Raising Dion - Review des Piloten

Foto:

Superheldenserien gab es in diesem Jahrzehnt wie Sand am Meer auf der großen Kinolandschaft, aber auch auf dem kleinen TV-Bildschirm zu bewundern. Einige sehen sich bedingungslos alle Produktionen an, die in diesem Genre veröffentlicht werden, andere fühlen sich langsam übersättigt und eine dritte Fraktion konnte ohnehin nie etwas mit diesem Typus anfangen. Dennoch stellt sich grundsätzlich immer die Frage, ob sich die Entwicklung einer Serie wirklich gelohnt hat und Netflix‘ neuster Streich, "Raising Dion" hat zumindest den Vorteil, doch etwas anders zu sein.

Externer Inhalt

An dieser Stelle ist Inhalt von einer anderen Website (z. B. YouTube, Twitter...) eingebunden. Beim Anzeigen werden deine Daten zu der entsprechenden Website übertragen.

Externe Inhalte immer anzeigen | Weitere Informationen

In der Regel gibt es Superhelden, die eher für Erwachsene konzipiert sind oder sie sind konkret für Kinder und Jugendliche inszeniert worden. Aber es gibt selten ein Kind, das zum Superhelden wird und trotzdem können auch Erwachsene zuschauen. Denn "Raising Dion" zeigt in seinem Piloten auf, dass man sich bemüht, eine Familienserie zu sein. Sowohl Dion (Ja’Siah Young) selbst erhält seine Interaktionen, sei es in der Schule, wo er sich neue Freunde machen will oder sei es im Kontakt mit seiner Mutter Nicole (Alisha Wainwright, "Shadowhunters") oder mit seinem Patenonkel Pat (Jason Ritter, "Kevin (Probably) Saves the World"), aber auch Nicoles Perspektive wird immer wieder ausgeleuchtet. Sie ist gefangen in ihrer Trauer um den Verlust ihres Mannes Mark (Michael B. Jordan, "Black Panther") und hat Probleme damit, ihren wissbegierigen Sohn alleine großzuziehen. In den verschiedenen Perspektiven spürt man auch unterschiedliche Erzählarten. Während Dions Szenen mit Gleichaltrigen meist von Einfachheit im Szenenzusammenschnitt und in den Dialogen geprägt ist, sind Nicoles Gespräche mit ihren Freundinnen oder ihre alleinigen Szenen von einer Tiefgründigkeit geprägt. Dies fällt während des Schauens stellenweise als unrund auf, aber immer wenn Mutter und Sohn zusammengeführt werden, löst sich dieser Eindruck auf. Dies liegt sicherlich aber auch daran, dass die beiden gleich von Anfang an eine ganz besondere Chemie haben.

"Raising Dion" nimmt sich im Piloten viel Zeit, um uns Zuschauer in die Welt und die Figuren einzuführen. Dennoch habe ich diesen Auftakt zu keinem Zeitpunkt als langatmig empfunden, denn wenn Dion nach und nach seine Kräfte entdeckt, gibt es viele spannende Szenen, die auch von tollen Effekten begleitet sind. Die Erzählweise ist absichtlich verwirrend, da um den Tod von Mark ein Rätsel aufgemacht werden soll. So erlebt man den Vater in Rückblenden und bekommt immer Hinweise, was mit ihm passiert sein könnte, ohne dass sein Tod aber an einer Stelle bestätigt wird. Hiermit wird klar, dass sich die Staffel neben der Entdeckung von Dions Fähigkeiten auch mit dem Mysterium um Marks Verschwinden beschäftigen wird.

Dies freut mich sehr, da ich Jordan in der Nebenrolle des Vaters toll finde. Ich bewundere ihn ohnehin als Schauspieler seit seinen Anfängen in "Friday Night Lights" und er hat so eine charmante Art, die einen unweigerlich von ihm einnehmen lässt. Auch seine Chemie mit Wainwright stimmt von Anfang an, so dass ich auch ihre Beziehung gerne weiter ergründen würde. Wainwright habe ich bisher in "Shadowhunters" als Maia Roberts kennengelernt, eine Serie, die von der Buchvorlage her schon eher an ein jugendliches Publikum gerichtet ist, aber sie gefällt mir auch in der deutlich erwachseneren Rolle der Nicole sehr gut, weil sie eine einfühlsame Art ausstrahlt und auch die Mutterinstinkte überzeugend rüberbringen kann. Wo ich nun schon einmal den Cast lobe, kann ich natürlich auch Ja’Siah nicht unerwähnt lassen. Man merkt zwar, dass es seine erste große Rolle ist, weil noch nicht jeder Satz natürlich wirkt, aber er hat ein angeborenes Komiktalent und einfach eine herzallerliebste Art, mit der er viele Zuschauer um den Finger wickeln wird. Hinzu kommt noch seine Mitschülerin Esperanza (Sammi Haney), die im Rollstuhl sitzt und die mit ihrer altklugen Art ebenfalls direkt eine Person ist, die im Kopf hängen bleibt. Bei ihr sehe ich schon ganz klar, wie sie die heimliche Heldin der Serie werden könnte. Nur Ritter als Patenonkel Pat konnte mich noch nicht so recht überzeugen. Er wirkt in der Serie regelrecht ungelenk, ein besseres Wort fällt mir hier nicht ein. Er ist zwar dabei, fühlt sich aber nicht zugehörig an, hier muss also noch eine Steigerung erfolgen.

Externer Inhalt

An dieser Stelle ist Inhalt von einer anderen Website (z. B. YouTube, Twitter...) eingebunden. Beim Anzeigen werden deine Daten zu der entsprechenden Website übertragen.

Externe Inhalte immer anzeigen | Weitere Informationen

Inhaltlich ist wie gesagt noch nicht viel in der Auftaktepisode geboten worden. Wir haben uns jetzt in der Welt der Protagonisten eingefunden und zum Ende hin gibt es auch den ersten Paukenschlag, als Mark und andere als geisterähnliche Wesen erscheinen und eine Warnung aussprechen. Man merkt, dass es in den nächsten Folgen nun ans Eingemachte gehen wird und das macht Lust auf mehr. Zudem bleibe ich dabei, dass es der ganzen Familie Lust auf mehr machen sollte. Jedenfalls habe ich nach diesem Auftakt eine Familie vor Augen, die die trüben und regnerischen Tage des Herbstes für einen Binge-Marathon nutzen. "Raising Dion" sollte hierfür wirklich geeignet sein.

Fazit

"Raising Dion" nimmt sich zum Auftakt viel Zeit, um die Protagonisten der Serie und ihre Situation einzuführen, um die Zuschauer so direkt an sie zu binden. Dabei ist mit "Superheld" Dion sowohl etwas für die jüngeren Zuschauer, als auch mit Mutter Nicole etwas für ein älteres Publikum geboten, so dass sich die Serie durchaus als Familienserie anbietet. In den folgenden Episoden sollte nur das Erzähltempo etwas angezogen werden.

Lena Donth - myFanbase

Zur "Raising Dion"-Übersicht

Kommentare