DVD-Rezension: Downton Abbey, Staffel 1

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Das britische Kostümdrama "Downton Abbey" startete im Herbst 2010 auf dem öffentlichen Fernsehsender ITV und avancierte rasch zu einem der beliebtesten Serienformate des Landes, sowohl bei den Zuschauern als auch bei den Kritikern. Auf dem internationalen Parkett ließ der große Erfolg ebenfalls nicht lange auf sich warten und gipfelte 2011 unter anderem in einem Emmy-Gewinn in der Kategorie "Beste Miniserie". In Deutschland flimmerte die Serie erstmals im Sommer 2011 auf dem Bezahlsender Sky Cinema über die TV-Bildschirme.

Inhalt

Foto: Downton Abbey - Copyright: 2011 Universal Pictures
Downton Abbey
© 2011 Universal Pictures

Auf dem idyllischen Aristokratenlandsitz Downton Abbey droht das streng geregelte Leben der Familie Crawley mit einem Schlag aus den Fugen zu geraten, als der designierte Erbe des Familienbesitzes beim Untergang der Titanic auf tragische Weise ums Leben kommt. Den residierenden Hausherrn und seine amerikanische Gemahlin, Graf Robert (Hugh Bonneville) und Gräfin Cora (Elizabeth McGovern), bringt diese Hiobsbotschaft in eine missliche Lage, da laut Erbfolgevertrag nur ein männliches Familienmitglied rechtmäßigen Anspruch auf das prachtvolle Anwesen hat. Für die Zukunft von Downton Abbey und jene ihrer drei Töchter - Mary (Michelle Dockery), Edith (Laura Carmichael) und Sybil (Jessica Brown Findlay) - gilt es somit dringend, eine Lösung zu finden. Dass ausgerechnet der entfernte Cousin Matthew (Dan Stevens), ein Mittelklasse-Anwalt aus Manchester ohne jegliches Interesse an einem gesitteten Landleben, künftig in die Rolle des Gutsherrn schlüpfen soll, verkompliziert die ganze Angelegenheit erst recht. Währenddessen sorgt bei den Bediensteten des Hauses das Auftauchen von John Bates (Brendan Coyle), einem humpelnden neuen Kammerdiener mit zwielichtiger Vergangenheit, für große Unruhe. Es scheint, als stünden nicht nur in den gehobenen Kreisen die Zeichen auf Veränderung.

Rezension

Foto: Downton Abbey - Copyright: 2011 Universal Pictures
Downton Abbey
© 2011 Universal Pictures

Es bedarf wahrlich keiner außergewöhnlichen Fähigkeiten, um zu erkennen, warum sich die erste Staffel von "Downton Abbey" in Großbritannien als echter Publikumsmagnet erwiesen hat. Dem Oscar-prämierten Serienschöpfer Julian Fellowes ("Gosford Park") ist es innerhalb von nur sieben Folgen gelungen, ein mitreißendes Familienepos zu schaffen, das gleichzeitig als Sittenbild des ausklingenden Edwardianischen Zeitalters fungiert. Vor der imposanten Kulisse des titelgebenden Landsitzes taucht man in das Alltagsleben zweier gesellschaftlicher Schichten ein, wie sie auf den ersten Blick unterschiedlicher nicht sein könnten. So ist die Aristokratenfamilie Crawley in erster Linie von Zukunftsängsten rund um ihr Vermögen geplagt, während die Heerschar von Bediensteten für den reibungslosen Ablauf aller notwendigen Haushaltstätigkeiten Sorge zu tragen hat. Schon bald wird jedoch deutlich, dass in Zeiten des politischen und technologischen Umbruchs beide Seiten vor denselben Herausforderungen stehen und sich mit denselben universellen Themen des Zusammenlebens - Liebe und Hass, Macht und Intrigen - herumzuschlagen haben. Untermalt wird der gelungene Ausflug in die ereignisreichen Monate zwischen April 1912 und August 1914 mit allerhand malerischen Landschaftsaufnahmen und einem elegischen Score aus der Feder von Komponist John Lunn.

Foto: Michelle Dockery, Downton Abbey - Copyright: 2011 Universal Pictures
Michelle Dockery, Downton Abbey
© 2011 Universal Pictures

Neben dem beeindruckenden Setting ist es vor allem die schauspielerische Leistung aller Beteiligten, die "Downton Abbey" auszeichnet. Trotz der im Vergleich zu den meisten US-Formaten geringen Episodenzahl schafft es jeder der nicht weniger als 18 Hauptdarsteller, bis zum Ende der Staffel in zumindest einem Handlungsstrang einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen - vom Jungstar Sophie McShera als unbeholfene Küchenhilfe Daisy bis hin zur Grande Dame Maggie Smith in der Rolle der Altgräfin Violet. Letztere ist es auch, die der Serie ein gesundes Maß an Humor verleiht, wartet sie doch mit einem denkwürdigen Einzeiler nach dem anderen auf. Was die Charakterzeichnung betrifft, bleibt in Anbetracht des großen Casts naturgemäß nicht die Zeit, innerhalb von nur sieben Folgen jeder einzelnen Figur sonderlich viel Tiefe zu geben. Für dieses Problem haben die Drehbuchautoren allerdings eine recht gute Lösung gefunden, indem sie die grundsätzlichen Wesenszüge der Charaktere gleich bei ihrem ersten Auftauchen unverkennbar zum Ausdruck gebracht haben, sei es bei der missgünstigen mittleren Crawley-Tochter Edith, dem gutherzigen Hausmädchen Anna (Joanne Froggatt) oder dem intriganten Lakaien Thomas (Rob James-Collier). Einzig die zu Beginn unnahbar wirkende älteste Crawley-Tochter Mary und der mysteriöse neue Kammerdiener Mr. Bates durchleben im Laufe der Staffel eine ganz beachtliche Entwicklung, was sie zweifellos auch zu den beiden Highlight-Figuren macht.

Foto: Brendan Coyle, Downton Abbey - Copyright: 2011 Universal Pictures
Brendan Coyle, Downton Abbey
© 2011 Universal Pictures

Handlungstechnisch erfindet "Downton Abbey" das Rad gewiss nicht neu und konzentriert sich vorwiegend auf diverse zwischenmenschliche Dramen, welche gelegentlich um ein eher gesellschaftspolitisch motiviertes Nebengeschehen ergänzt werden. Auch wenn die Serie im Umgang mit den Themen Liebe und Intrigen ab und an fast schon in seifenopernhafte Gefilde abzudriften droht, tut diese offenbar bewusst gewählte Leichtigkeit im Erzählton dem hohen Unterhaltungswert keinen Abbruch. Vielmehr liegt darin sogar eine mögliche Erklärung für die Tatsache, dass Julian Fellowes' Kostümdrama mehr Zuschauer vor die Bildschirme locken konnte als beispielsweise das inhaltlich wesentlich anspruchsvollere 50er-Jahre-Drama "The Hour". Unterm Strich ist "Downton Abbey" nämlich nichts anderes als ein sehr zugängliches und somit massentaugliches Historienformat, das seine Anhängerschaft für einige Stunden in eine längst vergangene Zeit entführt, ohne dass man allzu viel darüber nachdenken muss. Wer sich das vor Augen hält, wird von den turbulenten Ereignissen im Leben der Familie Crawley und ihrer Bediensteten sicherlich bestens unterhalten werden.

Specials

Foto: Downton Abbey - Copyright: 2011 Universal Pictures
Downton Abbey
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An Bonusmaterial hat die DVD-Box zur ersten Staffel von "Downton Abbey" neben einigen gelöschten Szenen zwei rund zehnminütige Specials zu bieten, die dem Zuschauer einen Blick hinter die Kulissen des britischen Erfolgsformats ermöglichen. Während sich der eine Beitrag hauptsächlich Highclere Castle, dem Hauptdrehort der Serie, widmet, stehen im anderen die Handlung sowie die Charaktere im Mittelpunkt. Interessante Hintergrundinformationen über den Drehalltag liefern zudem die Audiokommentare zu den beiden Auftaktepisoden, in denen neben Serienmacher Julian Fellowes auch Drehbuchautoren und Produzenten zu Wort kommen. An dieser Stelle sei vielleicht noch auf den etwas bedauerlichen Umstand hingewiesen, dass sich die ursprünglich sehr gehobene Ausdrucksweise der Charaktere nur recht selten in der deutschen Synchronisation widerspiegelt. All denjenigen, die der englischen Sprache halbwegs mächtig sind, sei daher unbedingt der Originalton ans Herz gelegt.

Technische Details

Foto: Copyright: 2011 Universal Pictures
© 2011 Universal Pictures

Erscheinungstermin: 13. Oktober 2011
FSK: ab 6 Jahren
Laufzeit: 362 Minuten (7 Episoden)
Bildseitenformat: 16:9 - 1.77:1
Sprache: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)
Untertitel: Deutsch, Englisch

Fazit

"Downton Abbey" weiß die gesamte erste Staffel über gut zu unterhalten, was der Serie völlig zu Recht eine Vielzahl an nationalen und internationalen Auszeichnungen beschert hat. Auch wenn in puncto Handlung stellenweise etwas mehr Tiefgang durchaus wünschenswert gewesen wäre, trösten die unvergleichliche Optik sowie die souveräne schauspielerische Darbietung letztlich gekonnt über so manch genretypisch-klischeehaften Moment hinweg. Nicht zuletzt dank einiger informativer Extras lohnt sich die Anschaffung der DVD-Box zu diesem stimmigen britischen Kostümdrama.

Willi S. - myFanbase

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