Bewertung: 6

Review: #4.02 Der Arm des Gesetzes

Foto: Josh Charles, Good Wife - Copyright: Paramount Pictures
Josh Charles, Good Wife
© Paramount Pictures

"I Faught the Law… and the Law Won" heißen die beiden ersten Episoden der 4. Staffel, wenn man deren Titel zusammensetzt. Aber abgesehen von der offensichtlichen Tatsache, dass wir nun bei Episodennamen mit jeweils vier Wörtern angelangt sind und man sich offensichtlich nicht so recht entscheiden konnte, wie man diese beiden Folgen nun unabhängig voneinander nennen sollte, sehe ich leider den Zusammenhang hier nicht. Weder passen die jeweiligen Titel so richtig gut zu ihren jeweiligen Folgen (wobei die Folge letzte Woche zumindest mit dem Zach-Plot noch halbwegs einen Zusammenhang zum Titel hatte), noch bilden diese inhaltlich irgendwie eine Einheit. Falls also einem meiner Leser der Zusammenhang aufgefallen ist und ich vielleicht nur ein Brett vor dem Kopf habt, und vielleicht auch noch zu erklären weiß, an welcher Stelle hier das Recht im juristischen Sinne gegen wen gewonnen hat, lasst es mich wissen.

Eigentlich führe ich meine eher unwichtigen Überlegungen an dieser Stelle aber einfach nur, um einen spoilerfreien Einleitungstext hinzubekommen, bevor ich mich schnell dem ewig leidigen Thema Kalinda widme, dieses damit aber auch schnell abhaken kann und es dann zumindest für diese Woche ruhen lasse. Denn umso weniger Worte man darüber verliert, umso besser. Was mich an der ach so skandalösen Softsex-Storyline rund um Kalinda und ihren Ex-Mann Nick so sehr nervt habe ich bereits in meiner letzten Review ausführlich dargelegt und ich werde das jetzt zum Wohle aller nicht noch einmal wiederholen. Es hat sich nichts daran geändert und leider scheint man die Sache noch weiter hinauszögern zu wollen. Was ich dazu momentan nur zu sagen habe, ist dass ich tausendmal lieber Kalinda dabei zusehe, wie sie mit Geduld und Geschick den Fall für Lockhart/Garnder knackt, als das was die Kings glauben, uns zeigen zu müssen. Bitte, schickt Nick schnell wieder nach Groß Britannien zurück, oder noch besser zu "American Horror Story", wo ich niemals in Gefahr laufe ihm wieder begegnen zu müssen. Wobei mich das nun wieder auf den Gedankengang bringt, ob Kalindas momentanes Privatleben für den Zuschauer nicht weit weniger befremdlich wäre, hätte sie eine Liebes-Abhängigkeitsbeziehung mit einem untoten Latexmann?

Aber bevor ich hier nun noch vollkommen abschweife, widmen wir uns dem ganzen Rest der Episode, der durchaus überzeugen konnte. Da sticht besonders das erste Aufeinandertreffen von Alicia mit der Lobbyistin Maddie Hayward heraus. Nicht nur wird diese von der großartigen Maura Tierney dargestellt, sie bringt auch frischen Wind in recht eingefahrene Dynamiken. So bietet sie Alicia ihre Freundschaft an, nachdem die beiden kurz aufeinandertrafen. Dabei hat mich ihre direkte und unverfangene Art dabei sehr beeindruckt, gleichzeitig wissen wir aber noch nicht so recht, was sich hinter diesem neuen Element im Figurengefüge verbirgt. Ich hoffe ja auf einen erhellenden Blick in eine komplexe und moderne Feministin und bin gespannt, was "Good Wife" zu diesem aktuellen Thema zu sagen hat. In Amerika (aber nicht nur dort) ist Feminismus eine heikle Angelegenheit, mitten im War on Women der republikanischen Tea Party Bewegung und der weitverbreiteten Überzeugung, es gäbe nicht mehr viel Gleichberechtigung zu erkämpfen. Inwieweit man sich hier nun wirklich auf dieses Minenfeld der kontroversen Meinungen begeben will, bleibt abzuwarten, aber Maddie hat definitiv einen vielversprechenden Einstand hingelegt.

Das Bild der Harmonie, dass Alicia und Peter am Ende in dessen Kampagnenbus abgeben, ist ein weiteres Puzzlestück hin zum perfekten Abbild einer eventuellen Versöhnung der beiden. Ob man diesen Weg allerdings wirklich beschreiten wird, oder man eher eigene politische Motive für Alicia als Ablenkung einstreuen wird? Das wird die Zukunft zeigen, ich kann aber sagen, dass es Spaß macht, Alicia und Peter so entspannt zu sehen, zumal sie ihre Witze dabei auf Kosten von Eli reißen.

Bei Lockhart/Gardner steht der Fall der Woche ganz im Bezug zu Wills Rückkehr in die Anwaltsposition. Dass es dabei durchaus spannend und interessant wird und Will seine besonders geschickte Mischung aus moralischer Entrüstung und Scheinheiligkeit zeigen kann (man muss nur darauf achten, in welchem Ton er die korrekte Voltzahl des Teasers in seiner Befragung konsequent immer wieder wiederholt) endlich erneut demonstrieren kann, macht dies zu einem unterhaltsamen Einblick ins Rechtssystem. Dazu kommt ein spannender Fall mit aktuellem Bezug und einen netten Zusatzelement der Beteiligung der Geschworenen. Zudem habe ich es genossen, dass Will ausgerechnet gegen Lionel Deerfield antreten musste, der während seiner Suspendierung so etwas wie sein Berater war. Und mehr Screentime für Edward Herrmann ist immer eine gute Sache und dass man seine anfangs sehr kleine Rolle immer weiter ausbaut, zeigt wieder einmal das Gespür der Serie für talentierte und charismatische Darsteller.

Gäbe es also nicht diese Ausflüge in die leidige Kalinda-Storyline, die sich immer ein wenig anfühlen als hätte irgendjemand gegen meinen Willen den Sender gewechselt und ich würde plötzlich einer ganz anderen Serie zuschauen, die leider mit der Qualität von "Good Wife" nicht annähernd mithalten kann, könnte man diese Episode als solide und unterhaltsam einstufen. Sollte es bald wieder gelingen, Archie Panjabi aus ihrem Soft-Sex-Spin-Off zu befreien, schlägt sich das vielleicht auch mal wieder in den Punktzahlen nieder.

Cindy Scholz - myFanbase

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