Neustarts 2013/2014 - Fazit

Die TV-Season 2013/2014 hatte wieder viele neue Serien im Angebot, seien es Comedy- oder Dramaserien. Neben Mystery und Science-Fiction fanden auch Spin-Offs Anklang bei den Zuschauern und so war in jedem Genre etwas vertreten. Wir ziehen ein Fazit nach der Season und schauen, was aus unseren vielversprechendsten Neustarts geworden ist. Konnten die Erwartungen erfüllt werden? Welche Serien haben enttäuscht und welche stattdessen überzeugt?


Fazit von Andreas K.


Kill la Kill

Es ist wahrlich nicht leicht, als Anime-Serie hervorzustechen, wo doch bis zu 200 Serien (!) jährlich im Land der aufgehenden Sonne auf den Markt kommen. Zumal es sich auch noch um die erste Serienproduktion eines neu gegründeten Studios handelt, was in der Regel zunächst einmal mit eher verhaltener Zuversicht wahrgenommen wird. Aber "Kill la Kill" schaffte es bereits vor der allerersten Episode innerhalb kürzester Zeit, einen riesigen Hype zu entwickeln, was sicherlich vor allem den Verantwortlichen hinter der Serie Kazuki Nakashima als Drehbuchautor und Hiroyuki Imaishi als Regisseur - zuzuschreiben ist, die vorher in einem anderen Studio in exakt diesen Funktionen mit "Gurren Lagann" einen modernen Klassiker der Anime-Landschaft geschaffen haben, der durch seine Unkonventionalität besticht. Auch "Kill la Kill" hebt sich deutlich von seinen Genrevertretern ab und ist Reizüberflutung par excellence. Die Action ist hoffnungslos übertrieben und setzt immer noch einen drauf, sei es bei Explosionen, die ganze Städte dem Erdboden gleich machen oder bei Blut, das ausnahmslos nur fontänenweise spritzt. Das Erzähltempo ist geradezu lächerlich schnell und packt dann auch mal Kampf und Nachkampf in eine Episode, wo es manche Serien schaffen, allein einen Kampf über mehrere Episoden zu strecken, oder schrumpft die für Anime-Serien mit einer Laufzeit von mehr als einer Staffel (12 bzw. 13 Episoden) schon fast obligatorische Recap-Episode auf gerade mal 2 Minuten. Die Handlung ist von ihrer Prämisse her im Grunde nicht einmal ansatzweise ernst zunehmen magische Schuluniformen, eine Schulakademie, die das Recht des Stärkeren ein wenig zu wörtlich nimmt, eine Gruppe von nudistischen Rebellen und Kleidung, die die Welt beherrschen möchte. All diese Elemente klingen vielleicht negativ, weisen in ihrem Zusammenspiel aber eine geradezu ungewöhnliche Harmonie auf, fast so als ob es selbstverständlich wäre, diese Dinge miteinander zu verbinden. Dazu kommen zahlreiche Bausteine aus dem Ecchi- und Shōnen-Genre, die in ihrer Übertreibung einen bissigen Kommentar zum Zustand einiger gefeierter Anime-Serien abgeben. Die Zur-Schau-Stellung von knapp bekleideten Mädchen ist hier kein Selbstzweck, sondern wird vom Hauptcharakter mehr als nur einmal kritisch begleitet. Und wenn ein Power-Up den nächsten jagt und alle Figuren schon fast minütlich stärker werden, kann man das ja auch so übertreiben, dass einem der Wahnsinn dahinter überdeutlich bewusst wird. Wegen all dem Irrsinn, dem sich "Kill la Kill" hingibt und den die Serie in 24 Episoden feiert, ist sie witzig, actionreich, optisch eindrucksvoll und kurzum unterhaltsam wie kaum eine andere Anime-Serie in den letzten Jahren und sicherlich keine in der abgelaufenen Season.

Outbreak Company

"Outbreak Company" schlägt da im Vergleich deutlich ruhigere Töne an, tut dies aber nicht minder überzeugend. Die Adaptierung einer japanischen Light Novel (bebilderter Roman) erzählt die Geschichte um einen Otaku (Anime- und Manga-Fan), der sich aufgrund ihm entgegneter Ablehnung immer mehr von seiner Außenwelt abkapselt und sich schließlich für einen Job bewirbt, der viel zu gut zu ihm zu passen scheint, nur um nach einer Betäubung in einer in jeglicher Hinsicht fremden Welt wieder aufzuwachen. Insbesondere die Comedy ist lobend hervorzuheben, ist sie doch zweifellos der große Pluspunkt der Serie. Allein das Timing und die Ausführung der komödiantischen Elemente ist bereits hervorragend. Hat man halbwegs Erfahrung mit der japanischen Kultur und Anime und Manga im Speziellen, so fallen zudem zahlreiche sehr gelungene Anspielungen und Parodien auf, die das Sehvergnügen weiter erhöhen. Dazu kommen die Charaktere, die diesen Humor mit Leben erfüllen und dem Zuschauer eine gehörige Portion Identifikationspotential liefern. Da wäre zum einen Shinichi, der Hauptcharakter, der in der realen Welt als Versager verschrien wurde und in seiner neuen Umgebung nun sein Bestes tut, seinen Stempel aufzudrücken. Dazu gesellen sich mit Myusel und Petralka zwei starke und doch so unterschiedliche weibliche Figuren, die die Serie entscheidend prägen. Gerade die Entwicklung von Myusel über den Verlauf von zwölf Episoden ist witzig und herzerwärmend zugleich. Auch die Nebencharaktere überzeugen durchgehend, selbst wenn sie manchmal nur auf wenige Charakter- oder äußerliche Merkmale reduziert wurden. Interessant ist auch die politische Ebene bei "Outbreak Company", selbst wenn diese am Ende aufgrund der geringen Episodenanzahl nicht vollends durchexerziert werden konnte. Dennoch können ein interessanter Einblick in Politik, Demokratie, Rassismus und Klassenkampf gegeben und zudem die Frage aufgeworfen werden, was Kultur eigentlich ausmacht. Zu Beginn eher ein Insidertipp, hat sich "Outbreak Company" aufgrund der liebenswürdigen Charaktere und des gut eingesetzten Humors bei der Anime-Gemeinde schnell zu einem der absoluten Lieblinge des Jahres 2013 entwickelt.

Foto: Brooklyn Nine-Nine - Copyright: 2013 Fox Broadcasting Co.; FOX
Brooklyn Nine-Nine
© 2013 Fox Broadcasting Co.; FOX

Brooklyn Nine-Nine

In Anbetracht all der Polizeiserien und Crime-Procedurals, die sich zu einem großen Teil schrecklich ernst nehmen, war es an der Zeit für eine Comedyserie, die dem Ganzen eine andere Note verleiht. "Brooklyn Nine-Nine" aber lediglich auf ein Dasein als Parodie zu reduzieren wäre zu einfach. Dies war vielleicht der Ausgangspunkt, aber glücklicherweise haben die Verantwortlichen schnell gezeigt, dass sie tatsächlich etwas zu erzählen haben und darüber hinaus Charaktere schaffen können, mit denen man mitfiebern kann, vor allem aber mitlachen. Andy Samberg als Flaggschiff der Serie, der hierfür auch direkt im ersten Jahr mit einem Golden Globe ausgezeichnet wurde, ist hierbei interessanterweise zwar derjenige, der maßgeblich das, was man als Handlung in diesem Rahmen bezeichnen kann, vorantreibt, aber keineswegs die Figur, die den meisten Eindruck hinterlässt. Andre Braugher als Captain Holt ist mit seiner betont gefühllosen Art und den lakonischen Kommentaren zum Brüllen komisch und Terry Crews als muskelbepackter und dauernervöser Detective auf Sparflamme, der Angst vor "richtiger" Polizeiarbeit hat, ist sicherlich eines der Highlights. Dazu gestalten sich weitere Figuren, die in ihrer Art sehr oft unmöglich ernst genommen werden können (was sicherlich auch gewünscht ist), im richtigen Augenblick jedoch ihre menschlichen Seiten offenbaren, damit man einen Zugang zu ihnen findet. Ohnehin ist einer der Pluspunkte der Serie, dass man sich bei all dem Humor auch um die Charaktere und deren Entwicklung kümmert und dies durchaus subtil und glücklicherweise nur selten plump erledigt. Vor allem auch deswegen kann man nur gespannt sein, was die zweite Staffel bringen mag.

Andreas K. - myFanbase

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