Bewertung: 8

Review: #3.19 Interessenkonflikt

Foto: Julianna Margulies, Good Wife - Copyright: Paramount Pictures
Julianna Margulies, Good Wife
© Paramount Pictures

Auch nach fast drei vollen Staffeln ist "Good Wife" noch in der Lage, neue Formen des amerikanischen Justizsystems aus dem Ärmel zu zaubern und so die Geschichten auf frische Art und Weise zu erzählen. In dieser Woche handelt es sich dabei um ein so genanntes Blue Ribbon Panel, eine Art unabhängige Expertenkommission im Falle einer Polizistenschießerei, der Alicia angehört. Sie tritt dabei die Vertretung von Diane an und erhält diesen Platz bezeichnender Weise aufgrund der Tatsache, dass zu dieser Besetzung eben eine Frau gehört. Manchmal habe ich ja den Verdacht, dass "Good Wife" ein klein wenig meine Gedanken lesen kann, wenn man immer wieder genau den Finger in gewisse Wunden unserer Gesellschaft steckt, die mir gerade unter den Nägeln brennen und die meiner Meinung nach in der TV-Welt viel zu wenig betrachtet werden. So ist zwar die Verwurzelung dieser so genannte Quotenpolitik (das Panel benötigt eben eine Frau und einen Schwarzen, die aber leider aus dem normalen Umfeld nicht aufgrund ihrer Fähigkeiten rekrutiert werden), nur ein kleiner Faktor zum Beginn der Episode, aber es wird von weiteren Brennpunkten abgelöst, die es genauso wert sind, genauer beleuchtet zu werden.

Insgesamt ist diese Episode eine formidable Sternstunde für Alicia, die allerhand auf ihrer Agenda hat und sich dann auch noch zwischen ihren eigenen Interessen entscheiden muss. Neben dem angesprochenen Blue Ribbon Panel vertritt sie zudem Kalinda gegen die Ermittlungen des Finanzamtes und sie versucht weiterhin, ihr altes Haus zurückzukaufen. Auch wenn ich mit dieser Entscheidung bezüglich des Hauses immer noch nicht ganz mitgehen kann, finde ich es doch durchaus gelungen, wie man anhand dieses Handlungsstranges Alicias privaten Bedürfnisse und ihre Verwurzelung in der Familie, ohne sie dabei direkt wieder in Peters Arme zu treiben, im Bewusstsein des Zuschauers hält. Auch wenn ich mich meist mehr für ihre beruflichen Konflikte interessiere, gehört das private Umfeld von Alicia doch eng zum Kern der Serie und ich finde es wirklich gut getroffen, wie man dies nun eben über ihr altes Haus angeht, ohne eine neue Männergeschichte daraus zu machen. Und mit Jackies Einmischung verspricht das ganze doch durchaus an Pepp aufzunehmen. Auch erfahren wir, dass Peters potentielle Kandidatur zum Gouverneur wenn, dann bald angekündigt werden wird, wahrscheinlich also auf dem Weg zum Staffelfinale.

Gleichzeitig verdichten sich aber die Anzeichen, dass diese Kandidatur alles andere als einfach werden würde. Die Andeutungen, die innerhalb der Kommission auftauchten, dass Peter eben aus politischem Kalkül den eventuellen Mord eines Polizisten an einem unschuldigen Schwarzen unter den Tisch kehren wollte, sind brisant. Die Art und Weise, wie diese in den Fokus rückten, machten den Fall dieser Woche zu einem der besten der gesamten Staffel. Mit Matthew Perrys Mike Kresteva scheint sich ein potentiell gefährlicher Gegner, ob für Alicia oder doch für Peter, abzuzeichnen. Es ist wirklich interessant, wie dieser innerhalb der Episode immer bissiger und zynischer wird und Alicia deren hehre Ideale um die Ohren knallt. Dabei gelingt es auch vorzüglich, zwar Alicia ein wenig in der Rolle der Heiligen zu belassen, aber aufgrund der Nuancen um sie herum die Sache doch nicht ganz so einfach darzustellen. Die ganze Art und Weise, wie der Fall hier aufgebaut wurde, gehe ich davon aus dass er nicht mit Alicias Rückzug aufgrund ihres Interessenkonflikts beendet ist. Da scheint noch etwas zu kommen, oder zumindest hoffe ich das. Matthew Perry hat sich jedenfalls gleich richtig gut eingelebt und kann gerne öfter auftauchen. Die Tatsache, dass er als Charakter hier völlig aus dem Nichts auftaucht und plötzlich solch einen Stellenwert einnimmt, wird auch sehr gut dadurch wett gemacht, dass die Kommission mit einigen anderen bekannten Gesichtern besetzt ist. Wie immer kann "Good Wife" auf seine tiefe Bank an etablierten Gastcharakteren setzen, und der Situation so mehr Relevanz verleihen.

Aber auch der zugrunde liegende Fall an sich bietet einiges an Brisanz. Im ersten Moment dachte ich mir zwar, dass die Situation fast schon zu eindeutig ist, mit dem schwarzen Opfer, der auch noch solch ein edler und hilfsbereiter Mensch war, und den bösen weißen Polizisten, die einfach drauflosschießen und sich dann den Konsequenzen entziehen. Aber umso mehr ich darüber nachdenke, um so mehr wird mir klar, dass wir damit auch heute noch einfach zu nah dran an der Realität sind. Aktuelle Beispiele zeigen immer wieder, dass die so genannte zivilisierte westliche Gesellschaft nicht bereit ist zu ihren Schwächen zu stehen und ein solcher Vorgang der Verschleierung, aus den angeblich gut gemeinten Motiven der Vermeidung einer Rassenunruhe ist genau das, was in Wahrheit wohl leider passieren würde. Und ich kann der Serie einfach keine Vorwürfe aus mangelnder Subtilität machen, wenn das wahre Leben einfach noch nicht an einem nuancierteren Punkt angekommen ist. Und ich bin ihr einfach auch immer wieder dankbar, dass sie als eine der wenigen immer wieder solche Fragen der Rasse und auch der Geschlechter in der Gesellschaft auf den Tisch bringt und nicht mittels einer einfachen Lösung fürs gute Gewissen des weißen Mannes abschließt.

Neben dem sehr gelungenen Handlungsstrang rund um das Blue Ribbon Panel stand aber auch wieder einmal der Machtkampf rund um Wills Platz in der Hierarchie der Kanzlei auf dem Programm. Wie Diane es so schön zusammenfasst, wirkt es wie ein Kampf von verzogenen Kindern um ein Spielzeug, was sie nicht haben dürfen. Sie müssen es also außer Reichweite halten, damit es nicht kaputt geht. Dabei kommt es zu einigen amüsanten Szenen, die wieder einmal die großartige Chemie zwischen den beiden Partner Will und Diane offenbart und dafür bin ich wie immer dankbar und hoch amüsiert. Auch die Lösung, die man für das ganze Dilemma vorerst findet, in dem der alte Howard Lyman zu Wills Ersatzmann ernannt wird, hat richtig Spaß gemacht. Lymann, der ja damals schon im Kampf gegen Derrick Bond aus dem Hut gezaubert wurde und dort auch schon gut zur Unterhaltung beitragen konnte, glänzt auch hier wieder mit einigen köstlichen Momenten. Und wie Eli sehe ich es auch so: Solange es David Lee nervt, macht es uns Spaß.

Einziger Minuspunkt der Folge lag für mich in Kalindas Steuermittlungen, die sich etwas enttäuschend als reiner Störversuch von deren alter Flamme Lana Delaney vom FBI herausstellen. Sollte Lana wirklich nur aufgrund einer Ahnung und ohne wirkliche Motive handeln, vielleicht nur um Kalinda wieder in ihr Bett zu locken, dann finde ich das doch wirklich langweilig. Ich bin mir aber noch nicht ganz sicher, ob dies wirklich der Fall ist, oder ob da noch etwas kommen wird. Bleiben wir also erst einmal verhalten optimistisch, was das angeht, auch weil mir hier noch viel zu wenig auf die wiederbelebte Freundschaft zwischen Alicia und Kalinda eingegangen wurde. Da hätte ich doch gerne etwas mehr gesehen, was hier in dieser so bereits schon sehr vollgestopften Episode aber wohl doch etwas viel geworden wäre. Abgesehen davon war dies aber eine wirklich großartige Folge, die besonders vom Schwerpunkt auf Alicia getragen wurde.

Cindy Scholz - myFanbase

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