Jury Duty - Review Staffel 2

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Schon beinahe drei Jahre ist es hier, dass die experimentelle Comedyserie "Jury Duty" mich aus dem Nichts richtig begeistern konnte. Und nicht nur mich, sondern viele mehr, weil sie es auch zu den Awards-Show mit zahlreichen Nominierungen geschafft hat. Respekt. Danach war lange die Frage, wie man diese Show weiterführen kann, denn einfach eine Kopie mit einem anderen fiktiven Prozess, das hätte den Kern der Serie wohl nicht getroffen. Nun war es endlich soweit und wir erleben, was sich das Produktionsteam hat einfallen lassen und das ist "Jury Duty Presents: Company Retreat".

Foto: Jury Duty Presents: Company Retreat - Copyright: Amazon MGM Studios
Jury Duty Presents: Company Retreat
© Amazon MGM Studios

Schon die Promo für Staffel 2 hat mit der Frage gespielt, bekommen wir nochmal jemanden so reingelegt, dass es bis zum Ende nicht auffliegt, obwohl es sein könnte, dass Person X die Show aus Staffel 1 kennt? Ich war da aber von Anfang an sehr positiv eingestellt, denn ich kenne aus dem wesentlich beschaulicheren Deutschland (im Gegensatz zu den USA), wie weit das popkulturelle Wissen sich unterscheiden kann. Mal bin ich richtig erstaunt, welche Serien andere kennen, dann wiederum kann ich es nicht fassen, dass ich scheinbar etwas alleine gucke. Da muss der Effekt in den USA doch nochmal deutlich größer sein und da denke ich schon, dass "Jury Duty" eher eine Nische besetzt hat. Umgekehrt muss man auch sagen, dass die ganze erste Staffel Lee Eisenberg und Co. natürlich etwas geschenkt hat, was man nicht kaufen kann: Erfahrung. All diese kleinen Momente, in denen Staffel 1 beinahe gescheitert wäre, die konnte man ausbessern. Also war für mich viel entscheidender: Hat die Produktion für X erneut einen Typus wie Ronald Gladden finden können?

Betriebsausflüge kennt man auch in Deutschland, aber dass diese über mehr als zwei Tage andauern, das ist wohl eher selten, ist in den USA aber wohl deutlich normaler, sonst hätte diese zweite Staffel gar nicht funktioniert. Die Idee fand ich aber fantastisch und sie hat mir ehrlich gesagt sogar besser gefallen als die Idee mit den Geschworenen und dem fiktiven Prozess aus der Premierenstaffel. Denn ich hatte mich immer wieder dabei erwischt, dass für mich gar nicht wichtig war, wer da eigentlich angeklagt ist, welche Beweise gefunden wurden und welche Seite wie argumentiert. Es war im Endeffekt auch nicht wichtig, weil man Ronald beispielsweise durch die ständig einnickende Seniorin aus der Deckung locken wollte. Deswegen fällt in Staffel 2 auf, dass die entwickelten Rahmendrehbücher einen viel deutlicheren roten Faden haben. Alle Momente sind wichtig, sie alle tragen zu einem größeren Ganzen bei und sie erzeugen auch unter den Mitarbeitern der fiktiven Firma Rockin' Grandma's Hot Sauce mehr Verbundenheit. Ich kenne das selbst von Klassenausflügen, die über eine Woche andauerten, das im besten Falle untereinander etwas entstehen kann und das war hier definitiv auch der Fall. Auch wenn alle bis auf Anthony Norman gespielt haben, aber auch so eine Truppe profitiert von solchen Erlebnissen, um noch mehr Willen zu haben, den Zirkus bis zum Ende durchzuziehen.

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Ja, nach Ronald ist es gelungen, auch einen zweiten absoluten Glücksgriff zu tätigen. Anthony hatte mein Herz schnell erobert. Er funktioniert aus ähnlichen Gründen wie Ronald, weil auch er extrem empathisch ist und weil er sich wirklich mit seiner Aufgabe als Zeitarbeiter und dann Lieutenant bzw. Captain Fun identifizieren konnte. Als Neuling hätte er ein Außenseiter sein können, aber er hat sich schnell in die Gruppe eingefunden und er war sich nie zu schade, ein wertvoller Ratgeber und Cheerleader in diversen Situationen zu sein. Anthony und Ronald wirken aber dann doch sehr unterschiedlich, weil Letzterer in einen doch ernsten Rahmen gepackt wurde, während so ein Company Retreat noch viel freier ist. Es war echt herrlich, wie sich Anthony teilweise mit den Kollegen zusammengetan hat, um einfach Spaß zu haben. Das hat natürlich noch schneller nach außen gekehrt, wer er als Mensch ist. Das hat im entscheidenden Ausmaß dazu beigetragen, dass sehr offensichtlich Situationen entstanden sind, die kein Drehbuch der Welt vorausdenken konnte. Dementsprechend hat man die Schauspieler*innen doch mehrfach erwischen können, wie sie sich zusammennehmen müssen und das ist immer der beste Beweis, dass man gerade richtig gutes TV macht.

Foto: Marc-Sully Saint-Fleur & Anthony Norman, Jury Duty Presents: Company Retreat - Copyright: Amazon Content Services LLC; Courtesy of Prime
Marc-Sully Saint-Fleur & Anthony Norman, Jury Duty Presents: Company Retreat
© Amazon Content Services LLC; Courtesy of Prime

Die erste Episode war im Nachgang eher etwas lahm, weil man ihr angemerkt hat, dass sie am meisten gescriptete Szenen ohne Anthony hat, damit wir als Zuschauerschaft die Beziehungen untereinander verstehen. Das wirkt dann schon fast wieder unnatürlich, weil man mit dem Konzept ja weiß, dass es um ganz andere Momente geht. Aber ich habe es in Gesamtschau der Staffel nicht verurteilt, denn es war sinnig und hat durchaus auch geholfen. Aber die Staffel funktioniert im Retreat am besten, weil auf engem Raum zu Gruppenaktivitäten und Pflichtseminaren gebracht zu werden, das erzeugt unweigerlich Humor. Gerade bei den Seminaren muss ich auch sagen, dass aktuelle Themen genial eingebunden wurde. Gerade das Gespräch um das Signalwort, um Unbehagen am Arbeitsplatz äußern zu können, war regelrecht genial und hat auch im Anschluss mit Porcupine ('Stachelschwein') für einige höchst amüsante Momente gesorgt. Genauso unterhaltsam waren aber auch die ganzen Bemühungen von Dougie (Alex Bonifer), um sich als neuer CEO der Firma zu beweisen. Bonifer hat es geschafft, schnell eine emotionale Bindung zu Anthony aufzubauen, sodass sich dieser ihm ebenso schnell verpflichtet wurde. Obwohl auch er gemerkt haben muss, wie viele Fettnäpfchen Dougie mitnimmt, war er dennoch extrem loyal und ein echter Wingman. Es gab auch wieder die Gemeinschaftsszenen, mit denen bewusst damit gespielt wird, dass vermeintlich eine Doku gedreht wird. In denen, aber auch in genug anderen Szenen war es auch herrlich, Anthony Gesichtsausdrücke zu studieren. Er ist extrem expressiv und dann auch noch schlagfertig, sodass es irgendwann sogar so wirkte, als wäre er doch auch eingeweiht. Aber nein, er ist einfach adaptiv ein extremes Geschenk.

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Nach der gelungenen Überraschung mit Gastauftritt von Sia (die wahrscheinlich ein wenig der James Marsden-Ausgleich war), ging es dann dem großen Finale immer näher. Auch wenn die Drehbücher es vorgesehen haben, dass Anthony das Kleinunternehmen vor einer Übernahme rettet, so kann man das sicher aber keineswegs planen. Natürlich wurde er in die entsprechende Richtung dirigiert, aber die finale Auflösung hat für mich dann unterstrichen, dass man Charakterzüge hat oder nicht und so selbstbewusst wie Anthony reingeplatzt ist und seine Ansprache gehalten hat, davon konnte man echt nichts planen. Nachdem also der Deal abgewendet war, konnte Anthony dann auch eingeweiht werden. Auch wenn es wieder extrem spannend war, die Vorbereitungen Monate davor, kleine Pannen zwischendurch und den Kontrollraum zu sehen, so ging doch nichts über die eigentliche Enthüllung, die einen Großteil des Casts sehr emotional gemacht hat. Sie mussten im Vorfeld so viel proben, um teilweise wie Kollegen von 20 Jahren zu wirken, aber sie wussten nicht, was Anthony ergänzt und so war es auch für sie alle eine Erleichterung, dass er dazu beigetragen hat, dass sie eine kleine Familie wurden. Und obwohl es eine Comedyserie ist, musste ich da dann doch meine Emotionen in den Griff kriegen, denn wie schon in Staffel 1 ist es echt gelungen, echt etwas fürs Herz zu inszenieren.

Foto: Jury Duty Presents: Company Retreat - Copyright: Amazon Content Services LLC; Courtesy of Prime
Jury Duty Presents: Company Retreat
© Amazon Content Services LLC; Courtesy of Prime

Fazit

"Jury Duty Presents: Company Retreat" hat für mich die starke erste Staffel in jedem Fall bestätigt. Ich fand es durch die familiären Strukturen emotional sogar noch einnehmender, aber eigentlich will ich die beiden Staffeln auch gar nicht zu sehr gegeneinander abwiegen, weil sie mir beide viel geschenkt haben. Humor und Herz sind hier einfach einen fetten Deal eingegangen und es war wieder eine fantastische Unterhaltung!

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Lena Donth - myFanbase

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