Bewertung: 6

Review: #4.07 Anatomie eines Witzes

Foto: Julianna Margulies & Matt Czuchry, Good Wife - Copyright: Paramount Pictures
Julianna Margulies & Matt Czuchry, Good Wife
© Paramount Pictures

Endlich einmal eine Cary-Episode. Nachdem der ehemalige Staatsanwalt in dieser Staffel doch etwas stiefmütterlich behandelt wurde, lag der Fokus in #4.07 Anatomy of a Joke stark auf ihm, seinem gestörten Verhältnis zu seinem Vater und seiner sich enorm weiterentwickelten Beziehung zu seiner Kollegin Alicia. Gerade dieser Aspekt sorgte für die absoluten Highlights der Folge, denn alle Szenen zwischen diesen beiden waren richtig großartig. Ob beim gemeinsamen Actionfilm-Schauen im Hotel in Washington, wo sie über ihre jeweiligen ersten Eindrücke des Anderen nachsinnen, oder später wieder zu Hause im gemeinsamen Büro, als Alicia Cary nach der Enttäuschung von seinem Vater beisteht. Ich kann gar nicht sagen, wie sehr es mich freut, dass diese Beiden mittlerweile so gut miteinander auskommen. Das ist eine wahre Bereicherung für die Serie und könnte für meine Begriffe ruhig öfter eingesetzt werden.

Carys problematische Beziehung zu seinem Vater hat sich zwar recht vorhersehbar im Rahmen dieser Folge entwickelt, aber nichtsdestotrotz konnte man sehr mit ihm mitfühlen, besonders bei diesem grausamen Telefonanruf, als Cary unter der Annahme, seinem Vater würde wohl eine schlimme Krankheit bevorstehen, diesen anruft und dann derart vor den Kopf gestoßen wird, als der Vater offenbart, dass es nur um einen persönlichen Gefallen in Bezug auf seine Karriere geht. Aber auch wenn sich in dieser Beziehung keine wirklichen Überraschungen zeigten, war es eine Freude endlich einmal mehr von Cary und seinem Privatleben zu sehen.

Den Titel hat die Folge aber von einem Fall, bei dem sich "Good Wife" in die Niederungen der Comedy begibt. Die Kanzlei vertritt eine Komikerin, dargestellt von Christina Ricci, die sich mit einem Sender angelegt hat, indem sie ohne Vorankündigung ihre Brüste vor laufender Kamera entblößte. Solche Geschichten sind sicher gerade aus unserer europäischen Sicht manchmal wirklich lächerlich, denn ich zum Beispiel habe immer noch nicht verstanden, was den damaligen Skandal rund um Janet Jacksons entblößte Brust während des Super Bowls so gefährlich für die Jugend gemacht hat. Ebenso wenig kann ich nachvollziehen, was wirklich so schlimm an einer nackten Brust, in diesem Fall als Demonstrationsobjekt für Brustkrebsvorsorge, sein soll. Aber da Theresa, Christina Riccis Comedian, natürlich genau weiß, was für ein Aufreger die ganze Sache im US-Network-TV sein würde, ist diese auch nicht der reine Unschuldsengel. Sie hat den Stunt sicher mit der Absicht angezettelt, um ihr Buch zu promoten. Das ändert aber natürlich nichts an der Scheinheiligkeit dieser Zensurmethoden und "Good Wife" hat besonders in der Anfangsszene vor Gericht ordentlich Spaß mit diesem absurden System.

Gerade für "Good Wife", welches inhaltlich gerne versucht, mit den renommierten Cable-Serien mitzuhalten, aber dabei den viel strengeren Network-Regeln unterlegen ist, (die aber, wie man hier schön demonstriert, lediglich auf deren Katzbuckelei vor den Werbefirmen basieren und nicht auf gesetzlichen Vorgaben), ist dies sicher ein reizvolles Thema. Mich hat es jedenfalls ordentlich amüsiert, wie man diese Dinge aufs Korn genommen hat und auch wenn Christina Ricci als Komikerin der letzte Feinschliff gefehlt hat (ihre Stand-Up-Gigs waren einfach nicht witzig und auch nicht subversiv genug für die Aufregung, die man um sie gemacht hat), war es ein gelungener Ausflug ins Comedy-Genre.

Weniger gelungen empfinde ich dagegen die große Enthüllung dieser Woche, dass Maddie Hayward wirklich hinter dem Indira-Star-Skandal steckt. Nicht nur weil sich diese Entwicklung ja bereits im Vorfeld andeutete, es ist auch aus meiner Sicht nicht der interessanteste Weg, den man innerhalb der Wahlkampfstoryline gehen kann. Dazu kommt die doch recht alberne Geschichte rund um das angebliche Muttermal auf Peters Penis und ich muss sagen, der Wahlkampf war damit die Enttäuschung dieser Episode. Ausgeglichen wurde dies durch die Entwicklung am Ende, als Peter auf Alicias Empfehlung hin Laura Hellinger, die Militäranwältin aus #4.06 The Art of War, für die Staatsanwaltschaft einstellt und nicht einmal merkt, wie sehr er damit seine treuen Untergebenen wie Geneva Pine brüskiert. Und Geneva ist vollkommen im Recht, sich wieder einmal derart übergangen zu fühlen. Nachdem die Staatsanwaltschaft in dieser Staffel noch gar keine große Rolle spielte, wäre es wirklich interessant, wenn Peter vielleicht über eine derartige Nachlässigkeit in seinem eigenen Revier stolpern sollte.

An der Finanzkrisenfront der Kanzlei wird langsam die nächste Phase eingeläutet. Clarke Hayden geht in die Offensive und versucht Investoren, wie hier den gegnerischen Anwalt Burl Preston für Lockhart/Gardner zu gewinnen. Und Diane und Will wehren diese Versuche wider aller Vernunft mit allen Mitteln ab. Dies ist wahrlich keine rationelle Entscheidung, aber die Konfrontation zwischen Hayden und den beiden Partner hat doch richtig Spaß gemacht und bringt etwas Schwung in den eingefahrenen Prozess der drohenden Insolvenz. Alles in allem ist #4.07 Anatomy of a Joke sicher keine Offenbarung und bringt auch nicht den dringend nötigen Schwung für die Staffeldynamik hervor, kann aber durchaus kurzweilig unterhalten.

Cindy Scholz - myFanbase

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