Euphoria - Review Staffel 2

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"Euphoria" bewies sowohl in seiner Pilotfolge, als auch im Verlauf der gesamten ersten Staffel, dass es sich hier nicht um eine Wohlfühl-Serie handelt. Und genau mit dieser Prämisse – nämlich kompliziert, überspitzt und düster zu sein – unterstreicht die Serie auch in Staffel 2 ihre Grundpfeiler.

Foto: Angus Cloud, Euphoria - Copyright: Eddy Chen/HBO
Angus Cloud, Euphoria
© Eddy Chen/HBO

In Staffel 1 lernten wir Hauptcharakter Rue kennen, ein Mädchen, das sich am Rand der Drogenabhängigkeit befindet und in ihrem Leben kleine Rettungsanker sucht, um der Sucht nicht wieder zu verfallen. Ihr zu Seite stellte man Fezco, Jules, Cal, Nate, Maddy, Cassie, Lexi und Kat, jeder mit seinem eigenen Päckchen, das für ordentlich Furore sorgt. Die Geschichte von Staffel 2 ist von der ersten Sekunde an klar: Rue am Abgrund des Rückfalles. Ja, auch die anderen Figuren haben ihre Daseinsberechtigung und tragen zum Unterhaltungswert der Serie bei, doch "Euphoria" funktioniert dann am besten, wenn es seinen Fokus auf Rue legt.

Foto: Barbie Ferreira, Euphoria - Copyright: Eddy Chen/HBO
Barbie Ferreira, Euphoria
© Eddy Chen/HBO

Es ist spannend zu sehen, wie Zendaya ihre Rolle in dieser Staffel in Szene setzt und neue Facetten an Rue aufzeigt. Sie ist dieses Mal um einiges härter als in der letzten Staffel, da ihr einziges Ziel darin liegt, ihren Rückfall vor allen anderen zu verbergen. Wir sehen Rue daher bereits im Staffelauftakt in einer äußerst bedrohlichen Situation, als sie sich bei einer Konfrontation von Fezco und Laurie zwischen den Stühlen wiederfindet und aufgrund ihres zugedröhnten Zustandes vollkommen irrational reagiert. Wir sehen sie auch, wie sie vor ihren großen Liebe Jules eine Lüge lebt und wie sie schließlich zu sich selbst zurückfindet und Zuflucht in ihrer Freundschaft mit Lexi findet. Eine Bereicherung ist auch der Neuzugang Elliot, der wunderbar mit Rue und Jules harmoniert. All das sind wunderbare Momente, die gleichermaßen Schrecken hervorrufen und einen tief berühren können.

Foto: Dominic Fike, Euphoria - Copyright: Eddy Chen/HBO
Dominic Fike, Euphoria
© Eddy Chen/HBO

Um Rue herum bebt es in Staffel 2, da die Beziehung von Nate und Maddy in Trümmern liegt, Cals Leben eine einzige Abwärtsspirale ist, Kat sich vor der Beziehung mit Ethan drückt und Jules an der Liebe zu Rue festzuhalten versucht. Da die Serie um Rue aufgebaut ist, bekommen wir hier immer nur Bruchstücke zu sehen, doch auf diese Erzählweise stellt man sich im Lauf der Staffel ein. Jede Figur darf ihre harten und weichen Seiten zeigen, jede darf und muss aufgrund ihrer Probleme wachsen. Dabei ist dieses Wachstum oft scharfkantig umrissen und wird mit einer rohen Brutalität dargestellt, die beim Zuschauen unangenehm sein kann. Beispielsweise haben wir da den von Eric Dane gespielten Cal, dessen Vorgeschichte durch Flashbacks offengelegt wird und zu dessen konfusen Liebesleben wir plötzlich einen sanften Einblick bekommen.

Foto: Euphoria - Copyright: Eddy Chen/HBO Max
Euphoria
© Eddy Chen/HBO Max
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Ein Hauptproblem aller Figuren ist es, sich nicht an gängige Standards zu halten und trotzdem als gute Menschen angesehen werden zu wollen. Nehmen wir da beispielsweise Fezco. Auf den ersten Blick ist er ein stupider Drogendealer, doch schaut man unter die Oberfläche, dann entdeckt man, wie er in diesen Job gedrängt wurde, wie ihm Verantwortung aufgezwungen wurde und wie er trotz seines fragwürdigen Daseins versucht, Rue ein guter Freund zu sein und sich eine Beziehung mit der bodenständigen Lexi aufzubauen. Die Serie lebt von solchen schwierigen Momenten, in denen sie uns die Schattenseiten der Figuren aufzeigt und durch ein Zwielicht auf sie gleichzeitig anmerkt, dass sie Glück verdient haben.

Foto: Maude Apatow, Euphoria - Copyright: Eddy Chen/HBO
Maude Apatow, Euphoria
© Eddy Chen/HBO

Ein Handlungsstrang, der die zweite Staffel unheimlich stark macht, ist das Theaterstück von Lexi. Es hat seinen Ursprung bereits in den frühen Folgen der Staffel und man baut stetig die Spannung auf, bis man es dann in einer Schulaufführung gipfeln lässt, bei der sich die Serie selbst zur Parodie macht. Hier hält man uns noch einmal die schönen Freundschaften und schmerzhaften Verluste der Figuren vor Augen. Dieser ungeschönte Blick auf sich selbst und wie man von der Außenwelt wahrgenommen wird, ist herrlich und verstörend zugleich. Besonders spannend ist dabei, dass in Lexis Stück jede Figur ihr Fett weg krieg. Während Cassie und Nate mit Leugnen reagieren, feiert Rue diese unverblümte Bühnenshow ihres Lebens, was der Freundschaft mit Lexi neuen Tiefgang verleiht.

Foto: Storm Reid, Euphoria - Copyright: Eddy Chen/HBO
Storm Reid, Euphoria
© Eddy Chen/HBO

Während mir die Unverfrorenheit der Serie gefällt, muss ich aber auch ihr Unvermögen kritisieren, nachhaltig an der Weiterentwicklung einer Figur festzuhalten. Wie bereits erwähnt existiert die Serie um Rue herum, weshalb die anderen Charaktere immer nur punktuell in den Vordergrund treten dürfen. So hat man das Gefühl, dass Cassie steif an ihrer überhasteten Liebe zu Nate festhält, ohne dabei nach links und rechts zu sehen und der jahrelangen Freundschaft mit Maddy Tribut zu zollen. Genau so ergeht es einem mit Maddy, an deren Gefühlswelt man – wenn überhaupt – nur an der Oberfläche kratzt. Was ist es, was sie antreibt? Liebe? Besitzansprüche? Neid?

Foto: Maude Apatow, Euphoria - Copyright: Eddy Chen/HBO Max
Maude Apatow, Euphoria
© Eddy Chen/HBO Max

Man legt in Staffel 2 einen schon fast liebevollen Fokus auf Fezco und zeigt ihn sowohl in Umgang mit Rue, Cal, Lexie und Faith von einer fürsorglichen Seite. Im Gegensatz dazu steht sein kleiner Bruder Ashtray, der die Kaltblütigkeit in Person bleibt. Diese konträre Weiterentwicklung der Figuren sorgt für ein paar äußerst dramatische finale Szenen mit einer Schießerei, in der keine Gefangenen gemacht werden.

Foto: Javon Walton, Euphoria - Copyright: Eddy Chen/HBO Max
Javon Walton, Euphoria
© Eddy Chen/HBO Max

Die Staffel endet in Bezug auf Rue auf einem sehr versöhnlichen Ton. Sie hat in diesen Folgen viel durchgestanden, gefühlt jede Beziehung auf Spiel gesetzt und aufgezeigt, wie stark der Tod ihres Vaters sie traumatisiert hat. Es ist erstaunlich, wie positiv man diesem schwierigen Charakter über gestimmt ist und wie sehr man jedes Mal wieder hofft, dass man Rue ihre Fehltritte verzeihen kann.

Fazit

Unumstritten wird "Euphoria" nie eine Serie sein, die man sich anschaut, um ein wenig Leichtigkeit zu verspüren. Die Serie lebt von niederschmetternden Erlebnissen und hüllt ihre Figuren in einen Schutzmantel aus Überspitztheit, um mit den Schattenseiten des Lebens fertig zu werden. Darauf versteht man sich auch in Staffel 2 äußerst gut.

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Marie Müller - myFanbase

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