Bewertung: 5

Review: #4.05 Drohendes Unheil

Foto: Matt Czuchry, Good Wife - Copyright: Paramount Pictures
Matt Czuchry, Good Wife
© Paramount Pictures

Episode #4.05 Waiting For the Knock spielt in einem engen zeitlichen Rahmen, die Ereignisse finden über den Verlauf eines einzigen Tages statt, aber im Gegensatz zu einigen sehr guten Beispielen dieser Art, die uns "Good Wife" in der Vergangenheit präsentierte, gelingt es dieser Folge leider nicht, die zeitliche Besonderheit in vollem Umfang auszunutzen. Das ist schade, denn aus einer solchen recht knappen Timeline kann man im idealen Falle eine spannende Atmosphäre zaubern, aber irgendwie will dieser Zustand hier beim Warten auf die Festnahme des Drogenbarons Lemond Bishop und während der langen Wahlkampfveranstaltung des Demokratischen Komitees nicht so richtig eintreten. Das ist ein wenig verschenktes Potential und ich frage mich, woran es liegen mag, dass dieses bestimmte Stilmittel dieses Mal nicht zu greifen vermag.

Für mich liegt es wahrscheinlich daran, dass sich mein Mitleid mit Lemond Bishop doch arg in Grenzen hält. Zwar versucht man mit allen Mitteln uns als Zuschauer auf dessen Seite zu ziehen, vor allem eben damit, dass man ihn hier hauptsächlich als Vater und ganz normalen Familienmenschen sieht. Das soll uns das moralische Dilemma und die Kompromittiertheit von Lockhart/Gardner und natürlich auch von Alicia vor Augen führen, ich kann aber die ganze Zeit den Gedanken nicht abschütteln, dass der kleine Dylan nur ganz allein dastehen wird, wenn sein Vater ins Gefängnis kommt, weil der damals seine Mutter mit indirekten Mitteln in den Tod getrieben hat. Dieses Detail der Hintergrundgeschichte von Lemond Bishop wird hier einfach unter den Tisch gekehrt. Dafür werden unzählige verwirrende Fakten rund um seine legalen und illegalen Geschäfte durchexerziert, die irgendwie mit der Zeit immer verworrener wurden und auch am Ende keinen klaren Erkenntnisgewinn brachten. Es war irgendwie alles eine Ablenkung, um letztendlich ein eher nebensächliches Verbrechen aufzudecken, für das Bishop wohl nicht verantwortlich zu machen ist, er aber eben dennoch genau dessen angeklagt wird.

Und ich habe mich die ganze Zeit während der Geschichte gefragt, ob es in der Realität für einen solchen Drogenbaron wirklich möglich ist, die legalen und illegalen Geschäfte so zu trennen, das man diese zwei Klassen von Anwälten engagieren kann. Denn wenn man bereits aufgrund der Zugehörigkeit der juristischen Vertreter ablesen könnte, welcher Geschäftszweig mit illegalem Geld finanziert wird, dann wäre es doch für die ermittelnden Behörden ein Leichtes, ihm die krummen Geschäfte nachzuweisen, oder bin ich da zu naiv? Ist es nicht gerade das Ziel, so viel wie möglich der geschäftlichen Aktivitäten zu vermischen, bis sich die Spur der Drogengelder irgendwann so sehr mit der anderer Finanzen vermischt, dass sie nicht mehr aufspürbar ist? Oder lass ich mich von der Anwesenheit der vielen "The Wire"-Darsteller verleiten und erwarte zu viel Realismus im Klein-Klein der kriminellen Fakten?

Wenn es Lemond Bishop an den Kragen gehen soll, dann kann die fleißige FBI-Ermittlerin Lana Delaney nicht weit weg sein und so ist sie es auch hier, die die aktuellen Nachforschungen antreibt. Dabei gerät sie unwissend inmitten den Ehekrieg von Kalinda und Nick, der in Kalindas Namen (so seine Rechtfertigung für den Vorgang) in Lanas Wohnung einbricht. Am Ende zeigt dann Kalinda Lana die kalte Schulter, da sie vermutet, von ihr ausspioniert zu werden. Wieso Kalinda hier so einfach Nick glaubt und was Lana wirklich mit der Überwachung von Kalinda bezweckt, erschließt sich mir zwar noch nicht, aber ich habe diese Behandlung der Nick-Kalinda-Beziehung doch ein klein wenig als Fortschritt empfunden. Es gab keine skandalheischende Sex-Anspielungen, nur das übliche passiv-aggressive Hin und Her zwischen den Eheleuten. Dabei bestätigen sich die zuvor geäußerten Vermutungen über die Art ihrer Beziehung, samt der angesprochenen angeblichen Veränderungen. Jetzt fehlt eigentlich nur die lang erwartete Auflösung des Konflikts und wir können uns endlich wieder auf die kompetente Kalinda in beruflicher Hinsicht konzentrieren.

Apropos Kompetenz, das klare Highlight dieser Episode war für mich die Tatsache, dass Cary endlich mal wieder so richtig in die Ermittlungen involviert war, und dabei dann sein wunderbares Zusammenspiel mit dem aufblühenden Buchhalter Clarke Hayden. Aus dieser Kombination kann man in Zukunft gerne noch mehr machen, denn Nathan Lane und Matt Czuchry waren wirklich sehr unterhaltsam zusammen. Vielleicht gibt es für Hayden eine Zukunft bei Lockhart/Gardner über seine gerichtlich verordnete Zusammenarbeit hinaus? Ich hätte jedenfalls nichts dagegen einzuwenden.

Ein weiterer bereichernder Gaststar ist aber auch Maura Tierney, die hier als Maddie Hayward nach dem Auffliegen des Skandals rund um Indira Star ihre Unterstützung für Peter Florrick wieder zurückzieht. Dieser Teil der Geschichte wollte bei mir heute nicht so richtig zünden, denn die Mechanismen rund um den Blogbeitrag waren mir doch zu simpel gestrickt und auch das künstliche Drama zwischen Maddie und Alicia am Ende erschließt sich mir nicht ganz. Wäre es nicht gerade in Alicias Interesse, bei Maddie einfach mal im Klartext nachzufragen, was sie über Indira weiß und wieso sie zu ihrer Entscheidung kam? Und könnte nicht auch Maddie einfach Alicia mitteilen, was sie weiß, auch um die vor Peinlichkeiten in ihrer Beziehung zu Peter zu bewahren? So richtig erschließt sich mir hier das ganze Drama noch nicht, ich vermute aber, dass man entweder Maddie als neue Gegenkandidaten von Peter platzieren möchte, oder diese eben eine(n) andere(n) Bewerber(in) aus dem Hut zaubert und man dies nun wegen der potentiellen Überraschung eher vage hält.

Alles in allem war dies eine Episode, in der zu viel nebeneinander ablief, diese Dichte an Handlung aber nicht zu mehr Komplexität und zu mehr Spannung geführt hat, sondern nur Verwirrung ohne tieferen Sinn auslösen konnte. Die vielen aufgeworfenen Fakten haben am Ende kein zufriedenstellendes Bild abgegeben, an mancher Stelle mag dies vielleicht in Zukunft noch eintreten, bei vielem aber eher nicht. Bis auf das köstliche Zusammenspiel zwischen Cary und Hayden konnte mich nichts wirklich vom Hocker reißen und so verbleibt man mit der Folge doch eher in der Mittelmäßigkeit stecken.

Cindy Scholz - myFanbase

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