Serienentdeckungen 2013

Wie jedes Jahr lassen unsere Autoren kurz vor dem Jahresende noch einmal Revue passieren, welche Serienperlen sie nun endlich entdeckt haben. Denn schließlich kann auch der leidenschaftlichste Serienfan nicht alle Serien gleichzeitig schauen und es gibt immer wieder Lücken im Repertoire, die man versucht nach und nach zu schließen. Hier erzählen wir, wie wir auf manche alte, aber feine Serie gestoßen sind und warum diese zu empfehlen ist.


Entdeckungen von Sigrid G.

Scandal

Seit die Netflix-Serie "House of Cards" meine Begeisterung für Serien mit dem Thema Politik geweckt hat, bin ich dieser Thematik in Serien trotz meines persönlichen Desinteresses daran sehr aufgeschlossen. Da kam es mir nur gelegen, dass sich Super RTL vor einigen Wochen dazu durchgerungen hat, "Scandal" in sein Programm aufzunehmen und die Serie somit auch den deutschen und in meinem Fall österreichischen Free-TV-Zusehern nicht länger vorzuenthalten. Der Funke sprang jedoch nicht von Beginn an über. Ganz im Gegenteil. Nach den ersten Folgen fand ich die Serie bestenfalls interessant. Es machte zwar Spaß Hauptcharakter Olivia Pope dabei zuzusehen wie sie es schafft, jede noch so ausweglos erscheinende Situation zu meistern, ihr Team zu motivieren und trotzdem noch den Überblick zu behalten, ich fieberte jedoch nicht in dem Ausmaß mit, in dem ich es mir gewünscht hätte, um weiterhin jeden Montag einzuschalten. Gerade zum richtigen Zeitpunkt hatte ich dann aber das Gefühl, dass bei den Autoren ein Umdenken stattgefunden hat. Man entschloss sich, nicht nur Olivia, sondern auch die sehr sympathischen Nebencharaktere etwas mehr in den Vordergrund zu rücken. So bekamen wir Einblick in ihre persönlichen Hintergrundgeschichten, erfuhren wie ihre Beziehungen untereinander sich entwickelten und konnten plötzlich nachempfinden wieso sie Olivias Urteil beinah bedingungslos vertrauen und ihr folgen, was ich persönlich als sehr interessant empfand und mir auch half, die einzelnen Charaktere, die anfangs eher allein dastanden, miteinander zu verbinden. Mein persönlicher Lieblingscharakter ist jedoch nach wie vor Olivia. Sie ist die toughe Powerfrau, der keine Situation zu ausweglos erscheint, die immer ein Ass im Ärmel hat und weiß ihre Mitarbeiter zu motivieren. Andererseits zeigt sie uns immer wieder auch ihre verletzliche Seite und innere Zerrissenheit, hervorgerufen durch ihre unglückliche Liebe zu einem Mann, in den sie nicht verliebt sein darf. Olivias Facetten sind sehr vielfältig und trotzdem wird aus ihr ein Charakter, den man einfach gern haben muss, weil man sich eben durch ihre Vielfältigkeit gut in ihre Situation ihr Handeln und Denken hineinversetzen kann. Ein kleiner Rückschlag war für mich der Ausstieg des ehemaligen "Lost"-Darstellers Henry Ian Cusick, der wunderbar mit Olivia-Darstellerin Kerry Washington harmonisierte. Dennoch befindet sich die Serie derzeit ganz oben auf dem Treppchen meiner "Top 10 der Neuentdeckungen 2013" und ich fiebere Woche für Woche jeder neuen Folge entgegen um zu erfahren, wie es mit Olivia und ihrem Team weitergeht.

Enlightened - Erleuchtung mit Hindernissen

Foto: Laura Dern, Enlightened - Erleuchtung mit Hindernissen - Copyright: HBO® and related service marks are the property of Home Box Office, Inc.
Laura Dern, Enlightened - Erleuchtung mit Hindernissen
© HBO® and related service marks are the property of Home Box Office, Inc.

Genau genommen war ich bereits zu dem Zeitpunkt an dieser Serie interessiert, als diese damals von HBO angekündigt wurde. Den Plot um eine beruflich erfolgreiche Frau, die nach einem Zusammenbruch wieder zu sich selbst findet und ihre Lebenseinstellung als auch ihre Prinzipien völlig neu ordnet, fand ich sehr ansprechend und aus dem Leben gegriffen. Jedoch ließ ich mich von den schlechten Quoten, die die Serie leider von Anfang an verfolgten, vorerst abschrecken. Vor einiger Zeit hatte ich jedoch die Gelegenheit, die zwei Staffeln, auf die es "Enlightened - Erleuchtung mit Hindernissen" letztendlich brache, aufzuholen und habe es nicht bereut. Ich konnte mich sofort in Laura Derns Charakter Amy hineinversetzen. Sie spielt die geläuterte Frau, die in ihrem Leben so viele Rückschläge erleiden musste und dennoch eine durchweg positive Einstellung dem Leben gegenüber hat, einfach grandios mit der perfekten Ausgewogenheit an Witz, Drama und Naivität, dass man Amy so naiv sie zeitweise auch scheint einfach gern haben muss. Es wurden meiner Meinung nach herrlich einzigartige und doch sehr nah am wahren Leben gelegene Charaktere geschaffen, um die es mir nach der Absetzung der Serie nach nur 18 Folgen noch immer unendlich leid tut. Erst recht spät erfuhr ich, dass die Idee hinter "Enlightened" direkt von Hauptdarstellerin Dern sowie deren Serien-Kollege und Tyler-Darsteller Mike White stammt. Von da an betrachtete ich mit diesem Wissen die Handlung und Ausarbeitung der Charaktere mit völlig anderen Augen und es war für mich jedes Mal ein richtiges Vergnügen, Dern und White in der Serie zusammen agieren zu sehen, was in Staffel 2 aufgrund der Storyline noch verstärkt wurde. Jedoch konnte ich leider auch bei mir im Laufe der zweiten Staffel erkennen, dass sich langsam ein Desinteresse an der Geschichte einstellte. Ich fand es nicht gut, dass man sich gegen Ende hin viel zu hartnäckig der Zerstörung von Amys Arbeitgeber Abaddon widmete und so die Charakterentwicklung vor allem Amys auf der Strecke blieb. Dennoch hätte ich mir nur aufgrund der liebevoll ausgearbeiteten Charaktere gewünscht, noch mehr von eben diesen zu sehen, jedoch war es mit der Richtung, die Dern und White mit ihrer Story einschlugen, leider nicht mehr möglich, genug Zuschauer an der Stange zu halten, was ich verstehen kann.

Homeland

"Homeland" steht in meiner Gunst derzeit ganz weit oben. Nachdem ich dem Hype nachgegeben und der Serie eine Chance gegeben habe war es schon sehr früh um mich geschehen und ich habe angefangen die Serie zu lieben. Für mich bedeutet "Homeland" Spannung von der ersten bis zur letzten Minute jeder Folge. Kaum ist eine Folge zu Ende möchte ich wissen, wie es weitergeht und welche neuen Entwicklungen und Wendungen uns präsentiert werden. Ich fand es sehr spannend wie die Autoren in Staffel 1 einige Zeit lang mit der Wahrnehmung der Zuschauer gespielt haben und man sich lange Zeit nicht sicher war ob die Beschuldigungen, die man gegen Hauptcharakter Nicholas Brody den Mann, der nach acht Jahren Gefangenschaft im Irak wieder zurück zu seiner Familie kommt und verdächtigt wird nun für den Feind zu arbeiten vorbringt, wahr sind oder nicht. Immer wieder werden in Rückblenden die Geschehnisse rund um den Protagonisten erklärt und schon bald erkennt man, dass es hier nicht einfach nur um die Frage der Schuld geht, was ich persönlich sehr interessant und mitreißend fand. Wir tauchen ein in das Leben eines Mannes, der es alles andere als leicht hat, in sein altes Leben zurückzufinden, nachdem er seiner Frau und seinen zwei Kindern von heute auf morgen für die nächsten Jahre einfach so entrissen wird. Während in vielen Hollywood-Produktionen die Rückkehr des "Verschollenen" das eigentliche Happy End darstellt, greifen die Autoren hier die meiner Meinung nach sehr realistische Darstellung auf, dass die eigentlichen Schwierigkeiten erst hier beginnen. So gut ich die Story und Darstellung der einzelnen Charaktere auch finde, stehe ich mit einigen wenigen Charakteren mehr oder weniger auf Kriegsfuß. Absolut nicht auf einer Wellenlänge bin ich sowohl mit Brodys Frau Jessica als auch deren Tochter Dana. Ihre Handlungen verärgern mich einerseits immer wieder, wohingegen ich sie andererseits gut nachvollziehbar und logisch finde. Ich befinde mich diesbezüglich öfter mal im Konflikt mit mir selbst, was für mich jedoch eine weitere Auszeichnung der Autoren ist, die es schaffen meine Sympathien trotz meiner Abneigung für diese Charaktere soweit zu erhalten, dass ich sie dennoch interessant finde. Ich hoffe, dass uns Homeland noch lange erhalten bleibt und vor allem die Qualität nicht wie bei so vielen Serien mit der Zeit abnimmt.


Entdeckungen von Cindy Scholz

The Wire

Foto: Copyright: Warner Home Video Germany
© Warner Home Video Germany

Eigentlich sollte gerade in dieser Kategorie von "Was uns bewegt", die sich ja nun einmal naturgemäß dem Entdecken älterer Serienperlen widmet, mindestens einmal "The Wire" enthalten sein. Heuer sorge ich für die Erwähnung der weithin als beste TV-Serie der Neuzeit deklarierten Gesellschaftsstudie von Baltimore. Aber da mich der nahezu heilige Ruf von "The Wire" auch jahrelang abgeschreckt hat, war doch meine Befürchtung, dass "The Wire" eher wie Arbeit daherkommt, der man nur mit dem nötigen Ernst und Respekt begegnen könnte, will ich auf all diese Errungenschaften der Serie gar nicht so tiefgründig eingehen. Ich gehe einfach mal davon aus, dass die meisten Fans der gehobenen Serienunterhaltung wissen, wofür "The Wire" berühmt ist. Aber wissen die Leute, die das Aufholen dieses Meilensteins vor sich her schieben auch, wie viel Spaß diese Serie macht? Denn ich zumindest war wirklich überrascht davon, wie viel pure Unterhaltung in "The Wire" steckt. Wie oft ich wirklich laut aufgelacht habe, auch wenn mir kurz zuvor noch ein dicker Betroffenheitskloß im Halt steckte. Nein, "The Wire" ist wahrlich kein trockenes Bildungsfernsehen, ganz im Gegenteil. Es vereint all das, was gutes Fernsehen bieten sollte, und das eben nahezu perfekt umgesetzt. Großartige, denkwürdige und vor allem einzigartige Charaktere, mit denen man mitfühlt, mitfiebert und ganz viel lacht, absolut akribisch ausgearbeitete Geschichten, die einem einen sehr hohen Erkenntnisgewinn um es mal ganz profan auszudrücken über die Natur der menschlichen Seele bieten und unzählige Momente, die sich dauerhaft ins Gedächtnis einbrennen. All die "The Wire"-Fans haben Recht, wenn sie die Serie zum Nonplusultra erheben: in Bezug auf die Erzählstruktur, die romanhafte Tiefe und die zeitgeschichtliche Relevanz. Aber es ist eben auch eine wahnsinnig gut geschriebene und umgesetzte TV-Serie, die den Zuschauer großartig unterhält. Manchmal kann ich es immer noch nicht glauben, dass es so viel Qualität und Unterhaltung an einer Stelle überhaupt zu finden gibt.

Avatar - Der Herr der Elemente

Die zweite meiner Serienneuentdeckungen des Jahres 2013 hat mich zudem so richtig überrascht, hatte ich die Serie doch eigentlich als Abendunterhaltung für meine Kinder angeschafft. Zwar versuche ich auch auf diesem Gebiet mein eigenes Fachwissen darüber, was gute und was eher fragwürdige Sendungen sind anzuwenden, dass aber irgendwann "Avatar" zu meinem absoluten Favoriten zählen und alle aktuell laufenden Serien in meiner Gunst weit hinter sich lassen würde, war dann doch so nicht zu erwarten gewesen. Die Nickelodeon-Produktion aus den frühen 2000er-Jahren erfreut sich absolut zu Recht eines Kultstatus, dabei ist es wirklich schade, dass sie niemals soviel Aufmerksamkeit wie die auf ein ähnliches Publikum abzielenden Fantasy-Werke der "Harry Potter"-Reihe erreichen konnte. Und so saßen in meinem Haushalt schnell nicht nur zwei Grundschulkinder gebannt vor der Flimmerkiste, wenn wir die mythische Welt von Avatar Aang, der Wasserbändigerin Kathara und deren kämpferischem Bruder Sukko besucht haben, die von den vier Elementen Feuer, Wasser, Luft und Erde grundlegend geprägt ist, sondern auch die erwachsenen Familienmitglieder. Es wird eine unheimlich spannende, mit ganz viel Liebe zum Detail ausgestaltete Geschichte erzählt, die fesselt und dabei auch sehr viel Emotionalität vermittelt. Niemals wird auf das jugendliche Publikum herabgeblickt, immer wird es als vollwertige Zuschauer ernst genommen und so wird eine epische Geschichte erzählt, wie ich sie in dieser Tiefe seit "Battlestar Galactica" und "Lost" im Fernsehen nicht mehr gesehen habe (mit dem Vorteil, keine kontroverse letzte Staffel anzubieten).

Dabei muss man besonders die liebevoll ausgearbeiteten Figuren hervorheben, die gerade einer Feministin wie mir große Freude bereiten. Denn was nur wenige Serien für ein erwachsenes Publikum erreichen, Charaktere beider Geschlechter gleichwertig aufzubauen und zu entwickeln, gelingt hier mühelos. Die Bandbreite an faszinierenden Mädchen- und Frauenfiguren ist wirklich beeindruckend, was in einer aufs jugendliche Publikum ausgerichteten Serie natürlich den Vorteil hat, dass man seinen Kindern endlich einmal zahlreiche Rollenvorbilder zeigen kann, die auf ganz unterschiedliche Art und Weise Heldin und natürlich auch Held sein können. "Avatar" hat sich in diesem Jahr einen festen Platz in meiner Serienbestenliste verdient und ich kann es allen Freunden epischer Geschichten, egal ob jung oder alt, nur wärmstens empfehlen.

Sigrid G. & Cindy Scholz - myFanbase

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