Bewertung: 7

Review: #5.03 Ein kostbares Gut

Foto: Christine Baranski, Good Wife - Copyright: Paramount Pictures
Christine Baranski, Good Wife
© Paramount Pictures

Dianes Interview hinterlässt folgenschwere Spuren bei Lockhart/Gardner. Unterdessen steht Alicia zwischen allen Stühlen, und im Büro des Gouverneurs kommt es zu einem überraschend schnellen Comeback. Dabei geht der Fall der Woche, trotz einer interessanten Fragestellung, in einer die Rahmenhandlung dominierenden Folge nahezu unter.

"And how much appreciation are you looking for, Your Honor?" – "I must have really hurt you to make you wanna hurt me like this."

Die Folge setzt direkt am Ende von #5.02 The Bit Bucket an. Diane hat gerade das Interview gegeben, das Will belastet und ihr den Weg zur Richterin am Supreme Court frei machen soll. Von Schuldgefühlen geplagt, beichtet sie Will daraufhin die Wahrheit. Das ist ihr zunächst einmal hoch anzurechnen und entspricht auch völlig ihrem Charakter, der seit Serienbeginn stets von Geradlinigkeit und Offenheit geprägt war. Doch eine Entschuldigung für ihr Verhalten ist das für mich noch lange nicht. Diane war auch immer eine sehr loyale Person, die, selbst bei von ihr abweichenden Meinungen, stets hinter den von ihr respektierten und wichtigen Personen stand. Dazu zählte insbesondere Will, ihr langjähriger Partner, Freund und Vertrauter. Mit ihm ging sie durch dick und dünn, ja meisterte sogar den drohenden Bankrott der gemeinsamen Kanzlei. Und nun setzt sie all das aufs Spiel nur um der eigenen Karriere willen? Ich bin der Meinung, damit ist Diane einen Schritt zu weit gegangen. Eine Freundschaft kann viel aushalten, aber das grenzt wirklich an Verrat. Und nun ist es zu spät. Das Ende der Einheit von Diane und Will ist besiegelt, und ihre Mimik offenbart, dass ihr genau das just in dem Moment klar zu werden schien, als sie Elis Nachricht erhielt und das Interview damit überflüssig wurde. Ich hatte auf jeden Fall sofort das Gefühl, dass nun alles die Kanzlei betreffend zusammenbrechen wird.

Dass man von Will jetzt nicht unbedingt Verständnis erwarten konnte, war im Hinblick auf den massiven Vertrauensbruch sicher nicht überraschend. Dennoch hat mich seine fokussierte und kalte Art, mit der er Diane entgegentrat und sofort Maßnahmen zum Ausschluss aus der Kanzlei anging, verblüfft, entsetzt und auch ein wenig schockiert. Der Versuch, mit Hilfe von Kalinda Diane einen möglichen Fehltritt anzuhängen, war da schon ziemlich billig nach dem Motto "wie du mir, so ich dir". Ich war immer ein großer Anhänger der Dynamik von Will und Diane. Auch wenn es einmal Misstrauen gab oder beide durchaus auch einmal auf den eigenen Vorteil bedacht waren, stand am Ende der Zusammenhalt im Vordergrund. Für mich war es daher leider mitunter sehr schmerzhaft, nun mit ansehen zu müssen, wie die beiden in den knallhart geführten Verhandlungen um das Abfindungspaket agierten. Die tiefe Verletzung von Will äußerte sich auch in gehässigem Sarkasmus, während Diane seinen Schmerz erkannt hat, dessen Ursache sie war. Das hat sie allerdings nicht davon abgehalten, ihren (Geld-)Forderungen nochmals Nachdruck zu verleihen.

Leid tat mir in der ganzen Sache auch Alicia, die zwischen allen Stühlen saß. Selbst dazu bereit, ihre beiden Mentoren zu verlassen, findet sie sich in der schwierigen Situation wieder, die neutrale Verhandlungsposition einnehmen zu müssen. Wie muss dieses Zerwürfnis auf sie gewirkt haben, in einer Situation, in der sie zusammen mit Cary selbst kurz davor steht, in die Fußstapfen ihrer beruflichen Vorbilder zu treten? Mit Entscheidungen sie selbst betreffend hat Alicia sich selten leicht getan, und aufkommender Zweifel an ihrem Entschluss wäre jedenfalls naheliegend.

"Alicia, staying is a mistake. You’ll always be under Will."

Bei diesen an Alicia gerichteten Worten kann ich Cary wirklich nur zustimmen. Von Wills Angebot überrascht, sie zum Managing Partner der Kanzlei zu machen, kommen bei Alicia zusätzliche Zweifel an ihrer Entscheidung auf, und ich musste wirklich kurz die Luft anhalten und hoffen, dass sie bei ihrer Entscheidung bleiben wird. Als wäre es ohnehin nicht genug, dass sie schon die ganze Zeit Will die Wahrheit über ihren bevorstehenden Kanzleiwechsel verschweigen musste, so muss sie nun auch noch in der angespannten Situation die Nerven bewahren. Letztendlich konnte ich dann aber wieder durchatmen, als sie Cary am Ende der Folge zum sofortigen Verlassen von Lockhart/Gardner aufforderte ("We need to leave this week." - "Are you sure?" - "Yes."). Ich bin mir nicht sicher, was genau den letzten Ausschlag für ihre Entscheidung gab. Sucht sie die Loslösung von Will, damit sie und er nicht einmal genauso enden werden wie Diane und er? Vielleicht will sie aber nun auch endlich einmal für sich selbst einstehen, Verantwortung übernehmen und sich nicht von anderen ihr Leben bestimmen lassen. Einmal nicht die "Good Wife" sein, wäre zumindest mein idealer Erklärungsversuch, und letztendlich war es wohl eine Mischung aus beidem. Entscheidend ist aber das Resultat, und das ist "Florrick & Agos". Jetzt bin ich gespannt, ob wir die Abspaltung bereits in der nächsten Folge erleben dürfen. Und wird Will dann ähnlich heftig reagieren wie bei Diane?

"I wanna be pretty. Just let me be pretty."

Als hätte Alicia mit ihrer beruflichen Situation nicht schon genug um die Ohren, wird sie auch in ihrem Privatleben gefordert. Denn beim gemeinsamen offiziellen Foto- und Interviewtermin der Gouverneursfamilie darf sie erst einmal wieder die Rolle der perfekten "Good Wife" spielen und wird dann auch noch von Peter zu einer schnellen Erneuerung ihres Ehegelübdes gedrängt. Das für Alicia aber wohl größte private Anliegen dürfte ihre Erkenntnis sein, dass aus ihrem kleinen, lieben und so unschuldigen Mädchen inzwischen eine junge, heranwachsende Frau geworden ist. Der Vergleich mit dem hässlichen Entlein und dem Schwan hinkt natürlich ein wenig, wenn man ihn wortwörtlich nimmt. Dennoch wird Alicia hier offenbar erstmals richtig bewusst, dass ihre Tochter groß geworden ist. Und ich kann auch Grace sehr gut verstehen, die sich ihrem Alter entsprechend nun auch durch ihr Aussehen und Styling ausdrücken möchte. Mit den ersten Andeutungen im Staffelauftakt wusste ich ja noch nicht viel anzufangen und fragte mich, wohin das führen soll. Inzwischen kann ich mir aber auch gut vorstellen, dass allein Alicias Erkenntnis das Ziel war und wir hier gegebenenfalls nichts mehr zu erwarten haben. Auf jeden Fall sorgte Alicias Reaktion und die Auflösung über den Besucher an der Haustür für einen herzhaften Lacher.

"You can’t keep disagreeing with me and pretend it’s an agreement."

Was in der vergangenen Season die Story um Kalindas Ex-Mann Nick war, könnte in dieser Staffel die Geschichte um Marilyn einnehmen. Es ist gerade einmal der zweite Auftritt ihres Charakters und ich bin schon ziemlich genervt von der Person und ihrer ganzen auf Vamp getrimmten Art, aber auch von den Aussichten, die man bei der Entwicklung dieser Handlung befürchten muss. Dass Marilyn unübersehbar mit Peter flirtet und nicht bereit ist, sich von Eli Anweisungen erteilen zu lassen, zeigt zunächst einmal ihr starkes Selbstbewusstsein. Und darin könnte vielleicht sogar noch der positive Ausweg der Geschichte liegen. Aktuell deutet alles auf eine mögliche Affäre von ihr und Peter hin, was lediglich eine Wiederholung der Konflikte aus Staffel 1 zur Folge hätte. Doch vielleicht sind ihre Reize und ihre Selbstsicherheit für sie nur die Mittel für einen ganz anderen Zweck. Möglicherweise ist es die eigene Karriere, für die sie bereit ist, auch über Peters Leiche zu gehen. Das muss ja nicht zwangsweise in einem Techtelmechtel mit dem Vorgesetzten enden, sondern sie könnte ihm in ihrer Funktion als Ethik-Expertin auch eine fragwürdige Entscheidung oder Zusammenarbeit anhängen, die ihn in Verruf bringen könnte. Abgesehen von ihre Rolle in "Hunted" war ich ehrlich gesagt auch noch nie ein großer Fan von Melissa George, was mir diesen Handlungsbogen nicht gerade leichter zugänglich macht. Amüsant ist in diesem Zusammenhang allenfalls Eli und sein Unbehagen hinsichtlich ihrer möglichen Wirkung auf Peter.

"But it’s our child. Our choice. No-one should be allowed to take that from us."

Im spannenden Umfeld der Rahmenhandlung geht der Fall der Woche in der Folge doch etwas unter. Dabei ist die Thematik mit den Rechten von Leihmüttern in Bezug auf das auszutragende Kind und den eigenen Körper grundsätzlich eine spannende Fragestellung. Bei "Good Wife" gab es ja nun schon zahlreiche Rechtsfälle, die nach dem gesunden Menschenverstand für heftiges Kopfschütteln ob der amerikanischen Rechtsauslegung gesorgt haben. Hier entsteht aber wirklich ein interessanter Fall, der mir bei meiner persönlichen Meinungsbildung Kopfzerbrechen bereitete. Kann man wirklich die Leihmutter zu einer Abtreibung zwingen, weil eine hohe Wahrscheinlichkeit eines schweren Geburtsfehlers besteht? Meine Antwort würde wohl lauten, dass das Leben eines Menschen dem Ungeborenen vorzuziehen ist. Denn ein Schwangerschaftsabbruch in diesem späten Stadium setzt auch die (Leih-)Mutter vor ein gesundheitliches Risiko. Die Argumentation war hier letztendlich eine andere, aber der Ausgang des Falles war vergleichbar.

Zwei Dinge, die ebenfalls mit dem Fall zu tun hatten, will ich aber auch noch erwähnen. Ich habe mich gefreut, Christian Borle nach dem Ende von "Smash" hier als Anwalt des Ehepaares zu sehen. Es war jetzt kein besonders prägnantes Gastspiel, aber die Erinnerung an die leider eingestellte NBC-Serie war auch schön genug. Ansonsten gefielen mir David Lee und Alicia gemeinsam vor Gericht ganz gut. Das kam im Serienverlauf noch nicht sehr häufig vor, wenn überhaupt. Allein der Blick von Alicia als Reaktion auf Davids geheuchelt-mitfühlende Worte an die Leihmutter war einfach göttlich. Man merkt hier aber auch, dass die Aufnahme des Charakters in den Hauptcast bereits spür- und sichtbar ist.

Nebenbei zeigt eine unbedachte Äußerung von Robyn gegenüber Kalinda mal wieder auf, dass von deren Freundschaft zu Alicia nicht mehr viel geblieben ist. War Kalinda früher noch eine wichtige Vertrauensperson, beschränkt sich die Interaktion seit längerem nur noch auf berufliche Dinge, während Privates überhaupt nicht mehr ausgetauscht wird. Ihr stand die Überraschung über Alicias geplanten Ausstieg aus der Kanzlei deutlich ins Gesicht geschrieben. Und nicht ohne Grund geht ihr erster Blick direkt in Richtung Will, dessen Gefühle für Alicia ihr bekannt sind und für den diese Nachricht der nächste Schlag ins Genick sein wird. Es ist wirklich schade, dass diese Freundschaft nicht mehr zu kitten scheint. Insgesamt passt dies aber gerade sehr gut ins Bild der auseinanderbrechenden Strukturen bei Lockhart/Gardner.

Fazit

Dianes Interview hat eine Lawine in Gang gesetzt, die den Zusammenbruch von Lockhart/Gardner wohl nicht mehr aufhalten wird. Während der Bruch in der Partnerschaft von Diane und Will traurig mit anzusehen ist, steht mit Alicias und Carys Kanzleigründung bereits der nächste Konflikt auf der Tagesordnung und wird für kräftig Spannung in den kommenden Folgen sorgen. Darunter litt ein wenig der durchaus interessante Rechtsfall, wohingegen die Handlung um Marilyn zu einem neuen Nick-Desaster zu werden droht, wenn hier nicht noch eine überraschende Wendung abseits einer drohenden Affäre mit Peter eintreten sollte. Da die Verstrickungen in der Kanzlei mich aber derart gepackt haben, kann ich über die Schwachstellen gnädig hinwegsehen und doch sehr gute sieben Punkte vergeben.

Jan H. - myFanbase

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