht hat, dann ist das einfach ein schöner Satz. Ob nun durch die VHS-Kassetten oder durch all das, was im Herzen gespeichert ist, aber für Sterbende und Angehörige gibt es keinen tröstlicheren Gedanken als den, dass die Person weiterleben wird, indem sie nicht vergessen wird. RIP Bob Ruzek, du wirst im Seriengeschehen definitiv unvergessen bleiben!

Fazit

Nachdem wir die Erkrankung von Bob Ruzek so lange begleitet haben und immer wieder tiefgründige und authentische Darstellungen dazu bekommen haben, wird das nun zu einem würdigen Ende geführt. Die Episode war auf allen Ebenen sehr durchdacht und dadurch einfühlsam. So verabschieden wir einer der wichtigsten Nebenfiguren der Serie und es ist schon ein verrückter Gedanke, dass es so viel besser als bei den meisten Hauptfiguren gelungen ist.

Lena Donth – myFanbase

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