La Brea - Review des Piloten

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Achja, die Mysteryserien und die großen US-Networks, das war in den letzten Jahren definitiv keine Liebesgeschichte mehr. Woran das liegt, zeichnet sich aktuell besonders gut an der NBC-Serie "Manifest" ab, die es beim Sender auch nicht immer einfach hatte und deswegen in diesem Frühling nach drei Staffeln folgerichtig abgesetzt wurde. Doch bei Streamingdienst Netflix, wo die Serie in den USA in den Katalog aufgenommen wurde, lieferte sie Woche für Woche eine starke Performance ab, weswegen letztlich doch noch eine vierte Staffel beheimatet beim Streamingdienst bestellt wurde. Warum könnte man sich jetzt fragen? Ich habe mir dazu meine Meinung gebildet, denn auch unsere Autorenschaft hier bei myFanbase hatte bei "Manifest" einiges zu kritisieren, was sicherlich auch durch die wöchentliche Ausstrahlung begünstigt worden ist. Denn so kann man nicht einfach übergangslos mit der nächsten Episode weitermachen, sondern das Geschehen kann eine Woche lange in mir als Zuschauerin gären. Beim Streaming wiederum gibt es höchstens selbst gesetzte zeitliche Lücken, ansonsten geht der Inhalt nahtlos ineinander über und viele Gedankengänge spinnt man möglicherweise nicht in letzter Konsequenz weiter. Wöchentliche Ausstrahlung und Binge Watching sind damit tatsächlich zwei völlig unterschiedliche Konzepte mit verschiedenen Erfahrungen. Gerade bei Mysteryserien, bei denen es aber zugegebenermaßen in den letzten Jahren auch an inhaltlicher Raffinesse gemangelt hat, bietet sich ein Streamingdienst als Heimat also deutlich besser an. Doch diese Erkenntnisse scheint bei den Networks noch nicht angekommen zu sein, denn jedes Jahr erwartet uns immer wieder ein neues Exemplar. Dieses Mal "La Brea", das wegen Corona erst mit einem Jahr Verspätung in Serie gegangen ist.

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Das Urteil über "La Brea" trifft die Serie lustigerweise selbst. An einer Stelle heißt es nämlich von einer Figur ausgesprochen: "Ich komme mir vor wie in einer 'Lost'-Episode." Auch wenn ich die angesprochene Serie selbst nie gesehen habe, so braucht es das entsprechende Wissen gar nicht, um nur schon vom Papier her zu erkennen, dass sich gemeinsame Grundprämissen nicht leugnen lassen. Ich sehe es zwar nicht so, dass "La Brea" hier etwas nachmachen will, aber ohne Frage ist es das Ziel jeder Mysteryserie in den letzten Jahren gewesen, das nächste "Lost" zu werden. Sicherlich nicht inhaltlich, sondern vom Erfolg her und das nicht nur gemessen an Quoten, sondern an dem Umstand, eine Serie sein zu wollen, die im Gespräch ist. Wenn man aber nun "Lost" selbst erwähnt, dann sind die Vergleiche unweigerlich aufgerufen und hier kann "La Brea" nur scheitern.

Ich habe mich wirklich bemüht, neutral das Gesehene zu bewerten, was ich sogar tatsächlich positiv angegangen bin, weil sich im Cast so viele bekannte Namen tummeln, auf die ich mich gefreut habe, sie mal wieder auf den TV-Bildschirmen zu sehen. Darunter sind Stars wie Natalie Zea ("Justified", "The Following"), Eoin Macken ("Merlin – Die neuen Abenteuer", "The Night Shift"), Jon Seda ("Chicago P.D.", "Chicago Justice") und Nicholas Gonzalez ("The Flash", "The Good Doctor"), wobei Letzterer in dieser Pilot-Folge noch gar nicht aufgetaucht ist. Weiterhin sind im Cast viele Newcomer, doch letztlich entscheiden weder Alt- noch Jungstars über das Scheitern dieser Auftaktfolge, denn die Figuren bekommen innerhalb dieser recht klischeehaften inhaltlichen Gestaltung kaum Raum zum Wachsen. Der Cast ist recht groß und beinahe jedem soll auch die entsprechende Szenenanzahl gegönnt sein, was diesen Pilot doch sehr überladen macht. Zudem wird schnell ersichtlich, dass die Mischung aus Action und Charaktermomenten nicht stimmig ist. Ich verstehe es zwar vom Prinzip her, dass in der ersten Folge möglichst viel passieren soll, um die Grundatmosphäre der Serie zu vermitteln und das ist eben weniger eine Drama- als vielmehr eine Mysteryserie, wo logischerweise sich in der Handlung etwas ergeben muss, was den oder die Zuschauer*in weiterhin zum Einschalten bringt. Doch zu viel Handlung sorgt wiederum dafür, dass es schwerfällt, sich mit den Charakteren zu identifizieren und ein Gefühl für sie zu bekommen.

Das Herzstück der Serie ist ohne Frage Familie Harris, die aus Eve (Zea), ihren Kindern Izzy (Zyra Gorecki) und Josh (Jack Martin) sowie eigentlich ihrem Ehemann Gavin (Macken) besteht, doch das Ehepaar hat sich entfremdet, nachdem er nach einem Unfall wegen Visionen den Halt verloren hat. Nur hier fängt die Krux schon an, denn die Familie wird in den ersten Minuten der Serien aufgeteilt. Josh fällt als Erster in den Abgrund, der sich bei der Sehenswürdigkeit La Brea mitten in Los Angeles auftut. Eve folgt wenig später, weil sie ihrem Sohn helfen wollte und den Halt verloren hat. Zurück bleibt Izzy, die wieder mit ihrem Vater Gavin vereint wird. Die Familie ist nun auf die beiden Welten aufgeteilt und auch wenn klar ist, dass Gavin und Izzy alles tun werden, um mit den anderen beiden wieder zusammenzukommen, ist in die bislang spannendste Charakterkonstellation ein Keil getrieben. Auch atmosphärisch ergibt sich ein Kontrastprogramm, denn während es in der neuen Welt mit vielen neuen Figuren, prähistorischen Tieren und ersten Konflikten untereinander viel zu entdecken gibt, wirkt die uns bekannte Welt nüchtern und langweilig. Auch wenn über Gavin und Izzy natürlich etwas anderes erzeugt werden sollen, aber die Szenen wirken fast schon störend. Natürlich ist mir bewusst, dass es die reale Welt als Anker noch braucht, aber angesichts dieses Störfaktors blicke ich besorgt auf die Zukunft der Serie, denn ich kann mir nicht vorstellen, dass sich dieser Eindruck widerlegen lässt und dann ist die Frage, ob Gavin und Izzy irgendwann auch im Loch verschwinden, denn erst dann würde es meiner Meinung nach stimmiger wirken.

Ich hatte es bereits zuvor angedeutet, dass der Pilot sehr actionlastig ist, dadurch ergibt sich umgekehrt auch noch nicht viel Substanz für das zentrale Mysterium von "La Brea". Erst am Ende der Episode kommt es auf beiden Seiten zu einer recht ähnlichen Erkenntnis, wenn auch mit unterschiedlichen Konsequenzen, aber die Welt jenseits des Lochs ist wohl eine der Vergangenheit. Auch wenn das angesichts der Bedeutsamkeit von La Brea als Stätte von Fossilien nun wahrlich nicht überraschend ist. Aber was sollen jetzt die Aspekte sein, die mich weiterschauen lassen? Erstmal bleibt als Hauptfragestellung nur zurück, wie man die Versunkenen wohl wieder retten kann? Aber sonst? Interessant ist sicherlich, warum Gavin Visionen von der Welt hat, wo nun seine Frau und sein Sohn sind, aber sonst? Hier kommt nun ins Spiel, dass bei den Figuren noch nicht viel geleistet wurde, so dass sich auch hier keine zentralen Fragen auftun. Dementsprechend ernüchtert bin ich zum Auftakt. Für den Inhalt würde ich definitiv nicht mehr einschalten, höchsten für die Darsteller*innen noch einmal und selbst das ist mehr als fraglich.

Fazit

"La Brea" bestätigt meinen Eindruck der letzten Jahre, dass Mysteryserien von der Konzeption her einfach nicht mehr für die großen Networks und die lineare Ausstrahlung gemacht sind. Die Art des Guckens hat sich seit großen Erfolgen wie "Lost" deutlich verändert und heute braucht es schon richtig Substanz, um eine wöchentliche Ausstrahlung mit anhaltendem Interesse zu bestücken. "La Brea" bietet aber nicht viel Neues und ist im Pilot auch noch völlig überladen, so dass weder das Mysterium noch die Hauptfiguren mit nötigem Potenzial ausgestattet werden. Einzig der Cast könnte mich noch einmal zu einem zweiten Einschalten überreden…

Lena Donth - myFanbase

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