A Knight of the Seven Kingdoms - Review Staffel 1

Als Newbie in der Welt von "Game of Thrones" ist es wahrscheinlich nicht schlecht mit einer Serie wie "A Knight of the Seven Kingdoms" anzufangen. Die Geschichte ist in sich relativ abgeschlossen und dennoch gibt es ausreichend Anspielungen auf die Welt von Westeros. Wir lernen Vertreter der Baratheons und Targaryens kennen und können dabei ein Gefühl dafür bekommen, in welche Intrigen und Machtspiele diese berühmten Familien wohl in der Mutterserie involviert waren, ohne allzu tief dort einzusteigen. Denn "A Knight of the Seven Kingdoms" ist deutlich bodenständiger als die anderen Produktionen des "Game of Thrones"-Franchises. Hier geht es nicht um die große Politik, sondern um das Leben der gewöhnlichen Menschen, die wortwörtlich im Dreck um ihr Überleben kämpfen müssen.

© Steffan Hill/HBO
Der Fokus von "A Knight of the Seven Kingdoms" liegt aber eindeutig auf Dunk (Peter Claffey) und seinem Wunsch, als Ritter anerkannt zu werden. Nach der Auftaktepisode war ich noch unsicher, ob mich diese Geschichte packen würde und auch rückblickend muss ich sagen, dass die ersten Episoden wirklich ein sehr langsames Erzähltempo hatten. Man hat sich sehr viel Zeit gelassen, die einzelnen Figuren und ihre Intentionen, vor allem aus Dunks Perspektive, vorzustellen und auch wenn die Serie die ein oder andere Überraschung bereit hielt, war es doch erst ab dem Ende von Episode 3, dass die Geschichte so richtig Fahrt aufgenommen hat. Und ab dem Zeitpunkt stand ich dann auch voll und ganz hinter den Hauptfiguren und ihren Motiven und die Antagonisten waren klar abgesteckt. Man muss also ein wenig Geduld bewahren, aber wenn man dieser Serie eine Chance gibt, dann lohnt es sich in jedem Fall. In der schnelllebigen Zeit von heute ist es vielleicht auch mal ganz gut, wenn eine Geschichte langsam aufgebaut und die Charaktere und ihre Motivation sauber herausgearbeitet werden. Ich frage mich bloß, ob die Masse an Serienfans da draußen bei der schier nicht enden wollenden Auswahl an neuen Produktionen eine solche Geduld noch aufbringt. Da dürfte es der Serie zugute gekommen sein, dass die Figuren von Dunk und Egg zu den beliebtesten in der Welt von Westeros zählen. Sie haben schon durch die Bücher eine sehr große Fangemeinde um sich gescharrt, die sicherlich neugierig genug war, wie die Geschichte interpretiert wurde. Zumal man mit der Serie wohl sehr nah an der Buchvorlage geblieben ist, dort also auch erstmal alle wichtigen Figuren etabliert werden, bevor die Action beginnt.

© Steffan Hill/HBO
Spätestens ab Folge 3, wenn Dunk sich nicht mehr nur an den Hürden abarbeitet, die die Anerkennung als Ritter mit sich bringen, sondern seine ritterlichen Qualitäten ganz selbstlos erstmals unter Beweis stellt, wird man als Zuschauer*in gepackt. Seine Flirts mit der Puppenspielerin Tanselle (Tanzyn Crawford) sind für HBO-Verhältnisse fast schon zu unschuldig, aber als er dann nicht nur ihre Ehre, sondern direkt ihr Leben verteidigen muss und will, erkennt man die Leidenschaft, die in ihm brennt. Er kann das Unrecht, das ihr widerfährt, einfach nicht tatenlos mitansehen und dabei ist es ihm egal, wer seine Kontrahenten sind. Sich direkt mit den mächtigsten Figuren in dieser Geschichte anzulegen, war sicherlich nicht sehr weise, aber eine Mischung aus blinder Wut und einer Art von Zivilcourage, für die Schwächeren einzustehen, macht schließlich den Mann aus ihm, auf den man stolz sein kann und mit dem man in den darauffolgenden Episoden mitfiebert. Der so unscheinbare Dunk, der bisher eigentlich nur durch seine Größe, aber nicht durch seine Taten aufgefallen ist, steht plötzlich im Fokus aller Aufmerksamkeit. Es ist nicht verwunderlich, dass er in Raymun Fossoway (Shaun Thomas) schnell einen guten Freund findet, der nicht nur gerne in seiner Gesellschaft ist, sondern nach den Ereignissen am Ende von Episode 3 auch so hinter ihm steht, dass er sogar sein Leben für Dunk geben würde.

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Parallel dazu bleibt sein junger Begleiter Egg (Dexter Sol Ansell) in dieser ersten Staffel noch etwas farblos. Die große Enthüllung, die ebenfalls in Episode 3 stattfand, habe ich schon etwas vorhergesehen, denn die Art und Weise wie er den Targaryens und der Königsgarde immer wieder ausgewichen ist, war schon recht früh in der Geschichte klar, dass er irgendetwas mit ihnen zu tun haben muss. Dass er von Anfang an immer wieder gelogen hat, war leicht zu erkennen und dass sich das auch durch die weitere Geschichte ziehen würde, fand ich nicht sonderlich überraschend. Mich hätte vielmehr interessiert, warum er seinen älteren Bruder so sehr hasst, dass er ihm wiederholt den Tod wünscht. Ich hoffe, dass man dieser Geschichte in Staffel 2 noch mehr auf den Grund geht. Abgesehen davon ist das Zusammenspiel zwischen Dexter Sol Ansell und Peter Claffey wirklich eine wahre Freude. Man ist sich nicht immer so ganz im Klaren darüber, wer für wen das Vorbild ist. Egg bringt für sein Alter schon einen großen Erfahrungsschatz mit, aber genauso kann er von Dunks Bodenständigkeit lernen.
Die zweite Staffelhälfte von "A Knight of the Seven Kingdoms" ist deutlich kurzweiliger, was sich auch in der Episodenlänge von jeweils nur gut 30 Minuten widerspiegelt. Dazu kommt mehr Action aber auch Brutalität. Dabei verliert die Serie aber dennoch nicht den Humor, der mir schon in Folge 1 aufgefallen ist. Fand ich einige der Gags zu Beginn der Serie noch etwas zu übertrieben und zum Augenrollen musste ich zum Ende hin feststellen, dass sie doch der nötige Comic Relief waren, die die Serie gebraucht hat. So mancher Moment oder Spruch nahmen der Handlung ihre Schwere, was der Geschichte sicher gut getan hat. Dadurch wurde auch noch mal deutlicher, dass wir es hier mit "normalen" Menschen zu tun haben, deren Leben nicht immer leicht ist und die teilweise auch unter den Konsequenzen der Entscheidungen der großen Häuser von Westeros zu leiden haben.

© Steffan Hill/HBO
Meine Feststellung in der Pilotreview, dass die anderen Hauptfiguren neben Dunk und Egg noch etwas blass bleiben, zieht sich allerdings durch die gesamte Serie. Lyonel Baratheon (Daniel Ings), Raymun Fossoway (Shaun Thomas), Aerion (Finn Bennett), Maekar (Sam Spruell) und Baelor Targaryen (Bertie Carvel) sind zwar alle nicht unbedeutend und spielen im weiteren Verlauf der Serie jeweils eine mehr oder weniger wichtige Rolle für die Entwicklung der Geschichte, aber sie bleiben allesamt auch noch recht grob geschnitzt. Sie haben ein bis zwei Charakterzüge, die ihr Handeln bestimmen - seien es die Auflockerung bei Speis und Trank, das Mut zusprechen und wichtige Verbindungen in den Kreisen der Ritter oder der sehr konträre Umgang mit Macht und Verantwortung. Alles in allem dienen sie aber jeweils nur dem Zweck, Dunk in seiner Entwicklung weiterzubringen, einerseits durch ihren Einfluss oder Vorbildcharakter, anderseits weil sie das Gegenteil davon sind, was Dunk in seinem Leben erreichen möchte. Er befindet sich nach wie vor auf einem Weg der Selbstfindung und dabei ist es hilfreich zu sehen, was erstrebenswert ist und was auch eher nicht. Es zeigt sich auf jeden Fall recht deutlich, dass es nicht jedem Charakter gut tut, mit dem goldenen Löffel aufzuwachsen, sondern das einfache Leben und der Kampf ums Überleben einen viel mehr prägen und vielleicht auch zu einem besseren Menschen machen können.

© Steffan Hill/HBO
Diese erste Staffel von "A Knight of the Seven Kingdoms" hat einen runden Abschluss, wirkt aber dennoch nur wie der Auftakt zu einer noch größeren Geschichte. Eigentlich legt sie nur den Grundstein der Geschichte von Dunk und Egg und man darf gespannt sein, wohin der gemeinsame Weg sie nun führen wird. Sie werden sicher in viele weitere Abenteuer stolpern, was alleine schon durch Dunks Tollpatschigkeit oder Unbeholfenheit so kommen muss. Und Egg wird seinen Teil dazu beitragen, ihn entweder durch sein vorlautes Verhalten in Schwierigkeiten zu bringen oder ihm durch seine Kenntnis des Königreichs eines Tages noch das Leben zu retten. So oder so bietet diese Grundlage noch viel Potential weiterentwickelt zu werden.
Fazit
Man muss sich einige Episoden lang in Geduld üben, bis "A Knight of the Seven Kingdoms" an Fahrt aufnimmt, aber mit Blick auf die frühzeitige Verlängerung um Staffel 2 ist es vielleicht ganz gut, dass man sich hier die Zeit nimmt, den Grundstein für die Geschichte zu legen. Dunk entwickelt sich schon bald zu einer Hauptfigur, mit dessen Schicksal man mitfiebert und -leidet, und auch Egg bietet noch spannendes Entwicklungspotential.
Die Serie "A Knight of the Seven Kingdoms" ansehen:
Catherine Bühnsack - myFanbase
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