Kitz - Review Staffel 1

Foto:
Foto: KITZ - Copyright: 2021 Netflix, Inc.
KITZ
© 2021 Netflix, Inc.

Nun hat sich Deutschland also an einer "Élite"-Version versucht, wo zudem viele Aspekte von weiteren Mystery- oder Teenieserien wie "Gossip Girl" oder "Pretty Little Liars" reinspielen. Aber der Vergleich zu "Élite" ist wohl am augenscheinlichsten, auch wenn die Figuren in "Kitz" etwas älter sind und ihr Leben nach dem Abi oder für einige Matura planen müssen. Aber das Aufeinandertreffen von vermeintlicher Elite mit der stinknormalen Familie von nebenan sowie gesponnene Rachepläne, das klingt doch sehr bekannt. Auch wenn es vielleicht hart klingt, so trifft es den Kern von "Kitz" aber ziemlich auf den Punkt: hier wird arg viel kopiert und dazu auch noch um einige Klassen schlechter schauspielerisch abgeliefert.

Foto: Sofie Eifertinger, Kitz - Copyright: 2021 Netflix, Inc.; Walter Wehner
Sofie Eifertinger, Kitz
© 2021 Netflix, Inc.; Walter Wehner

Für mich war das Anstrengendste an der Serie aber nicht diese klischeehafte Darstellung vom deutschen Geldadel, der im österreichischen Kitzbühel residiert oder generell allen Klischees, die sich wie am Fließband aneinanderreihen, sondern die Figuren selbst. Falls jemand von euch wen Sympathisches getroffen hat, gebt mir gerne Bescheid. Am besten kommt für mich sicherlich noch Hans (Ben Felipe) weg, aber auch bei diesem passt zwischen Wutausbruch und Sanftmut kaum ein Blatt Papier. Er ist mir in seinem Handeln einfach zu wankelmütig gewesen, um mich wirklich auf ihn als ehrlichen Normalo verlassen zu können. Die wohl eigentliche Sympathieträgerin sollte vermutlich Lisi (Sofie Eifertinger) werden, aber auch wenn ich den Schmerz erahnen kann, den sie wegen des Tods ihres Bruders Joseph (Felix Mayr) durchleiden musste, so hat sie sich eigentlich genau wie die Person verhalten, an der sie sich rächen wollte. Mit ihrem Eindringen in fremde Leben, mit ständigem Manipulieren und Lügen sowie mit Ausspannen und sonstigen Tricks hat sie sich in der Summe schlimmer verhalten als ihr eigentliches Hassobjekt Vanessa (Valerie Huber). Aber auch hier hat sich "Kitz" selbst ein Bein gestellt, denn auch die Widersacherin konnte zu keinem Zeitpunkt als ein ambivalenter Mensch dargestellt werden. Immer wenn etwas durchblitzte, wurde es gleich durch die nächste Szene wieder vernichtet.

Richtig überraschend war dann, dass das Privatleben von Dominik (Bless Amada) am intensivsten behandelt worden ist. Durch ihn konnte man die heute obligatorischen Themen wie Rassismus mal so eben einbauen, aber es ging vor allem um Zukunftssorgen. Das hätte ich auch sehr zu schätzen gewusst, wenn Dominik nicht irgendwann wie ein Stalker gewirkt hätte, der eher eine suspekte Aura ausstrahlt. Wenn man das Ende von Staffel 1 bedenkt, kein Wunder.

Schließlich haben wir noch Kosh (Zoran Pingel), dessen Beziehung zu Hans eigentlich der stabilste Aspekt der Serie ist, aber auch hier konnte ich gewisse Gedanken zur erzwungenen Diversität nicht ganz abschütteln. Denn die beiden mussten auch wirklich in jeder Episode einmal streiten und wieder auseinandergehen, das wurde dann auch zunehmend anstrengend und hat gar nicht zugelassen, die beiden einfach süß finden zu können. Letztlich kommt auch noch die schauspielerische Leistung ins Spiel. Ich will dem Cast keine grundsätzliche Unfähigkeit absprechen, zumal sich gerade bei den Erwachsenen auch Namen wie Florence Kasumba, Andreas Pietschmann und Nadeshda Brennicke tummeln, die wahrlich keine Unbekannten sind. Aber die Nachwuchskräfte müssen diese Serie tragen und während die lauten Gefühlsausbrüche auch gut klappen, misslingt in den leisen Tönen alles. Es hätte genug inhaltliche Vorlagen gegeben, wo es vielleicht angebrachter gewesen wäre, mal dahin zu gehen, wo es wirklich tut, denn Geheimnisse, Verluste und all sowas reichen als Grund dafür allemal aus. Doch die kurzen, explosiven Ausbrüche reichten offenbar…

Foto: Kitz - Copyright: Lorenzo Agius / Netflix
Kitz
© Lorenzo Agius / Netflix

Was ich der Serie dagegen überhaupt nicht vorwerfen kann, das ist das Erzähltempo. Gemäß der Tatsache, dass sich kaum eine Ruhepause gegönnt wird, ist das Tempo auch wirklich halsbrecherisch, pro Episode (die noch nicht mal extrem lang sind) gibt es immer wieder entscheidende Entwicklungen, die vorangetrieben werden. Mit insgesamt sechs Episoden ergibt sich daher ein gut durchdachtes Gesamtkonstrukt, in dem man eigentlich gar keine zeitliche Chance geschenkt bekommt, die Serie abzubrechen. Das ist also wirklich gut gemacht. Es ist zwar immer ein Abwägen, ob man nicht doch mal das Tempo rausnimmt, aber "Kitz" hat sich konsequent für einen Weg entschieden und das funktioniert hier. Teilweise sah es auch so aus, dass in den sechs Episoden die Handlung auch abgeschlossen werden könnte, darauf wurde letztlich verzichtet, aber die Cliffhanger sind auch tatsächlich spannend gewählt. Demnach hat sich mir wirklich der Eindruck aufgedrängt, dass rein von der Stilistik her vieles richtig gemacht wurde.

Beim Inhalt habe ich schon die zahlreichen Klischees angesprochen, das war wirklich schade, denn wenn eine bestimmte Anzahl überschritten ist, dann sieht man sich unweigerlich bei einer Serie, die ein ernsteres Anliegen vertritt, mit dem Gedanken konfrontiert: wie ernst kann ich die Sache eigentlich nehmen? Ein einfaches Beispiel kann man auch daraus nehmen, dass Lisis und Hans' Eltern beide mit einem deutlichen Dialekt unterwegs sind, was auch als Ur-Österreicher sinnig ist, aber Lisi und Hans selbst sind offenbar aus Verstehensgründen sprachlich glattgebügelt worden. Da hätte ich mir doch gewünscht, dass wenigstens im Gespräch mit den Eltern auch völliges Sprechen im Dialekt angebracht gewesen wäre. So wirken die Eltern auch wieder unnötig klischeebehaftet, als müssten die gewöhnlichen Paare keinesfalls Hochdeutsch sprechen dürfen. Neben diesen ganzen verpackten Vorurteilen ist schließlich auch noch augenscheinlich, dass sich gewisse Logiklöcher eingeschlichen haben. Beispielsweise wenn Vanessa anhand eines Autos erkennt, dass ihr Freund und Lisi miteinander schlafen, obwohl es gar nicht ihr eigentliches Auto war und auch weitere Kleinigkeiten, die in einer so knapp erzählten Geschichte dann unweigerlich auffallen, weil man einfach merkt, dass einige Dinge passend gemacht werden mussten, um dort rauszukommen, wo man sie haben will.

Fazit

"Kitz" wird vermutlich die zweite Staffel noch bekommen und vielleicht ist inhaltlich dort auch tatsächlich noch etwas drin, wenn man sich endgültig von vielen Klischees verabschiedet, aber eine Gewissheit ist das leider nicht. Mit Staffel 1 gab es jedenfalls keine richtigen Sympathieträger*innen, die schauspielerische Leistung des Hauptcasts ist begrenzt und inhaltlich hat auch nicht immer alles gepasst. Jedoch hat das Erzähltempo gestimmt, das keine Gedankenpause zugelassen hat und damit die Serie irgendwie noch gerettet hat. Eine Serienempfehlung würde ich aber tendenziell auf eigene Gefahr aussprechen.

"Kitz" ansehen:

Lena Donth – myFanbase

Zur "Kitz"-Reviewübersicht

Kommentare