Bewertung: 5

Review: #5.21 Ein Prozent

Foto: Christine Baranski, Good Wife - Copyright: Paramount Pictures
Christine Baranski, Good Wife
© Paramount Pictures

In der vorletzten Folge der laufenden Staffel werden üblicherweise die Weichen für das große Finale gestellt. Nur so ganz will hier der Funke noch nicht überspringen. Im Machtkampf um die Führung bei Lockhart/Gardner spitzt sich jedoch die Lage für Diane weiter zu und verspricht aktuell die meiste Spannung, während die Entwicklung bei Peter und Alicia doch ein wenig platt daher kommt.

"You have changed." – "Yes, I have."

Diane hatte zuletzt einen schweren Stand bei Lockhart/Gardner. Obwohl es immer noch ihr Name ist, der an der Tür steht, sägen David Lee und inzwischen auch Louis Canning ganz gehörig an ihrem Stuhl. Bezeichnend ist dabei einmal mehr das Verhalten von David, der wie üblich sein Fähnchen nach dem Wind hängt solange es zu seinem Vorteil weht. Von Diane gerade noch davon überzeugt, die Anwältin Rayna Hecht mitsamt ihrer vielversprechenden Massenklage an Bord zu holen, schlägt er sich nach deren Absage direkt wieder auf die Seite von Canning. Mit solchen Partnern lässt sich natürlich alles andere als vertrauensvoll arbeiten und Diane muss jetzt gehörig aufpassen, dass ihr die eigene Firma nicht aus den Händen gleitet. Verlassen kann sie sich aktuell eigentlich nur noch auf Kalinda, die ihr treu zur Seite steht und die wichtigen Informationen verschafft. Doch hinkt sie damit Canning & Co. bisher doch eher immer einen Schritt hinterher. In diesem Zusammenhang will ich auch noch einmal auf die Affäre von Kalinda und Cary eingehen. So sehr Kalinda auch Diane verbunden ist, was ich grundsätzlich lobenswert und durchaus auch sympathisch finde, so missfällt mir aber auch, wie sie immer wieder andere Personen in ihrem persönlichen und mitunter auch vertrauensvollen Umfeld ausnutzt. Wäre Kalinda nicht gerade im Bett mit Cary gewesen, hätte sie den Anruf von Rayna erst gar nicht mitbekommen. Genauso gut, hätte sie dies auch für sich behalten können, aber sie hat diese Information Diane zukommen lassen und damit Cary einmal mehr bloßgestellt. Mir gefällt dabei auch nicht, wie die Autoren Kalinda dauerhaft Sex als Mittel zum Zweck einsetzen lassen. Grundsätzlich habe ich gar nichts dagegen einzuwenden, Kalinda eine zwielichtige Seite zu verpassen, aber nicht immer wieder auf die gleiche Art und Weise. Im selben Moment wirft dies außerdem auch kein gutes Licht auf Carys Charakter, der inzwischen nun wirklich gelernt haben sollte, dass er Kalinda keine geheimen Informationen die Arbeit betreffend anvertrauen sollte. So naiv ist diese Figur doch normalerweise nicht angelegt. Mit der Information von Kalinda stürmt Diane also verständlicherweise wütend zu Florrick/Agos, nur um zu erkennen, dass sie einmal mehr aus den eigenen Reihen manipuliert wurde. Das tut mir für sie persönlich wirklich leid, hat sie im Verlauf der aktuellen Staffel bereits so viele Rückschläge und Niederlagen einstecken müssen. Das scheint auch Alicia so zu empfinden, die ihr sogleich ihre Hilfe anbietet. Cary hingegen scheint das ganz anders zu sehen, denn für mein Empfinden hat er Diane doch recht brüsk abgewiesen bzw. mit seinem Hinweis an Alicia, das wäre Dianes Kampf und nicht ihrer, die Grenzen klar gezogen. Mit der Abspaltung von Lockhardt/Gardner und der Gründung von Florrick/Agos hat Cary zumindest in beruflicher Hinsicht an Selbstvertrauen gewonnen, das er natürlich haben kann, schließlich steht auch sein Name an der Tür. Von Diane will er sich auf jeden Fall nicht mehr reinreden lassen und mit der beruflichen Vergangenheit endgültig brechen.

Ein zweites großes Thema war natürlich noch alles rund um Peter, Alicia und Eli. Dabei war zunächst einmal interessant zu sehen, wie schnell sich Peter doch von dem von James Castro präsentierten Foto aus der Ruhe bringen lässt. Ein Wasserglas schüttet man nicht mal so eben über den Bezirksstaatsanwalt. Meines Erachtens spielen dabei zwei Punkte eine Rolle. Peter hat mit seiner Liebe zu Alicia noch nicht abgeschlossen und ist auf Finn eifersüchtig. Und zum Anderen ist es in diesem Zusammenhang auch irgendwie nachvollziehbar, dass man den vermeintlichen Liebhaber seiner Frau nicht auch noch im Wahlkampf unterstützen will. Natürlich ist hier auch schnell eine Parallele zu Will und Alicia gezogen. Will war für Peter stets ein rotes Tuch und die Unterstützung von Peter war ihm nie gewiss. Da blitzt einmal mehr Peters Anspruchsdenken in Sachen Alicia auf, die für ihn auch immer eine Vorzeigefrau war und noch zu sein scheint, egal ob Liebe von ihrer Seite im Spiel ist oder nicht. Im Prinzip führt er sein angebliches Anrecht auf und über Alicia aber auch gleich selbst ad absurdum, weil er mit seinem Flirt mit der jungen Mitarbeiterin Lauren, der letztendlich in der finalen, nahezu eindeutigen, wenn auch (bildlich) offen gehaltenen Schlussszene gipfelt. Diese Doppelmoral sehen wir bei Peter ja nicht zum ersten Mal und macht es einmal mehr schwer, ihn als Charakter wirklich zu mögen. Peter jedoch hat Eli zum wiederholten Mal gehörig unterschätzt. Vielleicht ist das sogar eine kleine Parallele zu Cary, denn dass sich Eli quasi ohne Begründung für den Rückzug seiner Unterstützung für Finn zufrieden geben wird, kann Peter doch nicht ernsthaft geglaubt haben. Auf jeden Fall ist Eli in der ganzen Sache das Highlight. Es ist einfach schön, ihm zu zusehen, wie er sich in die Aufdeckung der von Alicia und Peter getroffenen Vereinbarung verbeißen kann. Dabei muss man ihm unbedingt auch immer wieder ins Gesicht schauen, denn seine Blicke sind einfach göttlich. Seine Sorge um Alicia und Peter ist aber schon richtig rührend. Irgendwie gehört er als langjähriger Wegbegleiter der Florricks inzwischen ja auch schon zur Familie und benimmt sich dabei fast schon ein wenig wie das kleine Kind, das die Trennung der Eltern verhindern will. Zach und Grace hingegen haben das inzwischen schon längst akzeptiert. Man kann Eli jedenfalls nicht vorwerfen, er würde nicht alles ihm Mögliche dafür tun, Peter vor Unheil zu bewahren. Einsperren kann er ihn aber nicht und Peter ist schließlich erwachsen und er muss aus seiner Erfahrung doch wirklich gelernt haben, was ihm schaden kann. Umso schöner finde ich es daher, dass Eli seine Fürsorge nicht nur für seinen Boss aufbringt, sondern auch Mitgefühl und Sorge für Alicia aufbringen kann. In ihrem Inneren weiß sie das sicher auch an ihm zu schätzen, tut aber auch sicher gut daran, das Eli nicht immer direkt zu zeigen. Da kann er ja recht vereinnahmend sein.

Nebenbei erfahren wir auch noch, dass Zach kurz vor seinem Schulabschluss steht. Wenn ich recht überlege, dann kamen die Florrick-Kinder in dieser Staffel insgesamt so kurz wie lange nicht. Aber vielleicht täuscht dieser Eindruck auch einfach nur, weil so viele andere gewichtige Eindrücke diese hervorragende fünfte Staffel überlagern. Die Nummer mit dem genötigten Foto in der Abschlussrobe wirkte auf mich recht gezwungen, sollte uns und vor allem Eli aber vielleicht auch nur demonstrieren, wie gut Alicia mit ihren Kindern auch ohne Peter harmoniert, mal abgesehen davon, dass Zach die ganze Aktion etwas peinlich war.

Ja und dann gab es ja auch noch einen Fall der Woche, der mich ehrlich gesagt aber nicht besonders vom Hocker gehauen hat. Das Aufeinandertreffen von Alicia und Louis Canning hat bislang eigentlich immer sehr gut funktioniert. Hier entstand für mich allerdings nicht die typische Dynamik oder anders gesagt, die Wendungen wirkten irgendwie vorhersehbar. Das hier Aussage um Aussage des Klienten Paisley immer wieder widerrufen oder klargestellt werden musste und Alicia unfreiwillig ebenfalls selbst ein Opfer davon wurde war zwar mitunter ganz unterhaltsam, wurde ohnehin aber von einem grandiosen Howard Lyman an der Seite von Canning locker übertrumpft. Es fehlte mir aber einfach die direkte Konfrontation mit Canning. Stattdessen machte dieser jedoch gegenüber Alicia eine interessante Aussage: "You have changed." Ja, Alicia hat sich verändert, nicht nur in dieser, aber vor allem in dieser Staffel. Und ich bin gespannt, welche Veränderungen uns nun noch das Staffelfinale präsentieren wird.

Fazit

Die Folge lässt mich zwiegespalten zurück. Der Fall der Woche war insgesamt recht lahm und die Szenen von Canning und Alicia waren auch schon einmal pointierter, da sorgte Howard noch am ehesten für Aufheiterung. Peters Doppelmoral in Sachen Eifersucht stieß mir auch eher bitter auf, ebenso die Spielchen, die Kalinda mit Cary spielt und wie dieser jene mit sich machen lässt. Auf der Haben-Seite stehen Eli und Diane, deren Situation bei Lockhardt/Gardner sich als ziemlich spannend gestaltet. Das wird sicher der Knackpunkt im Finale einer hochspannenden und abwechslungsreichen "Good Wife"-Staffel, deren vorletzte Folge von diesem hohen Niveau ein wenig vermissen lässt.

Jan H. – myfanbase

Diese Episode ansehen:


Vorherige ReviewÜbersichtNächste Review

Diskussion zu dieser Episode

Du kannst hier mit anderen Fans von "Good Wife" über die Folge #5.21 Ein Prozent diskutieren.