Bewertung: 8

Review: #4.04 Hass unter Brüdern

Foto: Christine Baranski, Good Wife - Copyright: Paramount Pictures
Christine Baranski, Good Wife
© Paramount Pictures

Die Entscheidung, Peter Florrick in der vierten Staffel wieder in einen Wahlkampf zu schicken, hat sich für "Good Wife" als goldrichtig herausgestellt. So werden nicht nur Erinnerungen an die glorreiche zweite Season wieder wach, sondern es werden auch wieder viele Elemente in Bewegung gesetzt, die ebendiese Staffel so gut gemacht haben. Da ist natürlich in erster Linie die Tatsache, dass Eli Gold endlich wieder voll in seinem Element ist und Krisen managt, die seinen Talenten würdig sind. Alan Cumming ist einfach unschlagbar, wenn Eli alle Fäden in der Hand hält und gleichzeitig mehrere Brandstellen rund um seinen Kandidaten zu löschen versucht. Das besondere Extra ist dabei dann immer wieder, dass gerade nach dem Austreten eines Brandherdes sich natürlich ein weiterer, potentiell noch gefährlicherer auftut. So ist Eli immer noch damit beschäftigt, einen Skandal um eine Kampagnenmitarbeiterin Peters, die behauptet mit diesem geschlafen zu haben, im Keim zu ersticken. Aber trotz aller Beweise in der Hand, dass die junge Frau wohl ziemlich sicher lügt, gelingt es einfach nicht, diese Bedrohung in Schach zu halten. Nun schaltet sich also noch ein anonymer Blogger ein, wird dieser zum großen Widersacher von Peters Kampagne? Für mich entwickelt sich diese Geschichte bisher jedenfalls enorm vielversprechend, auch weil sie ihre kleinen, aber bedeutenden Auswirkungen auf die Menschen in Peters Umgebung hat.

In dieser Woche blicken wir dabei zum ersten Mal seit ihrem Schlaganfall auf Jackie, die natürlich versucht, in dem ganzen Brimborium mitzumischen. Und wo Jackie ist, können Konflikte nicht weit entfernt sein, wobei es sich diesmal eher um Ärger mit Eli handelt. Alicia hält sich aus der Sache so weit es geht heraus, aber am interessantesten sind dabei natürlich Jackies plötzliche Halluzinationen. Ob die Küchenschaben eine tiefere Bedeutung haben? Egal was daraus wird, ich finde deren bloße Anwesenheit so herrlich schräg, besonders dass man dazu zumindest in dieser Folge keinerlei Aufklärung anbietet. Wer hätte gedacht, dass die nächste Storyline rund um Jackie sich um imaginäre Kakerlaken drehen würde?

Aber auch Alicia bekommt natürlich die Auswirkungen des vielleicht aufkommenden Skandals zu spüren. Dabei finde ich es besonders interessant, wie sie sich durch die neu aufkeimende Freundschaft mit Maddie Hayward hindurchzumanövrieren versucht. Die beiden Frauen befinden sich dabei in einer recht komplizierten Situation, die Freundschaft ist noch zu frisch und ungetestet, als dass man wirklich weiß, wie diese einzuschätzen ist. Hätten sie sich aber bereits länger gekannt, wäre doch gerade Maddie eine Person, an die Alicia sich mit ihren Gefühlen zu all den Fragen der Presse wenden könne. Aber durch Maddies Einfluss auf Peters Kampagne hat dies natürlich einen faden Beigeschmack. Es ist wirklich eine sehr faszinierende Ausgangslage, die man hier für Maddie und ihre Rolle in Alicias Leben, aber auch in Peters Kampagne geschaffen hat und ich hoffe, wir bekommen davon noch viele spannende Facetten zu sehen.

Neben dem verstärkten Fokus auf die Gouverneurskampagne war diese Episode aber vor allem von einem ganz starken Fall vor Gericht geprägt. Wie viele komplizierte Belange hier wieder einmal eingebunden wurden, von Homophobie bis hin zum Rassismus, ist beeindruckend. Besonders aber die Tatsache, dass die Vielschichtigkeit und schier unlösbare Verzwicktheit solcher Problematiken in großer Bandbreite durchexerziert wurden und all das wie eine Schnitzeljagd innerhalb des Justizwesen inszeniert war, um den verhandelnden Anwälten Diane und Alicia immer wieder neue Strategien abzufordern, gefiel mir richtig gut. Dazu kommt eine großartige Dynamik zwischen unseren Anwältinnen, dem gegnerischen Verteidiger und dem Richter, besonders John Glover hat sich nach seinem ersten Auftritt am Ende der 2. Staffel als Anwalt Jared Andrews für größere Aufgaben empfohlen. Dies war wirklich ein durch und durch gelungener Justizfall, der wieder einmal demonstriert, dass "Good Wife" auch in seinen Proceduralelementen zur Creme de la Creme des zeitgenössischen TV gehört.

Der wahre MVP der Folge war aber ohne Frage Diane, die angestachelt durch die Herausforderungen des Falles und die schier endlos düstere finanzielle Lage der Kanzlei eine herrliche "Jetzt erst recht"-Stimmung an den Tag legte und es allen zeigte, die sich trauten ihr im Wege herumzustehen. Davon kann man eigentlich nie genug bekommen und gepaart mit einer sehr guten Episode, an der es eigentlich nicht viel auszusetzen gibt, bietet sie Unterhaltung auf hohem Niveau. Dass dies zum ersten Mal innerhalb dieser Staffel während der Abwesenheit von Kalindas schmierigem Ex-Mann Nick der Fall ist, mag Zufall sein, wage ich aber zu bezweifeln.

Cindy Scholz - myFanbase

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