Bewertung: 5

Review: #4.08 Der Richter bin ich

Foto: Josh Charles, Good Wife - Copyright: Paramount Pictures
Josh Charles, Good Wife
© Paramount Pictures

Es passiert einiges in #4.08 Here Comes the Judge, Lockhart/Gardner legt sich aus mehr oder weniger ehrenhaften Motiven mit einem Richter (und damit automatisch der gesamten Richterschaft) an, Nicks Eifersucht auf Kalindas Leben steigert sich so weit, dass er zu drastischen Maßnahmen greift, und auch die beiden Florrick-Kinder erhalten hier beide eine eigene Geschichte.

Diese verschiedenen Aspekte sind dabei ganz unterschiedlich gelungen in ihrer Umsetzung. Bei ihrem Fall wirft die Kanzlei einem verhandelnden Richter Befangenheit vor und geht mit diesem Vorwurf auch gegen den betreffenden Richter Creary vor. Dabei ist man in vielen Belangen unheimlich clever und macht einige Referenzen zu vorherigen Ereignissen, ob es die getürkten Suchergebnisse für Will Gardner sind, die in #4.03 Two Girls, One Code eingeführt wurden, oder sogar das Auftauchen von Wills Ex-Freundin Giada, die bereits seit dem Ende der 1. Staffel in der Versenkung verschwunden war. Damit schafft man oberflächlich den Eindruck der erzählerischen Tiefe, da man die Charaktere hier aber fast alle irgendwie dumm agieren lässt, kann sich dieser Eindruck nicht wirklich durchsetzen. Würde Lockhart/Gardner wirklich wegen dieses einen Falles seinen guten Ruf bei der Richterschaft aufs Spiel setzen? Denn man setzt hier wirklich jedes Mittel ein, um zum Ziel zu gelangen und auch das Motiv, dass man mit diesem Fall plötzlich einen großen Teil der Schulden der Kanzlei los werden würde, wirkt arg konstruiert. Wenn es wirklich so einfach wäre, dann wäre das finanzielle Problem doch lange nicht so ernst, wie man uns schon die gesamte Season klarzumachen versucht. Zumal auch wenn die richterliche Befangenheit nachgewiesen ist, dann noch lange nicht die Unschuld der eigentlichen Klienten vor Gericht bestätigt wurde, wie das Ende der Folge auch demonstriert. Das bietet natürlich einen sehr guten Schlusspunkt für die Episode, hätte aber doch von allen Beteiligten zumindest als Möglichkeit vorausgesehen werden müssen.

Und auch Wills Verhalten kann ich nicht wirklich nachvollziehen. Wenn er wirklich Giada zu einer Aussage gegen Richter Creary bewegen wollen möchte, dann kann er doch nicht erst mit ihr ins Bett steigen und sie dann fragen? Was wäre, wenn sie ja gesagt hätte. Das hätte ihre Glaubhaftigkeit doch komplett untergraben. Auch den Schachzug, Cary seine guten Beziehungen zu alten Kollegen so offen unterwandern zu lassen, mag in diesem Moment vielleicht die nötigen Ergebnisse gebracht haben, aber auf lange Sicht war das doch unklug und in meinen Augen auch unnötig. So bleibt von diesem Fall der Woche, der an der Oberfläche und ohne viel Nachdenken so spannend und unterhaltsam wirkte, doch ein derart übler Nachgeschmack zurück, dass man ihn letztendlich doch als misslungen werten muss.

Ebenfalls sehr unklug verhalten hat sich in dieser Episode Kalinda, die sich zwar offensichtlich der Eifersucht von Nick bewusst ist (schließlich spricht sie diese ja auch Will gegenüber an), aber dennoch offensichtlich und beherzt vor den Augen von Nick mit Cary flirtet. Natürlich ist Kalinda im Recht und hat sich nichts zu schulden kommen lassen, aber sie weiß doch genau, wie gefährlich Nick ist, und ich kann nicht nachvollziehen, wie sie Cary so in Gefahr bringen kann. Zwar kann sie nicht wissen, wieweit Nick gehen wird (immer vorausgesetzt, der Überfall geht auf Nick zurück, wovon ich aber fest ausgehe), aber es ist dennoch ziemlich fahrlässig von ihr und passt einfach auch nicht zu ihrem sonst so vorsichtigen Wesen. Ich kann nur hoffen, dass der Überfall auf Cary nun die bevorstehende Eskalation zwischen Kalinda und Nick forcieren wird und die gesamte Geschichte danach endlich zu den Akten gelegt werden kann.

Die Nebenhandlungen rund um Grace' rebellische Phase, wie sie wohl zu einem weiblichen Teenager in solchen Serien dazugehört und Zachs Mitarbeit an der Kanzlei waren beide harmlos und wenig störend, aber auch sie konnten keine wirkliche Bereicherung zur Episode beitragen. Zumal ich mir nur schwer vorstellen kann, dass Eli wirklich gar nichts davon mitbekommen hatte, dass Zach als IT-Spezialist für die Kampagne arbeitet. Aber nun gut, wäre dies die einzige unglaubhafte Stelle der Folge gewesen, hätte ich darauf sicher keinen Gedanken verschwendet, so reiht sich die Sache eben ein in all die anderen charakterlichen Ungereimtheiten. Einzig und allein das gelungene Zusammenspiel zwischen Laura Hellinger als neuer Staatsanwältin und den üblichen Protagonisten verhilft der Folge noch etwas weiter nach oben auf der Qualitätsskala. Denn der Rest war doch eher enttäuschend.

Cindy Scholz - myFanbase

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