The Sinner - Review des Piloten

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Inzwischen gibt es Serien wie Sand am Meer, für jeden Stil, für jede Vorliebe, für jedes Genre. Da muss man sich also schon etwas einfallen lassen, um die wenige Zeit des Zuschauers zu ergattern. "The Sinner" mit und von Jessica Biel versucht dies auf ganz ruhige und besonnene Weise, ohne laut zu sein oder Aufmerksamkeit zu erhaschen, wo eigentlich gar keine ist. "The Sinner" versucht die Charaktere und die Geschichte für sich sprechen zu lassen, so wie es etwa auch "The Affair" tut. Doch dieses Idyll wird nach zehn Minuten ganz plötzlich gestört, als Cora (Jessica Biel) am Strand mit ihrer Tochter und ihrem Mann sitzt und plötzlich aufspringt, um das Messer, welches gerade noch eine Birne geschält hat, in einen vor ihr sitzenden Mann zu rammen. So oft, dass er das nicht überlebt. Das war dann doch Aufmerksamkeit erhaschend, aber so plötzlich wie die Aktion passiert, so plötzlich kommt es nicht nur dem Zuschauer, sondern auch den Charakteren vor, inklusive Cora selbst. Das war also nicht plump, sondern dramatisch.

Was folgt, ist unaufgeregte Polizeiarbeit, denn die Sachlage ist mehr als deutlich. Wäre da nicht die Frage nach dem Motiv. Man ahnt als Zuschauer schon, dass hier entweder was Tiefenpsychologisches, was Mystisches oder eine Kombination aus beidem des Rätsels Lösung sein könnte. Anders ist auch das an mehreren Stellen kurz eingeblendete Muster (vielleicht von einer Gardine, einer Decke, einer Tapete) nicht zu erklären. Und auch der Serientitel impliziert, dass es für die Tat offenbar einen Grund gegeben haben muss, auch wenn sie wirklich noch niemand kennt. Einzig neugierig ist dabei Ambrose (Bill Pullman), dem es nicht daran gelegen ist, den Fall schnell zu den Akten zu legen, sondern fast schon Mulder-like die Teile findet, die nicht so richtig zu passen scheinen. Warum beispielsweise konnte der kräftige Mann, wenn auch vom Angriff überrascht, sich nicht wehren und somit die Anzahl der Einstiche minimieren, was der erste Einstich doch noch gar nicht tödlich. Insofern ist die Auftaktepisode nach dem Mord vor allem durch Ratlosigkeit geprägt und durch eine Jessica Biel, die es schafft, diesem warmen, traurigen und irgendwie gestörten Charakter so gut zu spielen, dass man ebenso neugierig bleibt wie Ambrose.

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Trotzdem muss man wohl auch ein Fan dieses ruhigen, charakterbasierten Erzählstils sein, um "The Sinner" in seiner Watchlist nicht nach hinten zu schieben. Außer den beiden bereits angesprochenen Protagonisten bleibt der Rest erst mal ziemlich blass, bekommt kaum Tiefe und erscheint auch ziemlich nebensächlich für die Geschichte selbst. Ob das langfristig reicht, ist zu bezweifeln. Nach der ersten Episode ist auch noch nicht klar, wie überhaupt was mit wem zusammenhängt. Insofern kann diese erste Episode wirklich erst mal nur einen Eindruck vermitteln, welche Art von Serie man hier bekommt. Wenn man bis zum Ende dranbleibt, kommt man zu dem Schluss, dass man noch eine weitere Episode braucht, um eine echte Tendenz pro oder contra "The Sinner" eingehen zu können. Und dann kann ich mir vorstellen, dass es eher eine Serie ist, die man in wenigen Tagen schaut, statt sich Woche für Woche darauf einzulassen.

Fazit

Es ist eine sehr ruhige Erzählweise, die von spektakulären Szenen nichts wissen will und "The Sinner" nicht durch Humor, Action oder Extravaganz glänzen lässt, sondern eher durch langsame, unaufgeregte Charakterbetrachtung. Die Suche nach dem Mordmotiv könnte noch viel Potenzial entfalten, aber es ist eher die Neugier als die Spannung, die einen weiter schauen lassen will. Einen Versuch ist es allemal wert, diesen Auftakt zu schauen. Wer noch unsicher ist, sollte vielleicht eine Staffelreview abwarten.



Emil Groth - myFanbase

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